Die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Europas steht unter Druck. Zu den Ursachen zählt ein massiver Zuwachs an EU-Regulierung in den vergangenen Jahren. Der ehemalige italienische Ministerpräsident Mario Draghi weist in seinem Bericht zur Zukunft der europäischen Wettbewerbsfähigkeit aus dem Jahr 2024 auf rund 13.000 neue Gesetze der EU seit 2019 hin – ein Beleg der Überregulierung für Unternehmen und Mittelstand. Mit der Zunahme der Anzahl europäischer Gesetze ging ein erheblicher Bürokratiezuwachs einher.
Daher ist es wichtig, dass die Europäische Kommission diese Realität anerkennt und die Stärkung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit wieder zu einer politischen Priorität erhoben hat. Dabei geht es auch um den Abbau unnötiger Bürokratie. Das Stichwort in Brüssel lautet Vereinfachung. Konkretes Ziel der Europäischen Kommission – angekündigt bereits im Jahr 2023 – ist die Reduktion EU-weiter Berichtspflichten um 25 %. Für kleine und mittlere Unternehmen geht es gar um eine Reduktion des Verwaltungsaufwands um 35 %.
Die ersten Legislativvorschläge aus dem Februar 2025 – die sog. Omnibusse I und II – bildeten einen wichtigen Schritt in diese Richtung. Im Fokus stehen u.a. Vereinfachungen der Lieferkettenrichtlinie sowie der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Deren Vorgaben werden für deutlich weniger Unternehmen gelten. Inhaltliche Anforderungen werden darüber hinaus auf ein verhältnismäßiges Maß reduziert und mit mehr Rechtssicherheit versehen.
Dabei spielt die Einbeziehung des freiwilligen Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung kleiner und mittlerer Unternehmen (kurz VSME, entwickelt von der European Financial Reporting Advisory Group) eine wichtige Rolle. Der VSME umfasst Basisdaten der Nachhaltigkeit und dient Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitern...