18.06.2012 | Top-Thema Wichtige Verprobungen

Verprobungsarten und ihre Besonderheiten

Kapitel
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Durch den zunehmenden Druck auf Unternehmen, ihre Steuererklärungen elektronisch abzugeben, die automatischen Logikprüfungen und die Programmstruktur bei der Einnahmen-Überschuss-Rechnung sowie die E-Bilanz-Taxonomie kann die Finanzverwaltung unschlüssige Daten für Verprobungen aussondern.

Sowohl die Umsatz- als auch die Wareneinsatzverprobungen der Finanzverwaltung zielen darauf ab, vergessene Einnahmen aufzudecken und eine höhere Steuerschuld zu erwirken. Werden die Verprobungen konkreter - z. B. nach einem Verdachtsmoment -, stellt der Außendienst intensivere Berechnungen an. Dies können u. a. Geldverkehrsrechnungen oder Vermögenszuwachsrechnungen sein.

Methode 1: Die Umsatzverprobung

Mit der Umsatzverprobung können die erzielten Umsätze nachvollzogen werden. Hierbei bedient sich die Finanzverwaltung verschiedener Kalkulationsunterlagen, die Rückschlüsse auf den zu erwirtschaftenden Umsatz geben. So werden auch Ermittlungsmaßnahmen hinsichtlich des Wareneingangs und -einsatzes seitens der Finanzverwaltung ergriffen. Ein Soll-Ist-Vergleich rundet die Verprobung ab.

Eine Möglichkeit der Umsatzverprobung ist es, den branchenüblichen Umsatz anhand des verprobten Wareneinsatzes zu ermitteln und mit den Ist-Umsätzen des Unternehmens zu vergleichen.

Methode 2: Wareneinsatzverprobung

Bei der Wareneinsatzverprobung werden nicht erklärte Umsätze aufgespürt. Anhand des branchenüblichen Verhältnisses zwischen Wareneinsatz und Umsatz werden die Betriebsdaten verprobt. Die Verwaltung verfügt hierbei über eine Sammlung der branchenüblichen Aufschläge und Margen und vergleicht diese mit dem zu prüfenden Unternehmen.

 

Methode 3: Geldverkehrsverprobung

Die Verprobungen des Geldverkehrs sind oft Bestandteil von Betriebs- oder Fahndungsprüfungen und erfolgen in der Praxis in Form

  • eines Kassensturzes,
  • von Kassenfehlbetragsrechnungen oder
  • von Geldverkehrsrechnungen.

Sonderfall 1: Handwerks- oder Fertigungsbetriebe

Handwerks- und Fertigungsbetriebe unterliegen im Gegensatz zu den Handelsbetrieben einer Sonderregelung. Genaugenommen wird die Grundlage der Verprobungsrechnung erweitert. Bei der Umsatzverprobung kommt es daher nicht nur auf den Wareneinsatz an, sondern auch auf die Fremdleistungen, den Einsatz an Fertigungslöhnen und Maschinenstunden.

Sonderfall 2: Bilanzierende und Einnahmen-Überschuss-Rechner

Die Finanzverwaltung unterscheidet bei der Verprobung zwischen Verprobungen bei

  • der Gewinnermittlung nach Einnahmen-Überschuss-Rechnung und
  • der doppelten Buchführung (Bilanz).

Diese Unterscheidung ist erforderlich, da bei einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung keine Bestandsveränderungen erfasst werden, d.h., Verzerrungen der Verprobung werden durch entsprechende Formeln vorab beseitigt.

Nach Ermittlung des Wareneingangs (Soll) wird dieser Wareneingang mit dem Wareneingangsbuch (Ist) verglichen.

Wichtig: Unterschiede zu den branchenüblichen Werten und Margen bieten Angriffspunkte für Gewinnkorrekturen oder Zuschätzungen bei Kontrollen der Finanzverwaltung. Entsprechende Unterlagen muss der Unternehmer in der Regel auf Nachfrage der Finanzverwaltung einreichen, wie z.B.:

  • Ausdrucke oder elektronische Datenauszüge aus den Warenverbuchungen,
  • Eingangsrechnungen und
  • Bestandslisten.

Lässt sich eine Abweichung nicht schlüssig darstellen, erfolgen Korrekturen seitens des Innendienstes oder konkrete Prüfungen vor Ort durch die Betriebsprüfungsstellen.

Schlagworte zum Thema:  Finanzverwaltung, Jahresabschluss, Verprobung, Einnahmenüberschussrechnung

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