15.10.2013 | Top-Thema Steuerlicher Abzug Kongress- und Messebesuche

Gemischte Aufwendungen

Kapitel
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Der BFH hat seine bisherige Rechtsprechung 2009 zum Abzug von „gemischten Reiseaufwendungen“ geändert. Eine anteilige Abzugsfähigkeit ist nun möglich. In der Vergangenheit hat eine private Mitveranlassung i.d.R. zur Nichtabzugsfähigkeit der gesamten Aufwendungen geführt. Was bedeutet dies in der Praxis?

In der Vergangenheit Aufteilungs- und Abzugsverbot
Aufwendungen, die nicht eindeutig einer betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit zugeordnet werden können, neben einem privaten aber auch einen nachgewiesenen abgrenzbaren betrieblichen oder beruflichen Anteil enthalten, bezeichnet man als gemischte Aufwendungen.

Das Aufteilungs- und Abzugsverbot des § 12 EStG galt als eines der ehernen Grundsätze des deutschen Einkommensteuerrechts. Aufwendungen, die betrieblich oder beruflich veranlasst waren, aber auch in die Privatsphäre reichten, durften in der Vergangenheit nicht in einen betrieblichen bzw. beruflichen und einen privaten Anteil aufgeteilt werden (Aufteilungsverbot). Daraus folgte die Nichtabzugsfähigkeit auch der betrieblichen bzw. beruflichen Aufwendungen (Abzugsverbot). Folge war, dass nur die ausschließlich beruflichen Kosten (z.B. Teilnahmegebühr an einem Kongress, Seminargebühren, Kosten für einzelne Betriebsbesichtigungen) steuerlich abzugsfähig waren, alle übrigen Aufwendungen insgesamt nicht. Dies galt dann insbesondere für Reise-, Hotel- und Verpflegungskosten

Jetzt: Aufteilung beruflich und privat möglich
Dieses „Alles-oder-Nichts-Prinzip“ war schon lange in die Kritik geraten und der BFH hatte einige wenige Ausnahmen zugelassen, an einem Durchbruch fehlte es allerdings bislang. Erst in den letzten Jahren hat die Anzahl der Urteile zugenommen, in denen der BFH ausdrücklich eine schätzungsweise Aufteilung in einen beruflichen und einen privaten Anteil zugelassen hat.

Aufgrund der neuen Rechtsprechung des Großen Senats des BFH können Aufwendungen für die Hin- und Rückreise bei gemischt beruflich/betrieblich und privat veranlassten Reisen jetzt grundsätzlich in abziehbare Werbungskosten/Betriebsausgaben und nicht abziehbare Aufwendungen für die private Lebensführung nach Maßgabe der beruflich und privat veranlassten Zeitanteile der Reise aufgeteilt werden. Voraussetzung ist, dass, die beruflich veranlassten Zeitanteile feststehen und nicht von untergeordneter Bedeutung sind.

Praxis-Beispiel: Besuch einer Fachmesse

Die Teilnahme an einer dreitägigen Fachmesse inklusive des Besuchs von Fachvorträgen ist mit folgenden Kosten verbunden:

Messegebühr einschließlich Fachvorträge 500 €, Flug 500 €, Hotelarrangement (Übernachtung und Verpflegung) 750 €. Die Tagung findet jeweils von morgens bis nachmittags um 15 Uhr statt, anschließend ist frei. Dazu wurden fakultative Ausflugsprogramme in Höhe von 250 € gebucht, alle Beträge zzgl. 19 % USt. Damit betragen die Kosten insgesamt 2.000 € zzgl. 19 % USt = 2.380 € 

Die zeitanteilige Aufteilung soll unbestritten 2/3 (beruflich) zu 1/3 (privat) sein.

 

nicht unmittelbar zuordenbare
Aufwendungen

unmittelbar zuordenbare
Aufwendungen

 

 

Aufteilungsmaßstab

betrieblich

privat

Kongressgebühr

 

 

500,00 €

 

USt

 

 

95,00 €

 

Ausflugsprogramm

 

 

 

250,00 €

USt

 

 

 

47,50 €

= Summe zuordenbarer Aufwendungen

 

 

595,00 €

297,50 €

 

 

 

 

 

Flug

500,00 €

2/3   /   1/3

333,33 €

166,67 €

USt

95,00 €

 

63,33 €

31,67 €

Hotelarrangement

750,00 €

2/3   /   1/3

500,00 €

250,00 €

USt

142,50 €

 

95,00 €

47,50 €

=
Summe nicht unmittelbar
zuordenbarer Aufwendungen

 

 

991,66 €

495,84 €

 

 

 

 

 

= Summen

 

 

1.586,66 €

793,34 €

Nach bisheriger Rechtsprechung wären ansonsten gemischte Aufwendungen, die nun in Höhe von 833,33 € zzgl. 158,33 € USt = 991,66 € als betrieblich abzugsfähig gelten, nicht abzugsfähig gewesen, sie hätten voll den nicht abzugsfähigen Kosten der Lebensführung zugerechnet werden müssen.

Achtung bei touristisch attraktiven Stätten
Eine private Mitveranlassung ist regelmäßig gegeben, wenn touristisch attraktive Stätten besucht werden, die auch für andere, nicht dem Berufskreis der Fachreise-Teilnehmer angehörenden Touristen reizvoll und interessant wären.

Aufteilungsmaßstab
Der Aufteilungsmaßstab muss nach objektivierbaren, d.h. nach außen hin erkennbaren und nachvollziehbaren Kriterien ermittelt und hinsichtlich des ihm zugrunde liegenden Veranlassungsbeitrags dokumentiert werden. In solchen Fällen bietet sich hierfür häufig eine Aufteilung nach zeitbezogenen Verhältnissen.

Bei einer untergeordneten privaten Mitveranlassung (unter 10 %) sind die Aufwendungen in vollem Umfang als Betriebsausgaben/Werbungskosten abziehbar; eine Aufteilung unter dem Gesichtspunkt gemischter Aufwendungen ist entbehrlich.

Schlagworte zum Thema:  Aufwendungen, Gebühr, Aufteilung, Abzugsverbot, Messe, Berufliche Tätigkeit, Abzug, Kongress, Steuern, Buchhalter

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