16.05.2017 | Top-Thema Wirtschaftsprüfung - Umsetzung der Abschlussprüfungs-Reform und aktuelle Trends im Prüfungsmarkt

Abschlussprüfungs-Reform

Kapitel
Durch das Abschlussprüfungsreformgesetz kommt es künftig zu einer stärkeren Trennung von Prüfung und Beratung.
Bild: Corbis

Am 17.6.2014 ist die geänderte EU-Richtlinie und Verordnung für die Reform der Abschlussprüfung in Kraft getreten. Betroffen sind grundsätzlich die Prüfungen von Unternehmen öffentlichen Interesses, den Public Interest Entities (PIEs). In Deutschland hat der Gesetzgeber die Reform zwischenzeitlich umgesetzt – recht moderat. Dennoch resultiert aus dem Abschlussprüfungsreformgesetz, dass es künftig stärker zu einer Trennung von Prüfung und Beratung kommen wird, weil die Pflichtrotation eingeführt wird. Der Markt der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (WPG), der recht stabil ist, ist in Bewegung geraten.

Auch wenn vom ehemals sehr ambitionierten Grünbuch des EU-Binnenmarktkommissars Michel Barnier nicht viel übrig geblieben ist, konnte er eine Reform der Abschlussprüfung in der EU durchsetzen. Während die Verordnung bereits Mitte 2014 unmittelbar geltendes EU-Recht wurde, hat zwischenzeitlich auch der deutsche Gesetzgeber die Richtlinie umgesetzt. Einige wesentliche Punkte werden die Abschlussprüfung für Unternehmen öffentlichen Interesses (PIE) reformieren:

  • Obligatorische Ausschreibung bei PIE, wozu insgesamt gut 1.500 (statt bislang 850) kapitalmarktorientierte Unternehmen, Banken und Versicherungen zählen.
  • Die Rolle des Prüfungsausschusses wird gestärkt. Er soll einen Prüfungsbericht erhalten, was in Deutschland ohnehin schon üblich ist. Bei der Auftragsvergabe muss dieser auf die Unabhängigkeit des Prüfers achten, eine Mehrjahresbestellung bis zu 10 Jahren ist möglich. Dies könnte den unter Preisdruck stehenden WPGs mehr Planungs- und Kalkulationssicherheit geben. Denn ein Prüferwechsel bei einem internationalen Konzern, der in der Vergangenheit selten vorkam, ist für den neuen Prüfer personell und organisatorisch sehr aufwändig und nur von wenigen zu stemmen.
  • Verpflichtende externe Rotation nach 10 Jahren; Option auf weitere 10 Jahre bei erneuter Ausschreibung und sogar 14 Jahre bei Joint Audit, also einer parallelen Prüfung durch zwei WPGs, sodass der Prüferwechsel allerspätestens nach 24 Jahren erfolgen muss. Eine Untersuchung zeigt, dass von den 30 Dax-Unternehmen 24 seit mindestens 20 Jahren immer die gleiche WPG beauftragen. Das wird nach Ablauf der Übergangszeit im Jahr 2020 nicht mehr möglich sein. Dann sind die o. g. Fristen der externen Rotation zwingend anzuwenden.
  • Ein generelles Beratungsverbot für geprüfte Unternehmen wurde nicht eingeführt. Prüfungsfremde Leistungen wie Steuerberatung, Buchhaltung, Jahresabschlusserstellung, bestimmte Bewertungen und Unternehmensberatung, die allesamt auf einer black list stehen, dürfen aber nicht gleichzeitig beim geprüften Unternehmen angeboten werden.
  • Umsatzbegrenzung: Die in den letzten 3 Jahren erbrachten prüfungsfremden Leistungen dürfen nicht mehr als 70 % der durchschnittlichen Gesamthonorare der letzten 3 Jahre überschreiten. Dies schließt auch Services für das Mutter- und Tochterunternehmen ein. Damit soll eine übermäßige Quersubventionierung der Prüfung durch Beratung verhindert werden.
  • Abschlussberichte sind in Einklang mit den internationalen Standards zu gestalten; die Prüfungen sollen obligatorisch nach den International Standards on Auditing (ISA) durchgeführt werden. Die Regeln der Verordnung zum Bestätigungsvermerk (Audit Report) gehen den ISA-Regeln vor.
  • Die Berichtspflichten im Bestätigungsvermerk werden ausgeweitet, sodass dieser eine bessere Aussagekraft erhält.
  • Die Rolle des Prüfungsausschusses wird gestärkt. Er soll einen Prüfungsbericht erhalten, was in Deutschland ohnehin schon üblich ist. Bei der Auftragsvergabe muss er auf die Unabhängigkeit des Prüfers achten, eine Mehrjahresbestellung ist möglich.

Die einschneidendste Änderung aufgrund des Abschlussprüfungsreformgesetzes ist die zwingende externe Rotation. Mehr als 1.500 Großunternehmen und Konzerne betrifft der Prüferwechsel. Eine spätere Rotation ist möglich, wenn ein zweites Prüfungsunternehmen gleichzeitig prüft (sogenannter Joint Audit). Dieser ist vor allem eine Chance mittelständischer WPGs. Während die 42 neu zu vergebenden Dax 30-Mandate wohl innerhalb der Big 4-Unternehmen zirkulieren werden.

Schlagworte zum Thema:  Wirtschaftsprüfung, Reform, Audit

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