Rz. 223
Stand: 2. A. – ET: 07/2024
Die Ökonomie befasst sich seit ihren modernen Ursprüngen mit den Aufgaben und Funktionen von Rechnungslegung und Bilanzierung. Dabei geht es vor allem um die Frage, was als Vermögen und was als Schulden im Rechenwerk anzusetzen ist, wie und nach welchen Grundsätzen zu bewerten ist und wie der Erfolg einer Periode zu bestimmen ist. Hierzu wurden im Laufe der Zeit unterschiedliche so genannte Bilanztheorien entwickelt, die sich losgelöst vom rechtlichen Rahmen der Rechnungslegung dem Sinn und Zweck von Jahresabschluss und Bilanzierung widmen. Wenngleich Sinnhaftigkeit und Ertrag solcher Bilanztheorien in der Ökonomie selbst umstritten sind, ist unter dem Gesichtspunkt der Anwendung von Rechnungslegungsnormen und Grundsätzen zu konstatieren, dass die unterschiedlichen Bilanzierungstheorien wichtige Erkenntnisse und auch Impulse für die Gestaltung von Rechnungslegung und Rechnungslegungsnormen hervorgebracht haben. Und so lässt sich an vielen Stellen der geltenden Normen und Grundsätze, aber auch der Rechnungslegungspraxis der Einfluss der unterschiedlichen Bilanzauffassungen erkennen.
5.2.1 Statische Bilanztheorie
Rz. 224
Stand: 2. A. – ET: 07/2024
Nach der auf Simon zurückgehenden sogenannten statischen Bilanztheorie wird dem Jahresabschluss die Aufgabe zugewiesen, das Reinvermögen des Kaufmann, also das Vermögen unter Abzug des Fremdkapitals, zu einem bestimmten Stichtag in der Bilanz darzustellen. Im Wege der Gegenüberstellung des zum Stichtag bewerteten Vermögens einerseits und der Verbindlichkeiten andererseits soll das zum Stichtag vorhandene Reinvermögen ermittelt und dessen Zusammensetzung aufgegliedert werden. Hierbei folgt der Jahresüberschuss bzw. der Periodenerfolg als Nebeneffekt aus der Vermögensermittlung als ein...