Dipl.-Psych. Julia Scharnhorst
Unter Resilienz versteht man die Fähigkeit, sich widerstandsfähig gegenüber äußeren Belastungen und Krisensituationen zu zeigen und diese ohne anhaltende Beeinträchtigung durchzustehen. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Physik und bezeichnet in der Werkstoffkunde die Fähigkeit eines Werkstoffs, sich verformen zu lassen und dennoch in die ursprüngliche Form zurückzufinden. Der resiliente Mensch gleicht also einem Stehaufmännchen, das sich immer wieder aufrichtet, auch wenn es durch Krisen umgestoßen wird. Damit ist der Begriff Resilienz weiter gefasst, als der Begriff Stressmanagement. In einigen Konzepten wird Resilienz auch noch weiter gefasst: Es geht nicht nur darum, nach Krisen zur vorherigen Form zurückzufinden, sondern durch schwierige Situationen zu wachsen und sich weiterzuentwickeln.
Der Begriff "organisationale Resilienz" wird in Abgrenzung zur individuellen Resilienz verwendet und bezieht sich immer auf die Ebene einer Organisation, also z. B. eines Unternehmens oder einer öffentlichen Verwaltung. Das Forschungsprojekt der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zum Thema "Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt" beinhaltet auch den Bereich der "Organisationalen Resilienz". Hier wird der aktuelle Forschungsstand zur organisationalen Resilienz vorgestellt. Eine resiliente Organisation kann – nach der Definition des BAuA-Berichts – die Funktionalität im Hinblick auf bestimmte Ergebnisse aufrechterhalten oder nach einer Störung schnellstmöglich wiederherstellen.
Abb. 15: Stadien der Resilienzförderung
Um gesunde Arbeitsbedingungen für die Belegschaft zu schaffen und die Funktionsfähigkeit und Produktivität des gesamten Unternehmens auch in Krisenzeiten (z. B. Corona-Pandemie) zu erhalten, sollten Unternehmen beide Aspekte der Resilienz b...