16.06.2015 | Top-Thema Sale-and-Lease-Back - weniger Eigentum, mehr Kapital

Verschiedene Modelle und Methoden der Wertermittlung

Kapitel
Bei der Wertermittlung achtet die Leasinggesellschaft u. a. darauf, dass der Leasinggegenstand bei einem Zahlungsausfall oder der Insolvenz ihres Kunden kostendeckend verwertet werden kann.
Bild: Haufe Online Redaktion

Sale-and-Lease-Back (SLB) bietet die Möglichkeit, Wirtschaftsgüter, Immobilien und sogar immaterielle Werte wie Marken und Patente in Barmittel umzuwandeln. Mit dem Geld können Kredite aufgelöst und Anschaffungen finanziert werden. In Kapitel 1 des Top-Themas werden die verschiedenen Varianten von SLB vorgestellt wie auch unterschiedliche Methoden zur Wertermittlung.

Verschiedene Modelle

Bei der klassischen Sale-and-Lease-Back-Variante wird das Objekt aus dem eigenen Eigentum an eine Leasinggesellschaft verkauft und von dieser zurückgeleast. Daneben gibt es aber noch folgende Möglichkeiten.

Das sogenannte technische Sale-and-Lease-Back-Geschäft: Ein Unternehmen hat das Objekt bereits erworben, aber noch nicht bezahlt. Es stellt an die Leasinggesellschaft dennoch eine Rechnung. Diese enthält aber den Passus, dass der Betrag mit schuldbefreiender Wirkung direkt an den Lieferanten bezahlt werden soll.

Sale-and-Lease-Back-Vertrag über einen sogenannten Geheißerwerb: Das Objekt wird vom Leasingunternehmen bestellt und auf dessen „Geheiß“ an den Leasingnehmer ausgeliefert. Die Übergabe an den Leasingnehmer steht in diesem Fall der Übergabe an den Leasingunternehmer gleich.

Das Sale-and-Mietkauf-Back für nicht vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmer, z. B. bestimmte Freiberufler: Es handelt sich um ein reines Finanzierungsgeschäft, bei dem zwischen Leasingnehmer und -geber keine umsatzsteuerbare und dadurch auch keine umsatzsteuerpflichtigen Lieferungen zustande kommen. (s. Abschnitt Umsatzsteuer). Die Leasinggesellschaft refinanziert ihre Objekte bei Banken. Den Kaufpreis erhält sie vom Leasingnehmer durch regelmäßige Ratenzahlungen vergütet. Diese beinhalten zudem die Kosten des Geschäfts:

  • den Bearbeitungsaufwand,
  • die Zinsen,
  • ein kalkulatorisches Kreditrisiko und
  • den Gewinn der Leasinggesellschaft.

Am Ende der Vertragslaufzeit wird das Eigentum in der Regel auf den Leasingnehmer (zurück-)übertragen. Dies geschieht je nach Vertragsgestaltung entweder automatisch oder durch eine gesonderte Vereinbarung.

Praxis-Beispiel: SLB für ein Autowaschcenter in Essen inklusive Verwaltungssitz

Das Auto-Service-Unternehmen Mr. Wash eröffnete 1964 eine der ersten automatischen Autowaschanlagen Deutschlands. Mittlerweile hat das Familienunternehmen in Deutschland über 30 Standorte. Nachdem bereits in Nürnberg, Mannheim und Köln jeweils ein neues Autowaschcenter über einen Immobilien-Leasingvertrag finanziert wurde, wählte Mr. Wash für das Autowaschcenter in Essen und den Verwaltungssitz eine Sale-and-Lease-Back-Lösung. Das Unternehmen kann damit stille Reserven heben, die liquiden Mittel in weiteres Wachstum investieren und Bilanzkennziffern optimieren. Die Gesamtinvestitionskosten betragen rund 18,5 Mio. EUR.

(Quelle: DAL Deutsche Leasinggruppe)

Methoden der Wertermittlung

Der Wert des Objektes kann nach seinem Marktpreis, seinem Ertragswert oder seinen Erstellungskosten ermittelt werden.

Nach Marktpreis: Dieser orientiert sich am Wert des gleichen, eines ähnlichen oder eines vergleichbaren Wirtschaftsgutes. Am einfachsten ist dies bei Kraftfahrzeugen und anderen marktgängigen Gegenständen wie Büromaschinen. Auch für Maschinen gibt es Märkte und Handelsplattformen. Handelt es sich aber um Spezialanfertigungen, ist die Ermittlung eines Marktpreises nur schwer möglich.

Nach Opportunitätsbetrachtung: Dabei wird errechnet, in welchem Maße das Wirtschaftsgut im Rahmen der Geschäftstätigkeit zur Erzielung des Betriebsergebnisses beiträgt. Grundlage ist die Rendite der vorangegangenen Jahre und Prognosen für die Zukunft. Allerdings ist ungewiss, wie sich der Wert etwa aufgrund technischer Entwicklungen im Laufe der Nutzungsdauer entwickeln wird. Zur Bestimmung einer angemessenen Leasingrate stellt die Leasinggesellschaft in diesen Fällen nicht selten einen Vergleich mit einem klassischen Bankkredit an.

Nach Selbstkosten: Diese Methode kann bei Individualentwicklungen, etwa bei Spezialmaschinen, angewandt werden. Berechnungsbasis sind die Kosten der Erstellung, die um die AfA gemindert werden. Auch hier bestehen Unwägbarkeiten bezüglich der Wertentwicklung (vgl. Opportunitätsbetrachtung).

Bei allen Varianten gilt: Die Leasinggesellschaft geht immer auf Nummer sicher. Für sie kommt es darauf an, dass sie den Leasinggegenstand bei einem Zahlungsausfall oder der Insolvenz ihres Kunden kostendeckend verwerten kann. In der Regel erwirbt sie das Gut unter dem ermittelten Preis, um sich gegen Abnutzung und Schäden während des Vertragsverhältnisses zusätzlich abzusichern.

Praxis-Beispiel: Ablösung eines Gesellschafters durch Mittel aus SLB

Einer von zwei Gesellschaftern eines Maschinenbauunternehmens möchte aus dem Unternehmen ausscheiden, der andere hat nicht die nötige Liquidität, um ihm die Anteile abzukaufen. Das Leasingunternehmen kauft dem Unternehmen den werthaltigen, weitestgehend im Eigentum befindlichen Maschinenpark ab und verleast diesen gleichzeitig zurück. Aus der gewonnenen Liquidität kann der ausscheidende Gesellschafter befriedigt werden. Der verbleibende Gesellschafter erwirtschaftet mit dem operativ gut aufgestellten Unternehmen die Leasingraten und erwirbt am Ende der Laufzeit bei Ausübung der Kaufoption seine Maschinen zurück.

(Quelle: Maturus Finance)

Dieses Informationen könnten Sie auch interessieren:

>Unternehmenssteuerung mit Kennzahlen

Schlagworte zum Thema:  Unternehmensfinanzierung, Leasing, Liquidität, Rating, Wirtschaftsgut, Patent, Immobilien, Sale

Aktuell

Meistgelesen