18.06.2012 | Top-Thema Wichtige Verprobungen

Wie die Finanzverwaltung Fehler aufspürt

Kapitel
Bild: Image Source/F1online

Die Finanzverwaltung nimmt verschiedene Berechnungen vor, um die eingereichten Jahresabschlüsse oder Einnahmen-Überschuss-Rechnungen zu verproben. Tauchen dabei Unstimmigkeiten auf, kann es zu teuren steuerlichen Hinzuschätzungen und strafrechtlichen Konsequenzen kommen.

Prüfungsschritt 1: Wo kommt das Geld her und wo fließt es hin?

Die Geldverkehrsrechnung wird von der Finanzverwaltung gerne angewandt, wenn ein Steuerpflichtiger

  • keine Vermögensbildung hat
  • in überschaubaren Verhältnissen lebt
  • einen hohen Bruttolohn, aber keine Einkünfte aus Kapitalvermögen hat (trotz Abgeltungssteuer)
  • hohe Einkünfte hat, aber nur eine geringe Schuldtilgung
  • sich ohne Herkunftsnachweis des Geldes selbst angezeigt hat
  • geringe Einkünfte und hohe Schulddienste hat.

Grundlage hierfür können Kontenabfragen bei den Banken oder eine erfolgte Selbstanzeige sein.

Diese Berechnung basiert auf der Annahme, dass ein Steuerbürger in einem Veranlagungszeitraum nicht mehr Geld ausgeben kann, als ihm aus versteuerten Einkünften oder aus sonstigen Fällen zugeflossen ist. Die Geldverkehrsrechnung beschränkt sich dabei auf den Einnahmen- und Ausgabenbereich. So werden nicht nur Bargeldbewegungen erfasst, sondern alle entsprechenden Vorgänge bei den Bank- und Postkonten. Lediglich Wechsel- und Scheckbewegungen werden nicht berücksichtigt, sofern sie keinen Zu- oder Abfluss bewirkt haben.

Hinweis: Es gibt eine Gesamt- und eine Teilgeldverkehrsrechnung. Die Erste erfasst sowohl den betrieblichen als auch den außerbetrieblichen Bereich, die Zweite nur einen der beiden Bereiche.

 

Prüfungsschritt 2: Existiert der buchhalterische Kassenbestand tatsächlich?

Eine weitere Verprobungsmethode ist der Kassensturz. Er wird überwiegend von Betriebsprüfern angewandt. Sie findet Anwendung, wenn die Kasse nicht von fremden Personen, sondern vom Unternehmer selbst oder von nahen Angehörigen geführt wird. Mittels des Kassensturzes kann festgestellt werden, ob der in der Kasse befindliche Geldbetrag im Prüfungszeitraum des Betriebsprüfers mit dem buchmäßig festgestellten Bestand übereinstimmt.

Praxis-Tipp: Achten Sie darauf, dass der Kassenverantwortliche und nicht der Betriebsprüfer den Kassensturz durchführt und zwar bestenfalls in Abwesenheit des Prüfers.

Wichtig: Bei Differenzen drohen Steuernachzahlungen. Können Differenzen zwischen Soll- und Istbestand nicht aufgeklärt werden, geht der Prüfer davon aus, dass die Kassenführung nicht ordnungsgemäß ist. Im Regelfall erfolgen Zuschätzungen zu den Einnahmen, da Schwarzeinnahmen vermutet werden.

 

Prüfungsschritt 3: Ist der Kassenbestand im Minus?

Die Kassenfehlbetragsrechnung beruht auf der Überlegung, dass niemand mehr Geld ausgeben kann, als er besitzt. Die Kassenausgaben können in einem bestimmten Zeitraum nicht größer sein als die Kasseneinnahmen unter Berücksichtigung des Anfangsbestandes. Deshalb prüft der Prüfer oder die Prüferin folgende Vorgänge:

  • fortlaufende Aufzeichnung der Kasseneinnahmen,
  • verblassende Aufzeichnung der Kassenausgaben,
  • zutreffende Erfassung der Einnahmen und Ausgaben,
  • Überprüfung auf sog. Minuskassenbestände.

Wichtig: Der Kassenbestand darf niemals im Minus sein. Werden negative Kassenbestände festgestellt, ist dies ein eindeutiges Indiz dafür, dass Einlagen oder Entnahmen nicht oder unrichtig verbucht bzw. aufgezeichnet wurden bzw. dass eine Kasse nachträglich erstellt wurde. Aus den Fehlbeträgen werden steuerliche Konsequenzen in Form von Zuschätzungen zu den Betriebseinnahmen gezogen.

 

Prüfungsschritt 4: Gibt es mengenmäßige Lücken?

Betriebsprüfer verproben auch häufig Waren- bzw. Absatzmengen (Mengenverprobungen). Hierzu werden die Bestände einer bestimmten Ware zu Beginn des Wirtschaftsjahres zuzüglich Zukäufen erfasst und um die Bestände am Ende des Wirtschaftsjahres (nach Inventur) bereinigt. Der hieraus resultierende Betrag lässt auf den Sollumsatz schließen. Ein Vergleich zum Ist-Umsatz deckt dann Lücken auf.

 

Prüfungsschritt 5: Wie hoch sind die notwendigen Einnahmen?

Eines der schlagkräftigsten Überprüfungsmittel des Betriebsprüfers ist die Vermögenszuwachsrechnung. Durch sie ermittelt der Betriebsprüfer Vermögensmehrungen, die nicht durch Einkünfte erfasst wurden. Hierbei wird auch der private Bereich des Steuerpflichtigen einbezogen. Die Berechnungen erfolgen losgelöst von der Buchführung bzw. Gewinnermittlung des zu prüfenden Betriebes, um eine Vollständigkeit der notwendigen Einkünfte zu überprüfen. Aus dem Vermögenszuwachs (hierbei kann auch ein negativer Zuwachs entstehen) und dem privaten Verbrauch ist es für den Betriebsprüfer möglich, auf die hierfür notwendigen Einkünfte zu schließen. Die ermittelte Summe der steuerpflichtigen Einkünfte wird schließlich mit den erklärten Einkünften des Steuerpflichtigen verglichen. Differenzen werden hinterfragt und ggf. Zuschätzungen vorgenommen. Strafrechtliche Folgen sind nicht selten.

Hinweis: Beim privaten Verbrauch geht die Verwaltung von Durchschnittswerten je Familienangehörigen aus. Stellt sich heraus, dass die tatsächlichen Privatkosten niedriger sind, kann dies entlastend berücksichtigt werden.

Schlagworte zum Thema:  Finanzverwaltung, Jahresabschluss, Verprobung, Einnahmenüberschussrechnung

Aktuell

Meistgelesen