09.06.2015 | Top-Thema Orkantief Niklas - Steuerliche Erleichterungen für Geschädigte

Steuererleichterungen und Vergünstigungen

Kapitel
Geschädigte können eine Stundung der Einkommen- oder Körperschaftsteuer beantragen, um so eine angespannte Liquiditätssituation zu überbrücken.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Lesen Sie in Kapitel 2, welche steuerlichen Erleichterungen und Vergünstigungen das Bayerische Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat vorsieht.

Stundung von Steuerzahlungen

Die Betroffenen können beantragen, dass bereits fällige oder bis zum 31. Juli 2015 anfallende Steuern des Bundes und des Landes, wie etwa die Einkommen- oder Körperschaftsteuer, gestundet werden. Das bedeutet, dass die Fälligkeit bzw. der Tilgungszeitpunkt der Steuer hinausgeschoben wird. Mit der dadurch freigesetzten Liquidität kann der Antragsteller die Sturmschäden beheben und eine etwaige angespannte Liquiditätssituation überbrücken.

Wichtig: Keine Zinszahlungen zu befürchten

Die Finanzamt berechnen bei einer Stundung von laufenden Vorauszahlungen in der Regel keine Stundungszinsen.

Praxis-Hinweis: Keine strengen Anforderungen

Das Finanzamt muss zwar nachprüfen, ob der Antragsteller berechtigt ist, eine Steuerstundung zu erhalten, doch sind die Anforderungen nicht streng. Demnach ist eine Bewilligung des Antrags wahrscheinlich. Bezieht sich der Antrag jedoch auf Steuern, die nach dem 31. Juli 2015 fällig werden, muss der Antrag vom Antragsteller besonders begründet werden.

Anpassung der Steuervorauszahlungen

Alternativ kann der Betroffene auch einen Antrag auf Anpassung der Einkommensteuer- oder Körperschaftsteuervorauszahlungen stellen. Das bedeutet, dass die laufenden Vorauszahlungen temporär herabgesetzt werden. Auf diese Weise kann der Antragsteller einen vorübergehenden Liquiditätsengpass abfedern.

Achtung: Besondere Begründung notwendig

Anträge auf Anpassungen bzw. eine Herabsetzung von laufenden Steuervorauszahlungen müssen vom Antragsteller besonders begründet werden.

Aussetzung von Vollstreckungsmaßnahmen

Vollstreckungsmaßnahmen, die sich auf rückständige und/oder bis zum 31. Juli 2015 fällig werdende Steuern des Bundes oder des Landes beziehen, werden bis zum 31. Juli 2015 ausgesetzt, sofern

  • der Steuerschuldner, gegen den sich ein Vollstreckungsverfahren richtet, unmittelbar von den Sturmschäden betroffen ist und
  • das Finanzamt davon Kenntnis erlangt (aufgrund Mitteilung des Vollstreckungsschuldners oder auf andere Weise)

Wichtig: Säumniszuschläge werden erlassen

Die im Zeitraum vom 31. März bis 31. Juli anfallenden Säumniszuschläge für die betroffenen Steuern werden erlassen. Die Finanzämter können den Erlass durch eine Allgemeinverfügung regeln.

Vereinfachter Nachweis

Werden bis zum 31.7.2015 Zuwendungen im Rahmen einer Katastrophe geleistet, genügt es für die steuerliche Berücksichtigung, wenn der Steuerpflichtige diese mittels eines Bareinzahlungsbelegs oder einer Buchungsbestätigung eines Kreditinstitutes nachweist. Das reduziert den Verwaltungsaufwand und damit die Hürde, eine Zuwendung zu leisten. Auch können Zuwendungen beim Leistenden so einfacher steuerlich berücksichtigt werden.

Wichtig: Einzahlung auf Sonderkonto erforderlich

Die genannte Erleichterung kommt nur zur Anwendung, wenn die  Zuwendung auf ein bestimmtes, für den Katastrophenfall eingerichtetes Sonderkonto fließt.

Es muss sich um ein Sonderkonto (oder ein bis zu dessen Einrichtung verwendetes anderes Konto) einer der folgenden Personen/Einrichtungen handeln:

  • Sonderkonto einer inländischen juristischen Person des öffentlichen Rechts
  • Sonderkonto einer inländischen öffentlichen Dienststelle oder
  • Sonderkonto eines inländischen amtlich anerkannten Verbandes der freien Wohlfahrtspflege einschließlich seiner Mitgliedsorganisationen

Wird die Zuwendung über ein als Treuhandkonto geführtes Konto eines Dritten an ein solches Sonderkonto geleistet, genügen als Nachweise:

  • der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung des Kreditinstituts des Zuwendenden und
  • eine Kopie des Barzahlungsbelegs oder der Buchungsbestätigung des Kreditinstituts des Dritten

Erfolgt die Zuwendung über ein Konto eines Dritten, genügt als Nachweis die auf den jeweiligen Spender ausgestellte Zuwendungsbestätigung des Zuwendungsempfängers, wenn

  • die Zuwendung an eine inländische juristische Person des öffentlichen Rechts, eine inländische öffentliche Dienststelle oder eine nach dem Körperschaftsteuergesetz steuerbefreite Körperschaft, Personenvereinigung oder Vermögensmasse geleistet wird,
  • das Konto des Dritten als Treuhandkonto geführt wurde,
  • die Spenden von dort an den Zuwendungsempfänger weitergeleitet wurden und

diesem eine Liste mit den einzelnen Spendern und deren Anteil an der Spendensumme übergeben wurde.

Verlust von Buchführungsunterlagen

Wurden durch den Orkan Niklas Buchhaltungsunterlagen oder sonstige Aufzeichnungen vernichtet oder sind diese verloren gegangen, dürfen sich daraus für Sie keine Nachteile ergeben. Sowohl der Betriebsausgabenabzug als auch der Vorsteuerabzug sind in diesem Fall auch ohne Belege möglich.

Praxis-Tipp: Verlust sofort dem Finanzamt melden

Sollten Sie betriebliche Unterlagen durch das Sturmtief Niklas verloren haben, empfiehlt es sich, dem Finanzamt so schnell wie möglich den Verlust mitzuteilen. Andernfalls riskieren Sie, Ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren, wenn Sie dem Finanzamt, zum Beispiel im Rahmen einer Betriebs-prüfung, erst Jahre später davon berichten. Schlimmstenfalls entstehen Ihnen dann steuerliche Nachteile, wie etwa Steuernachzahlungen aufgrund einer Kürzung des Betriebsausgaben- oder Vorsteuerabzugs.

Schlagworte zum Thema:  Sturm, Vergünstigung, Sonderabschreibung, Schaden

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