27.10.2015 | Top-Thema Steueränderungsgesetz 2015

Änderungen beim Bewertungsgesetz und der Abgabenordnung

Kapitel
Das Steueränderungsgesetz hat Auswirkungen auf die Wertermittlung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die wichtigsten Änderungen beim Bewertungsgesetz sind: neue Wertermittlung von Anteilen, vereinfachtes Feststellungsverfahren und ein angepasstes Sachwertverfahren. Bei der Abgabenordnung sind die wichtigsten Änderungen bei den Themen: Bekanntgabe von Verwaltungsakten und die Einführung der Wirtschafts-Identifikationsnummer.

Bewertungsgesetz

Wertermittlung von Anteilen

Bisher richtete sich der Wert eines Anteils an einer Kapitalgesellschaft nach seinem Verhältnis am Nennkapital in Bezug auf den gemeinen Wert des Betriebsvermögens. Diese strikte Bindung an das Verhältnis zum Nennkapital wurde aufgegeben (§ 97 Abs. 1b S. 4 BewG-E).

Gemeinsame Feststellung

Das Feststellungsverfahren wurde vereinfacht. Statt für jeden einzelnen Beteiligten soll es nun für alle Beteiligten zusammen ein gesondertes und einheitliches Feststellungsverfahren geben. So können unterschiedliche steuerliche Bemessungsgrundlagen bei einzelnen Beteiligten verhindert werden (§ 154 Abs. 1 Nr. 3 und S. 2 BewG-E).

Angepasstes Sachwertverfahren

Das Sachwertverfahren wird nun an die Sachwertrichtlinie (SW-RL) vom 5.9.2012 angepasst. Dies stellt eine wesentliche Vereinfachung dar, da die von den Gutachterausschüssen abgeleiteten Sachwertfaktoren weiterhin als Wertzahlen angewendet werden und insgesamt eine Reduktion auf wenige Kostenkennwerte erreicht wird. Einzelheiten ergeben sich aus § 190 BewG-E sowie den Anlagen 22, 24 und 25.

Abgabenordnung

Bekanntgabe von Verwaltungsakten

Wenn sich Steuerpflichtige im EU-Ausland aufhalten, können sie von den Finanzbehörden aufgefordert werden, einen inländischen Empfangsbevollmächtigten zu benennen. Doch ggf. verstößt diese Aufforderung gegen EU-Recht, weshalb die Finanzbehörden dazu angehalten sind, einen Verwaltungsakt wegen dieser europarechtlicher Bedenken nur noch gegenüber Steuerpflichtigen selbst bekannt zu geben. Diese europarechtlichen Zweifel werden dadurch beseitigt, dass eine solche Aufforderung, einen inländischen Empfangsbevollmächtigten zu benennen, nur noch gegenüber Steuerpflichtigen erfolgt, die sich in Drittstaat aufhalten (§ 123 S. 1 AO-E).

Wirtschafts-Identifikationsnummer

Die seit vielen Jahren angekündigte Wirtschafts-Identifikationsnummer wird voraussichtlich bald in die Praxis starten. Laut des Steueränderungsgesetzes 2015 soll nun die Unternehmensanschrift (und nicht der Sitz oder Ort) der elementar abzuspeichernde Datensatz sein.

Schlagworte zum Thema:  Steueränderungen, Bewertungsgesetz, Abgabenordnung, Rechnungswesen

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