Cordula Schah-Sedi
, Michel Schah-Sedi
Rz. 1
Die Regulierung von Personenschäden wird in der Praxis häufig unterschätzt. Tatsächlich erfordert sie vertiefte Kenntnisse in einer Vielzahl von Rechtsgebieten, darunter das allgemeine zivilrechtliche Haftungsrecht, das Verkehrsrecht, die Produkthaftung, die Arzthaftung, das Medikamenten- und Medizinproduktehaftungsrecht, die Tierhalterhaftung, das Luftfahrtrecht, das Sozialversicherungsrecht und das Versicherungsrecht. Zu den Voraussetzungen der Haftung existiert eine Fülle an Literatur, aus Sicht der Geschädigten liegt der eigentliche Schwerpunkt allerdings auf der Frage, wie hoch ihre Ansprüche ausfallen. Der Bereich der Schadenszumessung wird von Juristen jedoch regelmäßig erheblich zu gering gewichtet. Mehr als 90 % aller Personenschäden werden außergerichtlich reguliert. Dies führt dazu, dass Forderungshöhen, Abwägungsgründe und konkret gezahlte Entschädigungssummen nicht offengelegt werden. Urteile, die sich eingehend mit der Bemessung der Schadenshöhe befassen, sind selten. Meist beinhalten sie lediglich pauschale Verweise auf Vergleichsentscheidungen oder berufen sich auf Schätzungsbefugnisse.
Rz. 2
Für die Anwaltschaft besteht hier ein großes Risiko, denn ohne fundiertes Fachwissen wird regelmäßig lediglich ein unzureichendes Ergebnis für die Mandanten erzielt, was nicht nur die Geschädigten benachteiligt, sondern auch die Haftungsgefahr für den Rechtsbeistand erhöht. Wer nicht auf Augenhöhe mit der Versichererseite agiert, gerät leicht ins Hintertreffen, denn Versicherungen verfügen erfahrungsgemäß über ein ausgeprägtes Spezialwissen zur Schadensbemessung. Deshalb liegt der Schwerpunkt dieses Buches in der Darstellung der außergerichtlichen Regulierung. Anhand von Beispielen und Musterschreiben werden die möglichen Ansprüche eines Geschädigten umfänglich...