16.05.2017 | Top-Thema Wirtschaftsprüfung - Umsetzung der Abschlussprüfungs-Reform und aktuelle Trends im Prüfungsmarkt

Digitalisierung und IT-Beratung als Wachstumstreiber

Kapitel
Digitalisierung wird immer wichtiger – gefragt sind Dienstleistungen rund um Datensicherheit, Big Data, Cloud Services, IT-Prüfung und Wirtschaftlichkeitsanalysen.
Bild: Corbis

Internationalisierung und Digitalisierung sind die wichtigsten Trends, die für die Vergabe der Abschlussprüfung relevant sind. Selbst wenn eine große WPG das Prüfungsmandat aufgrund des zwingenden Prüferwechsels abgeben muss, bietet dies neue Chancen: Denn dies eröffnet Spielraum, demselben Mandanten Unternehmens-, Steuer- und Rechtsberatung zu verkaufen. Insgesamt scheinen die Big 4 auch nach der Reform strategisch besser aufgestellt zu sein als die meisten kleineren Anbieter.

Ob die Abschlussprüfungsreform den Markt gravierend ändern wird muss man zwischenzeitlich skeptisch sehen. Die Zwangsrotation wird zu etwas mehr Wettbewerb führen, doch die umsatzstarken und prestigeträchtigen Dax 30-Prüfungsaufträge werden wohl innerhalb der Big 4 zirkulieren, sodass insbesondere EY (früher Ernst & Young) sowie Deloitte vom Prüferwechsel profitieren könnten. Denn in Deutschland lassen sich fast alle 30 Dax-Gesellschaften entweder von KPMG oder PwC prüfen.

Kleinere WPG können allerdings darauf hoffen, den Auftrag für eine Sonderprüfung zu bekommen und bei entsprechender Expertise im Beratungsgeschäft zu punkten. Die Konzerne erwarten jedenfalls von den WPG, dass sie bei dem immer wichtiger werdenden internationalen Geschäft auch grenzüberschreitend prüfen können und selbst international aufgestellt sind. Außerdem wird die Digitalisierung immer wichtiger. Gefragt sind Dienstleistungen rund um Datensicherheit, Big Data, Cloud Services, IT-Prüfung und Wirtschaftlichkeitsanalysen. IT- und Prozessorganisation ist eine der gefragtesten Dienstleistungen aktuell. Hier kommt es darauf an entsprechend qualifiziertes Prüfungs- und Beratungspersonal zur Verfügung stellen zu können. Und dies wird immer mehr zum Engpassfaktor in den WPGs. Auch hier sind die größeren Gesellschaften sowohl strategisch als auch personell oft besser aufgestellt. Etliche kleinere WPGs reagieren darauf, indem sie kleine Mitbewerber übernehmen. Die großen WPGs investieren stattdessen stärker in Technik und Übernahme von Beratungsgesellschaften, die das Beratungs-Portfolio abrunden.

Beratung bleibt margenträchtiger

Tatsächlich sind die Beratungsleistungen – auch die Rechts- und Steuerberatung – häufig margenträchtiger als die Wirtschaftsprüfung. Auch aus diesem Grund bieten den Big 4 ein zwingender Prüferwechsel sogar die Chance beim selben Mandanten statt der Abschlussprüfung anderweitige Beratungsleistungen zu verkaufen – und untern Strich sogar wirtschaftlich besser abzuschneiden.

Kleinere Anbieter müssen sich den Megatrends Internationalisierung und Digitalisierung stellen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Schlagworte zum Thema:  Wirtschaftsprüfung, Reform, Audit

Aktuell
Meistgelesen