Prof. Dr. Wanja Wellbrock
Mit CSRD, VSME, CSDDD, EUDR und CBAM wirken erstmals mehrere europäische Nachhaltigkeitsregulierungen parallel auf Unternehmen ein, die unterschiedlichen Zielsetzungen, Logiken und Umsetzungsmechanismen folgen. Während die einzelnen Regelwerke jeweils spezifische Anforderungen adressieren, entsteht die eigentliche Komplexität aus ihrem gleichzeitigen Zusammenspiel. Für Unternehmen stellt sich damit weniger die Frage der isolierten Erfüllung einzelner Vorgaben, sondern vielmehr die Herausforderung einer integrierten, konsistenten und praxistauglichen Umsetzung.
Die Nachhaltigkeitsregulatorik folgt keiner einheitlichen Steuerungslogik. Die CSRD mit den ESRS zielt primär auf Transparenz, Vergleichbarkeit und prüfbare Berichterstattung. Die CSDDD fokussiert sich auf risikobasierte Sorgfaltspflichten, Governance-Strukturen und präventive Steuerungsprozesse entlang der Lieferkette. Die EUDR wiederum greift unmittelbar und binär in die operative Beschaffung ein, indem sie den Marktzugang einzelner Produkte an harte Nachweispflichten knüpft. Der VSME setzt ergänzend eine Begrenzungslogik, indem er die ESG-Datenanforderungen gegenüber kleinen und mittleren Lieferanten standardisiert und deckelt. Der CBAM ergänzt diese Systematik um eine preisliche Steuerungslogik, indem er CO2-Emissionen importierter Güter unmittelbar monetarisiert und Emissionsintensität damit zu einem kostenwirksamen Wettbewerbsfaktor im Einkauf macht.
Diese unterschiedlichen Logiken wirken im Einkauf nicht nacheinander, sondern gleichzeitig. Lieferanten müssen Daten liefern, Risiken müssen bewertet und gesteuert werden, Produkte müssen freigegeben oder ausgeschlossen werden, und all dies muss zugleich berichtsfähig dokumentiert sein. Der Einkauf nimmt damit eine Schlüsselfunktion ein, die weit über klassische B...