Prof. Dr. Ronald Gleich
, Prof. Dr. Heimo Losbichler
Im Krisenalltag sind Unsicherheiten umfänglich spürbar: selbst wenn das eigene operative Geschäft zunächst nicht direkt durch die Krise eingeschränkt erscheint, so kann es aber dennoch anderweitig zu Problemen kommen. Neben Einschränkungen in der Produktion (auch im Ausland) können Zulieferer von Krisen betroffen sein, die für das eigene Unternehmen selbst erstmal eine untergeordnete Rolle spielen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass nicht nur eine gesamtwirtschaftliche Betrachtung und Beobachtung der eigenen Lieferkette sinnvoll ist, sondern auch regelmäßige Absprachen mit Schlüsselakteuren der Wertschöpfungskette relevant sind. Das ist besonders dann unabdingbar, wenn es sich um besonders spezifische Ressourcen handelt, deren anderweitige Beschaffung bspw. nur unter hohen Kosten möglich wäre.
Viele COOs haben bereits erkannt, dass schlanke Lieferketten auch aus Stabilitäts- und Sicherheitsgründen ernsthaft zu hinterfragen sind sowie Einzelabhängigkeiten von Zulieferern wieder zurückgefahren werden sollten. "2 plus x"-Zulieferer ist bei vielen das Gebot der Stunde; und möglichst einer dieser Zulieferer sollte nicht 7.000 km oder mehr entfernt sein. Dass die Stabilität der Lieferketten besonders unter der aktuellen Krise leidet, wird nochmal besonders in Abb. 10 deutlich. Die aktuelle Pandemie bedeutet demnach monatelange Geschäftsunterbrechungen sowie einen Schaden, der im zweistelligen Billionen-Bereich liegen könnte. Für deutsche Unternehmen könnte das bedeuten, dass sie Teile ihrer Produktion oder Lieferketten zurück nach Deutschland oder Europa holen.
Die globale Arbeitsteilung wird sich vermutlich ein wenig, nicht aber grundsätzlich, ändern, da ansonsten wohl ein Teil unseres Wohlstandes gefährdet wäre. Es lässt sich jedoch festhalten, dass zumindest ein Wandel dieser A...