18.03.2014 | Top-Thema Reverse-Charge-Verfahren

Beispiele aus der Praxis

Kapitel
Bild: Haufe Online Redaktion

Im 5. Teil unseres Top-Themas stellen wir Ihnen Beispiele aus der Praxis vor.

Beispiel 1: Französischer Unternehmerfreund hilft deutschem Unternehmer
Bauunternehmer B aus Breisach/Rhein wird von seinem französischen Freund und Unternehmer F im Januar besucht. F baut im Büro von B eine Holzdecke ein. Das Holz hat er aus Frankreich mitgebracht.

Zeitgleich mit der Werklieferung erhält B die Rechnung über 1.000 EUR, die er umgehend bar bezahlt.

F weist in seiner Rechnung korrekt keine Umsatzsteuer aus. Da er ausländischer Unternehmer ist und eine Werklieferung im deutschen Inland erbringt, schuldet nicht er, sondern der deutsche Unternehmer B die Umsatzsteuer im Reverse-Charge-Verfahren.

B kann jedoch die geschuldete Umsatzsteuer i. H. v. 19 % zugleich als Vorsteuer abziehen.

Die Werklieferung wurde für das Unternehmen von B ausgeführt. Daneben hat er noch weitere regelbesteuerte Inlandsumsätze (20.000 EUR netto). B führt nur steuerbare und steuerpflichtige Umsätze aus.

Buchungsvorschlag SKR 03: Einbau einer Holzdecke in Geschäftsräumen

Konto

SKR 03 Soll

Kontenbezeichnung

Betrag

Konto

SKR 03 Haben

Kontenbezeichnung

Betrag

3125

Bauleistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers

1.000,00

70000

Kreditorenkonto

1.000,00

1577

Vorsteuer nach § 13b UStG 19 %

190,00

1787

Umsatzsteuer nach § 13b UStG 19 %

190,00

Buchungsvorschlag SKR 04: Einbau einer Holzdecke in Geschäftsräumen

 

Konto

SKR 04 Soll

Kontenbezeichnung

Betrag

Konto

SKR 04 Haben

Kontenbezeichnung

Betrag

5920

Bauleistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers

1.000,00

70000

Kreditorenkonto

1.000,00

1407

Vorsteuer nach § 13b UStG 19 %

190,00

3837

Umsatzsteuer nach § 13b UStG 19 %

190,00

Buchungshinweise:

  • Im DATEV-Kontenrahmen gibt es einen extra Kontenbereich zur Buchung von §-13b-Leistungen mit hinterlegten Umsatzsteuerschlüsseln.
  • Über die Kontensteuerung wird die Vorsteuer in der Umsatzsteuer-Voranmeldung für den Monat Januar in der Zeile 59 des Formulars eingesetzt. Die abzuführende Umsatzsteuer nach § 13b UStG und die Bemessungsgrundlage werden in Zeile 49 des Formulars eingetragen. Im Ergebnis ergibt sich für B aus diesem Vorgang keine Umsatzsteuerzahllast.

Achtung: Reverse Charge gilt unabhängig vom Unternehmenssitz bei Bauunternehmern

Erbringt ein Bauunternehmer eine Leistung an einen anderen Bauunternehmer, gilt die Steuerschuldübernahme auch dann, wenn beide ihren Sitz im Inland haben.

Beispiel 2: Vermeidung des Reverse-Charge-Verfahrens: Beauftragung durch Dritten
Die Vermeidung des Reverse-Charge-Verfahrens ist für den deutschen Unternehmer, der von einem ausländischen Unternehmer eine Werklieferung bezieht, in dem Beispielfall dadurch möglich, dass der Auftrag nicht von ihm, sondern von einer 3. Person, die Nichtunternehmer ist, z. B. Ehemann/Ehefrau, erteilt wird. Dabei muss diese 3. Person dann allerdings auch zivil- und umsatzsteuerlicher Leistungsempfänger sein.

Wie wird gebucht?
Registrierungspflicht des ausländischen Unternehmers

Frau B (Unternehmergattin) erteilt dem französischen Unternehmer F den Auftrag für den Einbau einer Holzdecke im Büro ihres Mannes (unternehmerisch genutztes Gebäude). Hier greift § 13b UStG nicht, da Frau B keine Unternehmerin ist. In diesem Fall muss sich der leistende Unternehmer F in Deutschland für Umsatzsteuerzwecke registrieren lassen. Er hat zudem die deutsche Umsatzsteuer dem Kunden zu berechnen und selbst an das deutsche Finanzamt abzuführen. Im Ergebnis wird F seine deutsche Umsatzsteuer allerdings auf den Preis für seine Leistung aufschlagen und hat durch die Abführung der deutschen Umsatzsteuer zusätzliche administrative Aufwendungen.

Weitere Praxis- und Buchungsbeispiele finden Sie hier.

Schlagworte zum Thema:  Beispiel, Buchung, Umsatzsteuer, Reverse-Charge-Verfahren

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