09.06.2015 | Top-Thema Orkantief Niklas - Steuerliche Erleichterungen für Geschädigte

Wiederherstellung beschädigter Gebäude und Beseitigug von Orkanschäden

Kapitel
Erhaltungsaufwendungen größeren Umfangs können auf Antrag gleichmäßig auf 2 bis 5 Jahre verteilt werden.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Aufwendungen für die Wiederherstellung beschädigter Betriebsgebäude und beweglicher Anlagegüter sowie für die Beseitigung von Orkanschäden an Grund und Boden werden als Erhaltungsaufwand anerkannt bzw. können als Betriebsausgaben abgezogen werden. Kapitel 4 des Top-Themas zeigt, welche Voraussetzungen hierfür gelten.

Wiederherstellung beschädigter Gebäude und Güter

Aufwendungen für die Wiederherstellung beschädigter Betriebsgebäude und beschädigter beweglicher Anlagegüter werden ohne nähere Prüfung als Erhaltungsaufwand anerkannt, wenn:

  • mit der Wiederherstellung innerhalb von drei Jahren nach dem Sturmtiefjahr 2015 begonnen wurde und
  • die bisherigen Buchwerte fortgeführt werden.

Bei der Wiederherstellung von Gebäuden dürfen die gesamten Aufwendungen 70.000 EUR nicht übersteigen, auch wenn Aufwendungen teilweise durch Entschädigung gedeckt sind. Höhere Aufwendungen werden nur im Einzelfall anerkannt. Erhaltungsaufwendungen größeren Umfangs können auf Antrag gleichmäßig auf 2 bis 5 Jahre verteilt werden.

Achtung: Aufwendungen müssen Entschädigung übersteigen

Ein Erhaltungsaufwand kann steuerlich nur angesetzt werden, wenn die Aufwendungen die Entschädigungszahlungen der Versicherung übersteigen und der Steuerpflichtige wegen des Schadens keine Absetzung für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Absetzungen vornimmt.

Beseitigung von Orkanschäden an Grund und Boden

Die Aufwendungen zur Beseitigung der Orkanschäden am Grund und Boden können sofort als Betriebsausgaben abgezogen werden. Das Gleiche gilt für Aufwendungen zur Wiederherstellung von Hofbefestigungen und Wirtschaftswegen, wenn der bisherige Buchwert beibehalten wird. Die vorgenannten Regelungen für Betriebsgebäude gelten entsprechend beim Wiederaufbau von ganz oder teilweise zerstörten Gebäuden, die vermietet oder verpachtet sind.

Unterstützung an Arbeitnehmer

Beihilfen und Unterstützungen des Arbeitgebers an seine Arbeitnehmer sind bis zu einem Betrag von 600 EUR pro Kalenderjahr steuerfrei. Wird dieser Betrag überschritten und liegt unter Berücksichtigung der Einkommens- und Familienverhältnisse des Arbeitnehmers ein besonderer Notfall vor (z. B. Zerstörungen infolge eines Orkans), gehört der 600 EUR übersteigende Betrag nicht zum steuerpflichtigen Arbeitslohn. Werden als Unterstützung Zinszuschüsse und Zinsvorteile bei Darlehen gewährt, sind diese Zinszuschüsse bzw. Zinsvorteile über die gesamte Laufzeit des Darlehens ebenfalls steuerfrei, sofern das Darlehen die Schadenshöhe nicht übersteigt.

Praxis-Hinweis: Aufzeichnungen im Lohnkonto erforderlich

Die steuerfreien Leistungen müssen im Lohnkonto mit dem Vermerk aufgezeichnet werden, dass es sich um einen Arbeitnehmer handelt, der durch den Orkan zu Schaden gekommen ist.

Erlass der Grund- und Gewerbesteuer

Es kann ein Erlass der Grundsteuer wegen wesentlicher Ertragsminderung §§ 33 f. GrStG beantragt werden. Der Antrag muss innerhalb einer bestimmten Frist an die Gemeinden des Geschäftsorts gerichtet werden. Ein Antrag auf Erlass der Gewerbesteuer kann ebenfalls an die Gemeinden gerichtet werden.

Schlagworte zum Thema:  Sturm, Vergünstigung, Sonderabschreibung, Schaden

Aktuell

Meistgelesen