Prof. Dr. Thilo Schülke
, Prof. Dr. Nadine Antonakopoulos
Rz. 302
Stand: 2. A. – ET: 07/2024
Der impairment only approach beim goodwill accounting wird in der Rechnungslegungstheorie stets kritisch diskutiert, insbesondere da der Goodwill-Wertminderungstest der Rechnungslegungspraxis eine Reihe von Möglichkeiten lässt, den "alten Freund" goodwill als Gast in ihren Bilanzen zu behalten. Mit einer durchgeführten Unternehmensakquisition und dem dadurch generierten goodwill sind auch "Wohl und Wehe" des (Alt-)Managements verbunden. Somit verwundert es nicht, dass Wertminderungen auf den goodwill eher selten vorkommen. Laut einer Studie von Freese/Schilling zum Goodwill-Wertminderungstest bei Banken wurden z. T. hypothetische Nutzungsdauern des goodwill von über 40 Jahren ermittelt. Die im Vergleich zu anderen Branchen relativ hohen Wertminderungen überraschen hingegen nicht, da der goodwill in den Bankbilanzen eher von untergeordneter Bedeutung ist. Betrachtet man andere Branchen, entsteht vielmehr eine gegenläufige Tendenz. Ein Wertminderungsaufwand beim goodwill ergab sich in der Vergangenheit eher in moderater Höhe (Unternehmen in großen Indices). Ein ähnliches Bild ergibt sich unter Detailbetrachtung ausgewählter Energieversorger. Diese Entwicklungstendenz hat sich im Rahmen der pandemischen Lage allerdings z. T. (temporär) umgekehrt, da die massiven wirtschaftlichen Folgen Unternehmen teilweise zu Wertminderungen gezwungen haben.
Rz. 303
Stand: 2. A. – ET: 07/2024
Ohne Zweifel birgt der Standard eine Komplexität in sich, welche zu einer Vielzahl an Problemstellungen führt. Auch die relativ hohe Anzahl an Regelungen innerhalb von IAS 36 führt nicht zur Konkretisierung bis ins letzte Detail. Mithin muss der Bilanzersteller großes Ermessen walten lassen, das allerdings auch in einem Informationsmehrwert resultieren...