21.07.2014 | Top-Thema Wirtschaftsprüfung - Weitere Marktkonzentration

EU-Abschlussprüfungs-Reform

Kapitel
Bild: Veer Inc.

Auf EU-Ebene sind die Würfel gefallen: Am 17.6.2014 ist die geänderte Richtlinie und Verordnung für die Reform der Abschlussprüfung in Kraft getreten. Betroffen sind nur die Prüfungen von Unternehmen öffentlichen Interesses, den Public Interest Entities (PIEs). Verstärkt wird es zu einer Trennung von Prüfung und Beratung kommen. Der Markt der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (WPG), der recht stabil ist, wird sich in den nächsten Jahren neu sortieren.

Zugegeben – vom Grünbuch des EU-Binnenmarktkommissars Michel Barnier ist nicht viel übrig geblieben. Während die Verordnung bereits unmittelbar geltendes EU-Recht ist, muss die Richtlinie binnen zwei Jahre von den nationalen Gesetzgebern umgesetzt werden – mit teilweise erheblichem Spielraum. Dennoch gibt es einige wesentliche Punkte, die die Abschlussprüfung für Unternehmen öffentlichen Interesses (PIE) reformieren wird:

  • Obligatorische Ausschreibung bei PIE, wozu insgesamt 1.350 (statt bislan 850) kapitalmarktorientierte Unternehmen, Banken und Versicherungen zählen
  • Die Rolle des Prüfungsausschusses wird gestärkt. Er soll einen Prüfungsbericht erhalten, was in Deutschland ohnehin schon üblich ist. Bei der Auftragsvergabe muss dieser auf die Unabhängigkeit des Prüfers achten, eine Mehrjahresbestellung bis zu 10 Jahren ist möglich. Dies könnte den unter Preisdruck stehenden WPG mehr Planungs- und Kalkulationssicherheit geben. Denn ein Prüferwechsel bei einem internationalen Konzern, der in der Vergangenheit selten vorkam (Beispiel: Ernst & Young wurde nach den Korruptions-Skandalen um Siemens als neue WPG beauftragt), ist für den neuen Prüfer personell und organisatorisch sehr aufwändig und nur von wenigen zu stemmen.
  • Verpflichtende externe Rotation nach 10 Jahren; Option auf weitere 10 Jahre bei erneuter Ausschreibung und sogar 14 Jahre bei Joint Audit, also einer parallelen Prüfung durch zwei WPG, sodass der Prüferwechsel
    allerspätestens nach 24 Jahren erfolgen muss. Eine Untersuchung zeigt, dass von den 30 Dax-Unternehmen 24 seit mindestens 20 Jahren immer die gleiche WPG beauftragen. Das wird nach Ablauf der Übergangszeit
    im Jahr 2020 nicht mehr möglich sein. Dann sind die o. g. Fristen der externen Rotation zwingend anzuwenden. Deutschland (und die anderen EU-Staaten) könnten gesetzlich jedoch auch kürzere Fristen bestimmen.
  • Ein generelles Beratungsverbot für geprüfte Unternehmen wird nicht eingeführt. Prüfungsfremde Leistungen wie Steuerberatung, Buchhaltung, Jahresabschlusserstellung, bestimmte Bewertungen und Unternehmensberatung, die allesamt auf einer black list stehen, dürfen aber nicht gleichzeitig beim geprüften Unternehmen angeboten werden. Allerdings hat der deutsche Gesetzgeber hier Spielraum. Bis zum Ende der Umsetzungspflicht am 17.6.2016 wird er wohl allenfalls ein moderates Verbot von gleichzeitiger Prüfung und Beratung regeln. Mit einem Verbot der Steuerberatung ist in Deutschland daher derzeit nicht zu rechnen.
  • Umsatzbegrenzung: Die in den letzten 3 Jahren erbrachten prüfungsfremden Leistungen dürfen nicht mehr als 70 % der durchschnittlichen Gesamthonorare der letzten 3 Jahre überschreiten. Dies schließt auch Services für das Mutter- und Tochterunternehmen ein. Damit soll eine übermäßige Quersubventionierung der Prüfung durch Beratung verhindert werden.
  • Abschlussberichte sind in Einklang mit den internationalen Standards zu gestalten; die Prüfungen sollen obligatorisch nach den International Standards on Auditing (ISA) durchgeführt werden. Die Regeln der Verordnung zum Bestätigungsvermerk (Audit Report) werden den ISA-Regeln vorgehen.
  • Die Berichtspflichten im Bestätigungsvermerk sollen ausgeweitet werden, sodass dieser eine bessere Aussagekraft erhält.
  • Die Rolle des Prüfungsausschusses wird gestärkt. Er soll einen Prüfungsbericht erhalten, was in Deutschland ohnehin schon üblich ist. Bei der Auftragsvergabe muss er auf die Unabhängigkeit des Prüfers achten,
    eine Mehrjahresbestellung ist möglich.

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