01.10.2013 | Serie Wirtschaftsprüfer und Abschlussprüfung

Skalierte Prüfungsdurchführung in Berufsordnung übernommen

Serienelemente
Wirtschaftsprüfer - eine verschwiegene Branche
Bild: Haufe Online Redaktion

Im letzten Teil der Abschlussprüfungs-Serie werden einige aktuelle berufsrechtliche Entwicklungen wie die skalierte Prüfungsdurchführung und die Forderung nach einer Gebührenordnung zusammengestellt.

Wirtschaftsprüfer sind generell eher verschwiegen – klar, das gehört zum Berufsbild. Die Öffentlichkeit weiß generell sehr wenig über die Arbeit der Abschlussprüfer. Und die Branche tut auch erkennbar wenig, um dies zu ändern. Intensivere Öffentlichkeitsarbeit betreiben zwar insbesondere größere Gesellschaften. Doch diese konzentrieren sich meist auf die Veröffentlichung von Studien, die nicht selten auch vertriebsorientierten Charakter haben. Im Kern kommt bei den Untersuchungen meist als Ergebnis heraus, dass ein dringender Beratungsbedarf besteht.

Eine verschwiegene Branche tut sich mit Öffentlichkeitsarbeit schwer

Noch schwieriger ist das Terrain der – gar nicht so seltenen – reaktiven Öffentlichkeitsarbeit. Dann geht es in der Regel um die wirtschaftliche Schieflage oder sogar Insolvenz eines Unternehmens, das erst kürzlich vom Abschlussprüfer ein uneingeschränktes Testat erhielt. Der Fall Enron führte vor Jahren sogar zum Zusammenbruch von Arthur Andersen – aus den Big 5 wurden die Big 4.

Doch erstaunliche Fälle gibt es auch aktuell:

  • Die britische Wirtschaftsprüferaufsicht FRC verhängte im September 2013 eine Rekordstrafe von 14 Millionen Pfund gegen Deloitte. Die Anschuldigung: Interessenskonflikte bei der Insolvenz des Automobilherstellers MG Rover im Jahr 2005. Hier soll es zu einer Verquickung von Beratungsleistungen und Abschlussprüfung gekommen sein, sodass der Prüfer nicht unabhängig gewesen sei.    

  • Auch in Deutschland soll mit BDO eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wegen einer Unternehmenspleite (in diesem Fall der Flugzeugmotorenproduzent Thielert, der im SDax notierte) 40 Millionen Euro Strafe an getäuschte Aktionäre und Gläubiger zahlen. So das Urteil des Landgerichts Hamburg. Der langjährige Chef Frank Thielert manipulierte die Bilanzen, verbuchte Scheingeschäfte. Doch BDO konnte den frisierten Forderungsbestand nicht entlarven und testierte den Jahresabschluss weiterhin ohne Einschränkung.

Solche immer wieder auftauchende Ereignisse befeuern die Diskussion um die Unabhängigkeit der Abschlussprüfer. Bekannt ist, dass für viele Unternehmen das Testat unter dem Jahresabschluss eine lästige und aus Unternehmenssicht „teure“ Pflicht ist, die es möglichst günstig „einzukaufen“ gilt. Dieses Bild der „Commodity Services“ versuchen zwar einzelne Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (WPG) etwas zu korrigieren. Doch im Außenauftritt gelingt dies den WPG kaum, nicht zuletzt, weil sie mitunter zu zurückhaltend oder überhaupt nicht kommunizieren. 

Berufsaufsicht will gesetzliche Aufhebung der Schweigepflicht

Hier setzt die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) mit einem Vorschlag an, den auch die berufsstandsunabhängige Aufsichtsbehörde APAK unterstützt:  die gesetzliche Aufhebung der Schweigepflicht. Dieses läuft bei der WPK unter „Stärkung der Transparenz der Berufsaufsicht“ und findet innerhalb der Branche sowohl Befürworter als auch Gegner.

WPK-Präsident Claus C. Securs plädiert für mehr Offenheit in der Berufsaufsicht über Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer: „Die derzeit geltende Rechtslage verpflichtet die Wirtschaftsprüferkammer zum Stillschweigen in Aufsichtsfragen. Wir wollen aber mehr Transparenz, denn Transparenz ist ein Instrument der Aufklärung über die Effektivität der Aufsicht, wenn es darum geht, in öffentlichkeitsrelevanten Verfahren, Sanktionen oder Maßnahmen nach pflichtgemäßem Ermessen auch individualisiert offen kommunizieren zu können. Deshalb setzen wir uns für eine Gesetzesänderung ein.“ 

Qualitätssicherende Entgeltregelung

Die WPK fordert zudem eine Gebührenordnung für gesetzliche Abschlussprüfungen „zur Qualitätssicherung“. Im „WPK-Magazin“ 2/2013 führt Securs aus: Ein derzeit in Beratung befindliches „Konzept einer „qualitätssichernden Entgeltregelung“ sieht einen Mindestzeitaufwand vor, kombiniert mit Mindestvorgaben für die Beteiligung von Prüfern bei der Durchführung der Prüfung und zwar in Verbindung mit einem den Vergütungsfaktor berücksichtigenden Überwachungssystem und gegebenenfalls auch einer gesonderten Pflicht zur Berechnung eines angemessenen Entgelts. Die Lösung zielt in erster Linie auf die Sicherstellung eines angemessenen Zeit- und Personalaufwandes für die Abschlussprüfung ab und trägt zumindest mittelbar auch zur Konsolidierung der Honorare bei.“

Die Forderung nach einer Entgeltregelung ist aber im Berufsstand umstritten. Der Sprecher des Vorstands des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW), Prof. Dr. Klaus-Peter Naumann, meint: „Auch wenn die Abschlussprüfung margenschwach ist, braucht es hierfür auskömmliche Honorare. Doch unsere Preisprobleme können wir über eine Honorarordnung nicht lösen. Das geht nur, wenn wir den Wert unserer Dienstleistung kommunizieren.“  

An kleinere Gesellschaften angepasste Prüfungsdurchführung

Im Oktober 2012 wurde die Berufsordnung der Wirtschaftsprüfer geändert. Geregelt wird dort die der Größe, Komplexität und dem Risiko des Prüfungsgegenstands angemessene Prüfungsdurchführung (skalierte Prüfungsdurchführung). Bei geringeren Risiken kann demnach auch weniger intensiv geprüft werden.

Eine nach wirtschaftlichen Maßstäben orientierte Prüfung nach dem risikoorientierten Ansatz wurde so jetzt berufsrechtlich verankert. Als Arbeitshilfe hat die WPK einen Hinweis erarbeitet, der den Prüfern bei der Prüfung insbesondere von kleinen und mittleren Unternehmen dienen soll.  

Neue Rechtsform wählbar

In einem Bereich wurde der Gesetzgeber aktiv: Im Juli 2013 verabschiedete der Bundesrat das Gesetz zur Einführung einer Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung (PartG mbH). Diese neue Gesellschaftsform können nun auch Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer nutzen, um die persönliche Haftung der Partner für berufliche Fehler auszuschließen und die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen zu beschränken. Die Mindestsumme der hierfür erforderlichen Berufshaftpflichtversicherung beträgt 1 Mio. Euro.

Schlagworte zum Thema:  Wirtschaftsprüfer

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