Bertram/Brinkmann/Kessler/M... / 3.5 Materialaufwand (Abs. 2 Nr. 5)
 

Rz. 90

Unter dem Posten "Materialaufwand" (§ 275 Abs. 2 Nr. 5 HGB) sind sowohl die Aufwendungen für RHB und für bezogene Waren (Nr. 5a) als auch die Aufwendungen für bezogene Leistungen (Nr. 5b) gesondert auszuweisen.

Mit dieser zwingend zu beachtenden Untergliederung weicht die Gliederung des § 275 Abs. 2 Nr. 5 HGB von der Regelung des Art. 9 Abs. 2 EU-Richtlinie ab. Nach dieser wäre (gem. Anhang V der Richtlinie) eine Untergliederung in die beiden Positionen (Aufwendungen für) "RHB und bezogene Waren" und "sonstige externe Aufwendungen" erforderlich gewesen.

Konkret hätte die wortwörtliche Umsetzung der Beispielgliederung damit zu folgender Gliederungssystematik geführt:

a) Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe

b) Sonstige externe Aufwendungen

Zwar wäre die Aufnahme des Postens "Sonstige externe Aufwendungen" als Unterpunkt der Position 5 ausdrücklich zu begrüßen gewesen, da dann die GuV direkten Raum für den Ausweis von bestimmten Aufwendungen geboten hätte, die so unter dem Posten "Sonstige betriebliche Aufwendungen" auszuweisen sind (z. B. für die Leasingaufwendungen), aber gleichzeitig hätten dieser wortgetreuen Richtlinienumsetzung zwei Probleme entgegengestanden: Zum einen wäre dann die Position 5 des GKV die einzige Position ohne eigene (verbal ausformulierte) Oberüberschrift gewesen, was letztlich einen groben Verstoß gegen die im deutschen Sprachraum gängigen Gliederungskonventionen dargestellt hätte. Zum anderen wäre die Positionsbezeichnung RHB innerhalb des Jahresabschlusses doppelt vergeben worden, da diese Position in Bilanz und GuV identisch bezeichnet worden wäre.

Insofern ist zumindest die Ergänzung um den Zusatz "Aufwendungen für" RHB und damit die Abweichung von der EU-Richtlinie im Hinblick auf den Grundsatz der Klarheit in gewissem Maße sogar zwingend. Gleiches gilt auch für die Begradigung der Nummerierungsunzulänglichkeiten der EU-Richtlinie.

3.5.1 Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren (Abs. 2 Nr. 5a)

 

Rz. 91

Eine Definition für den Materialaufwand findet sich in den handelsrechtlichen Bestimmungen nicht. Dieser Umstand ermöglicht es, über den Materialverbrauch des Fertigungsbereichs hinaus auch den Materialverbrauch des Forschungs-, Entwicklungs-, Verwaltungs- und Vertriebsbereichs unter Posten Nr. 5a auszuweisen. Alternativ kann dieser auch unter dem Posten "sonstige betriebliche Aufwendungen" ausgewiesen werden. Hierbei handelt es sich jedoch um eine einmalige Ausweisentscheidung, welche in den Folgejahren dem Grundsatz der Stetigkeit unterworfen ist.

 

Rz. 92

Rohstoffe sind Materialien, die mit oder ohne Bearbeitung als Hauptbestandteil in das Erzeugnis einfließen. Auch Vorprodukte und Fremdbauteile stellen Rohstoffe dar.

Hilfsstoffe sind Erzeugnisbestandteile von untergeordneter mengen- oder wertmäßiger Bedeutung.

Unter die Kategorie Betriebsstoffe fallen jene zur Erzeugniserstellung verbrauchten Produkte, die nicht unmittelbar in das Erzeugnis eingehen. Hierzu zählen auch Rohstoffe der Nebenbetriebe (z. B. Lebensmittelvorräte der Kantine) sowie die im Verwaltungs- und Vertriebsbereich eingesetzten Büromaterialien. Abweichend von der ansonsten üblichen Systematisierung der klassischen Betriebswirtschaftslehre stellen Aufwendungen für bezogenen Strom und vergleichbare Energieaufwendungen keine Aufwendungen für Betriebsstoffe bzw. Material dar, sondern Aufwendungen für bezogene Leistungen.

Bezogene Waren sind erworbene Erzeugnisse, die ohne wesentliche Be- oder Verarbeitung zur Weiterveräußerung bestimmt sind.

 

Rz. 93

Die Höhe der Materialaufwendungen errechnet sich aus dem Anfangsbestand der Eröffnungsbilanz zzgl. der Zugänge und abzgl. des in der Schlussbilanz ausgewiesenen Endbestands. Entsprechend dieser Wertermittlungskonzeption werden auch Abwertungen als Materialaufwendungen erfasst, soweit sie das übliche Maß nicht überschreiten. Somit beeinflussen auch unternehmensüblicher Schwund, Qualitätsverlust sowie rückläufige Marktpreise die Höhe des Materialaufwands. Die Ausweisentscheidung, ob die aufgrund dieser angeführten Gründe vorzunehmenden Abwertungen als Materialaufwand oder anderweitiger Aufwand einzustufen sind, ist von ihrer Höhe abhängig zu machen. Bewegen sich die Wertminderungen auf üblichem Niveau, sind sie als Materialaufwand auszuweisen. Übersteigen sie dieses, folgt daraus ein Ausweis als der Höhe nach unübliche Abschreibungen auf VG des UV (§ 275 Abs. 2 Nr. 7b HGB).

Verluste aus mengenmäßigen Bestandsabgängen (Diebstahl, Brand, Bruch) sind nur als Materialaufwand auszuweisen, soweit sie sich auf unerheblichem Niveau bewegen. Übersteigen sie dieses, ist ein Ausweis als sonstige betriebliche Aufwendung (§ 275 Abs. 2 Nr. 8 HGB) erforderlich, da sich die Position unübliche Abschreibungen lediglich auf die Erfassung von Wertverlusten beziehen und nicht auf mengenmäßige Veränderungen der betreffenden Bilanzpositionen. Die Klassifizierung unüblicher Abschreibungen, die aufgrund ihrer Höhe nicht als Materialaufwand, sondern unter dem Posten Nr. 7b auszuweisen sind, ist an den in den Vj aus denselben Gründen angefallenen Abschreibungen auszurichten.

 

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