Dipl.-Psych. Julia Scharnhorst
Die Messinstrumente, die bei der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen eingesetzt werden, sollten alle relevanten Belastungsfaktoren beinhalten (s. Abschn. 3.3). Es gibt Fragebögen, die nur einen Teil der nötigen Bereiche abdecken und andere, die zahlreiche Fragen zu Themen stellen, die nicht Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung sind. Dazu gehören auch Fragen zum Gesundheitszustand und Erleben der Beschäftigten, die laut Gesetz nicht zu einer Gefährdungsbeurteilung gehören.
Empfehlenswert ist es, auf bekannte Verfahren zurückzugreifen, die sich in der Praxis bereits bewährt haben und möglichst auch für den Zweck der Gefährdungsbeurteilung entwickelt wurden. Es ist allerdings darauf zu achten, ob die Verfahren für eine bestimmte Branche oder bestimmte Tätigkeiten entwickelt wurden. So sind im Bürobereich oft andere Belastungsfaktoren vorhanden als in der Produktion. Entsprechende Fragen müssen sich dann auch in den Fragebögen oder Interviewleitfäden für die Beobachtungsinterviews wiederfinden.
Auch wenn der Laie meint, ein Fragebogen zu psychischer Belastung im Betrieb sei doch schnell erstellt, wissen psychologische Experten, das viele Kriterien berücksichtigt werden müssen, um ein wirklich gutes Messinstrument zu entwickeln. Um z. B. mit einem Fragebogen wirklich aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, aus denen sich gezielte Maßnahmen ableiten lassen, muss dieser bestimmten Gütekriterien genügen, die verschiedene Aspekte der Qualität abbilden.
Dafür werden 3 Gütekriterien unterschieden: die Reliabilität, die Validität und die Objektivität. Jemand, der diese Gütekriterien nicht kennt, kann natürlich auch kein gutes Messinstrument für psychische Belastungsfaktoren entwickeln. Bei professionell entwickelten Fragebögen werden die Gütekriterien wissenschaftlich überpr...