16.06.2015 | Top-Thema Sale-and-Lease-Back - weniger Eigentum, mehr Kapital

Vertragsformen

Kapitel
Beim Teilamortisationsvertrag sollte unbedingt auf einen marktgerechten Restwert geachtet werden.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Leasingverträge haben Laufzeiten mit unkündbaren Grundmietzeiten, die sich an die betriebliche Nutzungsdauer des Leasinggegenstandes angleichen. Das Objektrisiko, etwa die Kosten für Reparaturen und Versicherungen, liegt beim Leasingnehmer. Lesen Sie in Kapitel 2, welches die zwei gängisten Vertragsformen sind.

Vollamortisationsvertrag (Fullpayout-Vertrag)

Er deckt sämtliche Anschaffungs- oder Herstellungskosten sowie Zins- und Verwaltungskosten des Leasinggebers bereits innerhalb der Grundmietzeit ab. Nach deren Ablauf kann der Leasingnehmer in der Regel entscheiden, ob er das Objekt erwerben oder den Vertrag – dann zu deutlich günstigeren Konditionen – verlängern will. Ein Vollamortisationsvertrag ist vor allem dann sinnvoll, wenn ein Leasinggut schnell an Wert verliert.

Teilamortisationsvertrag (Nopayout-Leasingvertrag)

Nach Vertragsende bleibt ein kalkulierter Restwert bzw. Restbetrag offen, den sich der Leasinggeber vom Leasingnehmer absichern lässt. Dieser Restwert wird bereits bei Vertragsabschluss festgelegt. Im Idealfall entspricht er dem tatsächlichen Marktwert am Ende der Laufzeit. Häufig werden Vertragsverlängerungsoptionen, Mehrerlösbeteiligungen oder ein Andienungsrecht des Leasinggebers vereinbart.

Praxis-Hinweis: Auf einen marktgerechten Restwert achten

Es sollte unbedingt auf einen marktgerechten Restwert geachtet werden. Bei Mehrerlösen gewähren die meisten Leasinggesellschaften eine Gutschrift von bis zu 75 %. Dies kann allerdings zuvor durch eine verteuerte Finanzierung erkauft worden sein. Wenn der Leasinggesellschaft z. B. 25 % des Mehrerlöses zusteht, wird über die Gesamtlaufzeit vermutlich zu viel bezahlt. Zudem spielt der marktgerechte Restwert eine wichtige Rolle bei der steuerlichen Anerkennung.

Sonderfall Immobilien

Ein Sonderfall ist das SLB mit Immobilien. Der Kaufpreis, den die Leasinggesellschaft zahlt, orientiert sich meistens am Ertragswert, d. h. der nachhaltig erzielbaren Miete. Weil der Unternehmer in der Regel nicht Leasingraten bis zur Vollamortisation tragen und anschließend eine Kaufoption in Höhe des linearen Restbuchwertes akzeptieren will, kommt häufig folgende Konstruktion zum Tragen:

  • Die Leasingraten werden höher angesetzt als der Teilbetrag, der als aufwandswirksame Miete verbucht werden kann.
  • Der Restbetrag wird als Mieterdarlehen aktiviert.
  • Das Mieterdarlehen ist der Tilgungsanteil, der die jährliche lineare Abschreibung übersteigt.

Am Ende der Mietzeit entspricht das Mieterdarlehen dem Restbuchwert, so dass während der Mietzeit quasi eine Volltilgung des eingesetzten Fremdkapitals erfolgt. Es ist dann keine weitere Kaufpreiszahlung erforderlich, da diese gegen das Mieterdarlehen verrechnet wird.

Praxis-Beispiel: SLB als Leverage für einen Turnaround-Investor

Eine Beteiligungsgesellschaft will ein Unternehmen aus dem Bereich der Kunststoffverarbeitung übernehmen. In Folge der Kreditkrise und auf Grund des Ratings des Zielunternehmens ziehen sich die für die Refinanzierung angefragten Banken nach und nach zurück. Als Alternative zu einer Kreditfinanzierung bietet ein Leasingunternehmen eine Sale-and-Lease-Back-Transaktion an. Durch die Liquidität, die aus dem Verkauf des Anlagevermögens generiert wird, kann die Beteiligungsgesellschaft ihren Eigenmitteleinsatz verringern. Die begehrte Hebelwirkung bei einem Unternehmenserwerb kann so erzielt werden.

(Quelle: Maturus Finance)

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Schlagworte zum Thema:  Unternehmensfinanzierung, Leasing, Liquidität, Rating, Vertrag

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