16.06.2015 | Top-Thema Sale-and-Lease-Back - weniger Eigentum, mehr Kapital

Sonderfälle IFRS und US-GAAP

Kapitel
Bei Unternehmen, die nach IAS/IFRS und US-GAAP bilanzieren müssen, kommt das Operating Leasing zum Tragen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Kapitel 4 informiert darüber, dass bei einer Bilanzierung nach den internationalen Rechnungslegungssystemen IAS/IFRS und US-GAAP andere Regeln beim Sale-and-Lease-Back gelten. Die Frage, wer die mit dem Eigentum verbundenen Chancen und Risiken an dem Objekt trägt und dieses bilanzieren muss, wird zulasten der Leasingnehmer beantwortet.

Unter US-GAAP gilt für eine Bilanzierung beim Leasinggeber unter anderem eine Laufzeitobergrenze von 75 % der wirtschaftlichen Nutzungsdauer. Unter IAS/IFRS wird beispielsweise verlangt, dass das Leasingobjekt nicht so beschaffen sein darf, dass es ohne wesentliche Veränderung nur von dem speziellen Leasingnehmer genutzt werden kann. Zurzeit wird auf internationaler Expertenebene ein Entwurf zur Leasingbilanzierung diskutiert, nach dem beinahe sämtliche Verträge in der Bilanz des Leasingnehmers abgebildet werden sollen. Bei Unternehmen, die nach IAS/IFRS und US-GAAP bilanzieren müssen, kommt das Operating Leasing zum Tragen: Es handelt sich um Verträge, die keine Grundmietzeiten beinhalten und die von beiden Parteien jederzeit innerhalb bestimmter Fristen gekündigt werden können. Der Leasinggeber trägt die mit dem Objekt verbundenen Risiken wie Investitionen oder Wertminderung. Es handelt sich im Grunde um normale Mietverhältnisse.

Praxis-Beispiel: So funktioniert der Geheißerwerb

Ein Unternehmen bestellt ein mobiles Objekt, zum Beispiel eine Tiefkühlzelle. Grundsätzlich hat der Vermieter bzw. Verpächter der Betriebsimmobilie ein Pfandrecht auf eingebrachte Sachen. Ein solches entsteht bei diesem Modell aber nicht. Die einzelnen Schritte: Das Objekt wird geliefert. Die Rechnung enthält eine Zahlungsfrist von 30 Tagen und einen „Eigentumsvorbehalt bis zur vollständigen Zahlung des Kaufpreises“.

Innerhalb der Zahlungsfrist schließt das Unternehmen einen Leasingvertrag ab. Zwar kann der leasingtypische „Bestelleintritt durch den Leasinggeber vor Lieferung des Objektes“ nicht mehr erfolgen und das Finanzamt einen Vorsteuerabzug durch die Leasinggesellschaft ablehnen.

Die Beteiligten treffen aber folgende gleichlautende Vereinbarung. Darin bestätigt der Lieferant:

  • dass das Eigentum noch nicht an den Besteller übergegangen ist,
  • dass er das Eigentum an dem Objekt direkt an die Leasinggesellschaft übertragen wird, wenn diese die bereits gestellte Rechnung (s. o.) schuldbefreiend für das Unternehmen begleicht. Das Unternehmen bestätigt, dass es mit dieser Vorgehensweise einverstanden ist. Sodann stellt das Unternehmen dem Leasingunternehmen eine Rechnung über das Objekt mit dem Vermerk „schuldbefreiend zahlbar an (Lieferant)“.

Mit der Bezahlung geht das Eigentum direkt an die Leasinggesellschaft über. Bei diesem Geschäft wird das Leasingobjekt zu keinem Zeitpunkt (auch zu keiner „juristischen Sekunde“) Eigentum des Unternehmens. Somit entsteht auch kein Vermieterpfandrecht. Zudem sind alle in diesem Dreiecksverhältnis gestellten Rechnungen steuerbar und unterliegen somit dem Vorsteuerabzug. (Quelle: UVW Leasing)

Schlagworte zum Thema:  Unternehmensfinanzierung, Leasing, IFRS, IAS, Liquidität, Rating, Internationale Rechnungslegung

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