18.06.2012 | Top-Thema Wichtige Verprobungen

Eigene Verprobungen zur Qualitätssteigerung

Kapitel
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Der Jahresabschluss ist für Kreditinstitute insbesondere wegen der Ratingkriterien nach Basel II die wichtigste Informationsquelle. Um die gestiegenen Vorgaben der Banken zu erfüllen und den eigenen Qualitätsstandard zu erhöhen, empfiehlt es sich, den eigenen Abschluss zu verproben.

So können in der Buchhaltung und in den Bewertungsansätzen systematisch Fehler bereinigt und die Fehlerquote gesenkt werden.

Schritt 1: Verprobung des Materialeinsatzes

Besondere Aufmerksamkeit sollte auf die Bestandsbewertung gerichtet werden, da die Kreditinstitute hier hohe Qualitätsanforderungen haben. Speziell bei Produzierenden werden dort die meisten Fehler gemacht.

Mithilfe der Verprobung des Materialaufwands lassen sich schlüssig Bewertungsfehler filtern und beseitigen.

Praxis-Tipp: Um eine sinnvolle und aussagefähige Verprobung durchführen zu können, sollten hier die Kennzahlen von mindestens 3 Jahren verglichen und mit der Geschäftsleitung besprochen werden. Denn Abweichungen der Kennzahlen bzw. des Anteils am Materialeinsatz führen nicht zwangsläufig zu Ungereimtheiten.

Größere Kennzahlenabweichungen können durchaus plausibel sein, wie z. B. wegen höherer Beschaffungskosten für Rohstoffe oder Veränderungen des Materialanteils an der Produktion. Auch können beispielsweise im gebuchten Materialaufwand Aufwendungen enthalten sein, die über die Bestandsveränderungen aktiviert wurden.

 

Schritt 2: Verprobung der Abschreibung

Schwankungen müssen erklärbar sein, deshalb bietet sich für die Verprobung der Abschreibung auch hier ein Mehrjahresvergleich an. Kerngröße ist die durchschnittliche Abschreibung eines Kalender- bzw. Wirtschaftsjahres. Diese wird im Verhältnis zu den historischen Anschaffungs- oder Herstellungskosten verglichen. Aus Vereinfachungsgründen werden die Zu- und Abgänge im laufenden Wirtschaftsjahr jeweils zu 50 % berücksichtigt. Auf diese Weise werden die unterjährigen Abschreibungsanteile rationell für Verprobungszwecke umgesetzt.

Schwankungen gegenüber dem Vorjahr können sich aus der Verwendung einer unzutreffenden Abschreibungsvorschrift ergeben, aber auch durch eine längere Nutzungsdauer des Wirtschaftsgutes, eine geänderte Abschreibung oder einfach durch verstärkte Investitionen.

 

Schritt 3: Verprobung der Gewährleistungsrückstellung

Um die Risiken der gesetzlich geforderten Gewährleistungen ausreichend in der Bilanz zu berücksichtigen, müssen Gewährleistungsrückstellungen gebildet werden. Ihre Berechnung sollte verprobt werden, denn die Finanzverwaltung erkennt als Faustformel lediglich 0,50 % des garantiebehafteten Nettoumsatzes als Gewährleistungsrückstellung an. Abweichende Werte oder Rückstellungen müssen anhand der tatsächlichen Gewährleistungsaufwendungen ermittelt werden.

Wichtig: Es müssen bei der Verprobung von Gewährleistungsrückstellungen auch Rückgriffsrechte berücksichtigt werden, d. h. Rechte oder Umsatzanteile, bei denen hinsichtlich der Gewährleistung auf Dritte zurückgegriffen werden kann.

Praxis-Tipp: Als Nachweis für die Bewertung und Berechnung der Gewährleistungsrückstellung sollten ausreichende Aufzeichnungen geführt werden, wie etwa Informationen zur Auftragserteilung, zum Zeitpunkt der Gewährleistungen und zur Höhe des Gewährleistungsaufwands.

 

Schritt 4: Verprobung der Pauschalwertberichtigung

Die Verprobung der Pauschalwertberichtigung fördert betriebswirtschaftliche Mängel zutage und zielt darauf ab, den unternehmensspezifisch zutreffenden Pauschalwertberichtigungssatz zu ermitteln. Dazu sind weitere Unternehmensdaten erforderlich. Entscheidend ist das reale Ausfallrisiko. Hierbei müssen Eckdaten verprobt werden, wie Skontoaufwand, Zinsverlust und Forderungsverluste.

Hintergrund des Ganzen ist, dass diese Pauschalwertberichtigung meist ohne Abstimmung mit dem tatsächlichen Ausfall bewertet wird. Der Prozentsatz der Pauschalwertberichtigung kann aus den Buchhaltungsdaten durch ein Verprobungsschema berechnet werden und liegt in der Praxis je nach Branche durchschnittlich zwischen 0,50 % und 2,00 %.

Praxisprobleme ergeben sich bei der Pauschalwertberichtigung aus ...

  • dem Umfang der in die Pauschalwertberichtigung einzubeziehenden Forderungen,
  • der Wahl des zutreffenden Zinssatzes,
  • der Eliminierung der Umsatzsteuer,
  • der Trennung von umsatzsteuerfreien und umsatzsteuerpflichtigen Forderungen bei der Bewertung,
  • der unternehmensspezifischen Bewertung des Ausfallrisikos.

Verprobungen für Finanzamt und Bank dokumentieren

Die Verprobungen (wie z. B. Papierverprobungen, Aktenvermerke, Berechnungsprotokolle und interne Berichte) sollten unbedingt dokumentiert werden, am besten durch Logikrechnungen und Plausibilität. Auf diese Weise wird das Bilanztestat um die Detailverprobungen ergänzt und drückt eine höhere Sorgfalt aus.

Auch könnten die Verprobungen durch einen entsprechenden Hinweis direkt gegenüber der Bank kommuniziert werden. Die Bilanz erlangt dadurch einen höheren Sicherheits- und Aussagegehalt, was in der Regel bei den bankinternen Ratingsystemen berücksichtigt wird.

Schlagworte zum Thema:  Finanzverwaltung, Jahresabschluss, Verprobung, Einnahmenüberschussrechnung

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