Viele Führungskräfte denken "man ist entweder gesund oder krank" – dabei übersehen sie den Graubereich, innerhalb dessen der Mitarbeiter die Bettkanten-Entscheidung in der Regel fällt. 200-mal im Jahr trifft jeder Arbeitnehmer die Entscheidung: "Gehe ich zur Arbeit oder reicht mein Kopfweh zum Daheimbleiben?"
4.1 Ablauf und Einflussfaktoren der Bettkanten-Entscheidung
Eine wichtige Frage bei der Bettkanten-Entscheidung: "Fällt es überhaupt auf, wenn ich nicht da bin? Wem fehle ich, wenn ich fehle?"
Bei dieser Entscheidung spielen auch viele Dinge eine Rolle, die von Führungskräften beeinflusst werden können. Damit die Führungskräfte dies erkennen, muss man sie vom dichotomen Denken wegbringen. Denn die Mitarbeiter agieren sonst ebenfalls in dieser Schwarz-Weiß-Denke, was in der Praxis schon zu Aussagen geführt hat wie: "Ich habe mir eine Warze am kleinen Zeh wegmachen lassen und kann deshalb 3 Tage nicht arbeiten."
Wohlbefinden am Arbeitsplatz
Das Wohlbefinden am Arbeitsplatz ist ein wichtiger Faktor bei der Bettkanten-Entscheidung.
Beim Aufwachen spielen die folgenden Faktoren eine Rolle:
- Wie geht's mir? Habe ich Lust zum Arbeiten? Erwartet mich stressige Arbeit? Finde ich meine Bezahlung angemessen? Mag ich meine Führungskraft? Mag ich meine Kollegen? Wer macht meine Arbeit, wenn ich nicht komme? Bemerkt das überhaupt jemand? Ist meine Arbeit sinnvoll? Passt das zu mir, einfach so der Arbeit fernzubleiben? Hätten meine Führungskraft und mein Team Verständnis, wenn ich heute nur zu 50 % fit bin?
Auch beim Arztbesuch, bei der Krankmeldung, im Genesungsprozess und bei der Rückkehr entscheidet der Mitarbeiter mit darüber, wann er wieder am Arbeitsplatz erscheint.
- Soll ich besonders starke Schmerzen vorgeben? Soll ich ein paar nicht nachweisbare Psycho-Beschwerden hinzuerfinden? Soll ich um eine möglichst lange Krankschreibung bitt...