25.11.2015 | Werbungskosten

Versuche (nicht) in meinen Schuhen zu laufen...

Aufwendungen für Kleidung sind grundsätzlich Kosten der Lebensführung.
Bild: PhotoDisc Inc.

Eine Schuhverkäuferin darf die Ausgaben für ihre Schuhe nicht als Werbungskosten geltend machen. Das Abzugsverbot greift selbst dann, wenn die Verkäuferin verpflichtet ist, während ihrer Berufstätigkeit die Schuhe ihres Arbeitgebers zu tragen. So urteilte vor kurzem das Finanzgericht Münster. 

Privatausgaben können nicht als Werbungskosten geltend gemacht werden

Bei Kosten, die in irgendeiner Form mit der privaten Lebensführung zu tun haben, geht die Finanzverwaltung grundsätzlich in Abwehrhaltung: Ausgaben fürs Private – ob Haushalt, Freizeit oder Urlaub – sind und bleiben demnach privat und können nicht als Betriebsausgaben oder Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden. Ähnliches gilt für die Ausgaben, die – wie es im Amtsdeutsch der Finanzverwaltung heißt – zu den „unverzichtbaren Aufwendungen für die Lebensführung“ gehören. Dazu zählen vor allem Kosten für 

•           Kleidung

•           Wohnung

•           Ernährung

•           allgemeine Schulbildung

•           den persönlichen Bedarf des täglichen Lebens oder auch

•           Brillen.

Sachverhalt der Klage vor dem FG

Diese Aufwendungen sind in aller Regel bereits durch das steuerliche Existenzminimum abgegolten. Auch eine Schuhverkäuferin, die sich vor dem Finanzgericht Münster mit dem Finanzamt stritt, musste diese Erfahrung machen. Die Frau war in der Filiale einer Schuhhaus-Kette angestellt; ihr Arbeitgeber hatte in den Servicestandards festgelegt, dass jede Mitarbeiterin sauber geputzte Schuhe aus eigenem Haus tragen müsse. Daher setzte die Verkäuferin in ihrer Einkommensteuererklärung knapp 850 EUR für die Ausgaben für Arbeitsbekleidung an. Das Finanzamt erkannte die Kosten nicht an, die Frau zog vor Gericht. Dort machte sie geltend, dass es in ihrer Firma zum äußeren Erscheinungsbild dazugehöre, Schuhe aus eigenem Hause zu tragen. Sie müsse diese Markenschuhe nicht nur tragen, sondern auch bei ihrem Arbeitgeber kaufen. Außerhalb des Geschäfts ziehe sie die Schuhe nicht an.

Entscheidung des FG Münster

Das Gericht konnte der Argumentation nicht folgen und wies die Klage als unbegründet ab (Az. 9 K 3675/14 E). Es handele sich weder um Aufwendungen für Arbeitsmittel noch um sonstige Werbungskosten. Aufwendungen für Kleidung seien – ebenso wie Aufwendungen für Wohnung und Verpflegung – grundsätzlich Kosten der Lebensführung. Diese könnten Steuerpflichtige auch dann nicht abziehen, wenn sie damit ihren Beruf förderten. Konsequenz: Selbst wenn kein Zweifel bestehe, dass die konkreten Kleidungsstücke so gut wie ausschließlich im Beruf getragen werden, sei „bürgerliche Kleidung“ nicht steuerlich abzugsfähig. Nur Aufwendungen für typische Berufskleidung könnten steuerlich geltend gemacht werden, „nicht jedoch solche Aufwendungen, die auch anderen Steuerpflichtigen dadurch erwachsen, dass sie während der Ausübung ihres Berufs bekleidet sind“. Mit anderen Worten: Es könne objektiv nicht so gut wie ausgeschlossen werden, dass die Schuhe auch privat genutzt würden. Dies zeige, so das Gericht, schon der Umstand, dass die Schuhe an den breiten Kundenkreis verkauft werden, den die Firma als Zielgruppe hat – „Objekte, wie sie allgemein zur Damenmode gehören“. 

Anders verhält es sich mit typischer Berufskleidung. Ausgaben für solche Kleidung sind durchaus als Werbungskosten abzugsfähig. Berufskleidung ist immer dann gegeben, wenn sie objektiv nahezu ausschließlich nur beruflich verwendet werden kann – und wegen der Eigenart des Berufs notwendig ist. Zur typischen Berufskleidung zählen beispielsweise

  • Amtstrachten,
  • der schwarze Anzug des Leichenbestatters oder des katholischen Geistlichen,
  • weiße Arztkittel
  • der Cut eines Empfangschefs
  • uniformähnliche Dienstkleidung von Fluggesellschaften oder
  • Schutzhelme und Sicherheitsschuhe. 

Praxistipp: Wenn Sie eine Brille oder Kontaktlinsen kaufen, können die Ausgaben dafür – nach Abzug eines Eigenanteils – möglicherweise als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Handelt es sich bei der Sehschwäche um eine Berufskrankheit, sind die Aufwendungen nach Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs sogar als Werbungskosten abzugsfähig.

Schlagworte zum Thema:  Steuertipps der Woche, Werbungskosten, Berufskleidung

Aktuell

Meistgelesen