12.08.2014 | Top-Thema Personal: Demographischen Wandel im Rechnungswesen gestalten

Ausgangslage: Fachkräftemangel plus Verrentung

Kapitel
Problem: Fachkräftemangel und mehr Rentner
Bild: Michael Bamberger

Für die kommenden Jahre wird in Deutschland ein wachsender Mangel an Fachkräften prognostiziert. Auch die Rente mit 63 Jahren wird dafür sorgen, dass viele erfahrene Mitarbeiter die Unternehmen verlassen. Erste Berechnungen sprechen von mehr als 200.000 Fachkräften, die eine vorgezogene Rente nutzen werden.

Nur wenige qualifizierte Bewerber auf dem Markt

Der Arbeitsmarkt hält dagegen nur wenige wirklich qualifizierte Menschen bereit. Besonders betroffen davon ist das Rechnungswesen. Die in Buchhaltung und Kostenrechnung zu erledigenden Aufgaben verlangen nach gut ausgebildeten und erfahrenen Mitarbeitern. Der steigenden Zahl von gestandenen Buchhaltern, die demnächst in den Ruhestand treten, steht eine sinkende Zahl von potenziellen Nachfolgern gegenüber. Gleichzeitig steigt die Nachfrage verwandter Bereiche, was die Attraktivität einer Tätigkeit im Rechnungswesen kleiner Unternehmen weiter senkt.

Auswirkungen einer leistungsschwachen Buchhaltung auf das Unternehmen

Was geschieht eigentlich, wenn die Aufgaben in der Buchhaltung nicht mehr erledigt werden? Und was wird dagegen getan? Gesetze, Verordnungen und Richtlinien bestimmen den täglichen Arbeitsablauf in der Buchhaltung. Nur gut ausgebildete und erfahrene Kräfte garantieren eine fehlerfreie Arbeit im externen Rechnungswesen. Der sichere Umgang mit Beratern, Wirtschaftsprüfern, Behörden, Banken, Lieferanten und Kunden verlangt nach hoch spezialisiertem Fachwissen. Nur so kann den steigenden Anforderungen in Abschlüssen, steuerlichen und wirtschaftlichen Entscheidungen, Reports oder Erklärungen entsprochen werden.

Achtung: Kleine Buchhaltung schwerer fachlich zu besetzen

Wer nur eine kleine Buchhaltung mit Personal ausstatten muss, hat größere Probleme als die Kollegen in großen Abteilungen. Wird die Buchhaltung z. B. in Personalunion mit einer anderen Aufgabe erledigt, sind die fachlichen Anforderungen an diese Person ja doppelt so hoch. Wenn Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung in einer Hand liegen, muss der entsprechende Mitarbeiter beide Bereiche beherrschen. Diese zu finden ist nicht einfach.

Folgen und Probleme des Fachkräftemangels in der Buchhaltung

Wenn nicht ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stehen, wird die Buchhaltung mit zu wenigen Mitarbeitern besetzt. Die Folge ist, dass die Buchungen und Abschlüsse sich verzögern. Das führt zu wesentlichen Problemen:

  • Eingangsrechnungen werden zu spät verbucht und dann auch noch zu spät bezahlt. Skonto geht verloren, die Bonität bei Zahlungsverzug sinkt. Das ist besonders ärgerlich, da die Liquidität vorhanden ist.
  • Zahlungseingänge der Kunden werden zu spät verbucht. Das führt zu einer verspäteten Zahlungseingangskontrolle. Das Mahnwesen kann erst spät beginnen, Forderungsausfälle drohen. Die Liquidität des Unternehmens sinkt.
  • Viele wichtige Termine, intern und extern, werden nicht eingehalten. Abschlüsse werden zu spät erstellt, Steuermeldungen zu spät abgegeben. Das kann zu empfindlichen Strafen führen.

Wenn der Fachkräftemangel kein temporäres Problem bleibt, dann wird sich der Rückstand im Rechnungswesen nur schwer aufholen lassen. Ein hoffnungsloses Chaos droht. Der Buchhalter versucht alles, um Chaos in seinem Verantwortungsbereich zu vermeiden.

Schlimmer noch als verspätet ausgeführte Aufgaben sind falsch ausgeführte Aufgaben mit fehlerhaften Ergebnissen. Vor allem in der Buchhaltung kann es dramatische Auswirkungen haben, wenn die Qualität der geleisteten Arbeit aufgrund fehlender Fachkenntnisse und Erfahrungen leidet.

Probleme bei Jahresabschluss, Steueranmeldungen uvm.

  • Fehler in den Jahresabschlüssen haben wesentliche Auswirkungen auf die Außendarstellung des Unternehmens. Liquiditätsprobleme sind möglich, wenn z. B. versehentlich der Gewinn zu hoch ausgewiesen wird und daraufhin Steuer gezahlt und Ausschüttungen getätigt werden.
  • Falsche oder vergessene Steueranmeldungen können zu erheblichen Strafen für das Unternehmen führen.
  • Fehler in der Kreditorenbuchhaltung können zu verlorenem Skonto und zu Einschränkungen bei der Bonität führen. Falsch getätigte Zahlungen gehen verloren und verursachen hohe Aufwände bei der Korrektur.
  • Ein unprofessionell ausgeführtes Forderungsmanagement endet in hohen Forderungsverlusten und fehlender Liquidität wegen verspäteten Zahlungseingängen.

Die oft von außen nicht sichtbare und von Externen nicht wahrgenommene starke Reglementierung der Abläufe im Rechnungswesen erhöht den Bedarf an Expertise in der Buchhaltung. Diese ist hoch qualifiziert und spezialisiert und schon heute nicht leicht auf dem Personalmarkt zu finden. Durch die Veränderung der Demografie in Deutschland wird es noch wichtiger, sich bewusst und verstärkt um Fachkräfte für die Buchhaltung zu bemühen.

Hier gehts zur News: "Nachfrage nach Finance-Fachkräften bleibt auf hohem Niveau"

Schlagworte zum Thema:  Fachkräftemangel, Demografie, Buchhaltung, Organisation, Rechnungswesen, Fachkräfte

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