09.06.2015 | Top-Thema Orkantief Niklas - Steuerliche Erleichterungen für Geschädigte

Sonderabschreibungen für Betriebsgebäude und bei beweglichen Anlagegütern

Kapitel
Die Bemessungsgrundlage wird um eine etwaige vorgenommene Teilwertabschreibung (aufgrund des Schadens) oder Absetzung für eine außergewöhnliche Abnutzung gemindert und um die Wiederherstellungskosten erhöht.
Bild: Haufe Online Redaktion

In Kapitel 3 erfahren Sie, was vom Sturmtief Nikals betroffene Unternehmer beachten müssen, um eine Sonderabschreibung für Betriebsgebäude oder bewegliche Anlagegüter vornehmen zu können.

Sonderabschreibungen für Betriebsgebäude

Ganz gleich, ob es sich um einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb, einen Gewerbebetrieb oder um eine selbstständige Arbeit handelt: Vom Sturmtief Niklas betroffene Unternehmer können im Wirtschaftsjahr der Fertigstellung und in den beiden folgenden Wirtschaftsjahren (Begünstigungszeitraum) eine Sonderabschreibung auf Herstellungs- oder Wiederherstellungskosten von bis zu insgesamt 30 % vornehmen.

Die Voraussetzungen sind:

  • Es handelt sich um Aufwendungen für den Wiederaufbau von ganz oder zum Teil zerstörten Gebäuden (Ersatzherstellung) infolge des Schadensereignisses „Sturmtief Niklas“.
  • Es muss sich um ein Betriebsgebäude handeln.
  • Die Sonderabschreibung muss beantragt werden.

Mit dem Wiederaufbau des ganz oder teilweise zerstörten Betriebsgebäudes muss spätestens mit Ablauf des dritten Wirtschaftsjahres nach dem Sturmtief-Wirtschaftsjahr 2015 begonnen werden, um von dieser Sonderabschreibung Gebrauch machen zu können.

Praxis-Hinweis: Bemessungsgrundlage richtig ermitteln

Die Bemessungsgrundlage wird um eine etwaige vorgenommene Teilwertabschreibung (aufgrund des Schadens) oder Absetzung für eine außergewöhnliche Abnutzung gemindert und um die Wiederherstellungskosten erhöht. Nach Ablauf des Begünstigungszeitraums wird schließlich die Abschreibung vom Restwert bemessen.

Sonderabschreibungen bei beweglichen Anlagegütern

Wurden betriebliche Gegenstände des beweglichen Anlagevermögens (Auto, Maschinen etc.) durch das Orkantief Niklas zerstört und daraufhin neu angeschafft oder hergestellt, dürfen Unternehmer diese Gegenstände im Jahr der Anschaffung bzw. der Herstellung und in den beiden folgenden Jahren neben der regulären Abschreibung mit bis zu 50% der Anschaffungs- oder Herstellungskosten zusätzlich abschreiben. Auch hierfür muss ein Antrag gestellt werden. Nach Ablauf des Begünstigungszeitraumes wird die Abschreibung nach dem Restwert und der Restnutzungsdauer bemessen. Der zerstörte Gegenstand muss spätestens mit Ablauf des dritten Wirtschaftsjahres nach dem Sturmtief-Wirtschaftsjahr 2015 neu angeschafft oder hergestellt werden, um von dieser Sonderabschreibung Gebrauch machen zu können.

Praxis-Hinweis: Genaue Dokumentation erforderlich

Der betriebliche Gegenstand, für den eine solche o.g. Sonderabschreibung vorgenommen wird, muss wie üblich (bei Sonderabschreibungen) in ein besonderes, laufend zu führendes Verzeichnis aufgenommen werden, das den Tag der Anschaffung oder Herstellung, die Anschaffungs- oder Herstellungskosten, die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer und die Höhe der jährlichen Absetzungen für Abnutzung einschließlich der erhöhten Absetzungen und Sonderabschreibungen enthält. Statt eines Verzeichnisses genügt es auch, wenn diese Angaben aus der Buchführung ersichtlich sind.

Bildung von Rücklagen

In besonders begründeten Ausnahmefällen gewährt das Finanzamt auf Antrag die Bildung einer Rücklage für die Ersatzbeschaffung unbeweglicher und beweglicher Anlagegüter in Wirtschaftsjahren vor deren Anschaffung oder Herstellung. Solche besonderen Ausnahmefälle liegen danach vor,

  • wenn die Teilherstellungskosten oder die Anzahlung für das Ersatzgut außergewöhnlich hoch ist oder
  • wenn die Anwendung einer Sonderabschreibung nicht ausreicht, um die Schadensbeseitigung (oder Ersatzgutbeschaffung) zu finanzieren

Wichtig: Höchstgrenzen für Rücklage beachten

Sie müssen gewisse Höchstgrenzen bei der Rücklagenbildung beachten. So darf eine Rücklage für den Wiederaufbau eines Betriebsgebäudes insgesamt max. 30 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten betragen. Bei der Ersatzbeschaffung beweglicher Anlagegüter liegt die Höchstgrenze hingegen bei 50 %.

Die Rücklage muss gewinnerhöhend wieder aufgelöst werden, sobald für das Wirtschaftsgut Sonderabschreibungen vorgenommen werden. Bei beweglichen Wirtschaftsgütern muss die Auflösung spätestens mit Ablauf des 4. Wirtschaftsjahres nach dem Sturmtief-Wirtschaftsjahr 2015 erfolgen; bei Baumaßnahmen hingegen erst spätestens am Ende des vierten Wirtschaftsjahres, das auf den Beginn der Baumaßnahme folgt. Nähere Details dazu finden sich in den Richtlinien R 6.5 Abs. 4 und 6.6 Abs. 7 EStR.

Achtung: Höchstgrenzen für Gewinnminderungen

Die Gewinnminderung durch Sonderabschreibungen und die Bildung von Rücklagen darf insgesamt höchstens 0,6 Mio. EUR betragen und darf in keinem Jahr 200.000 EUR übersteigen. Höhere Sonderabschreibungen und Rücklagen können einzelfallbezogen mit Zustimmung des Bundesministeriums der Finanzen zugelassen werden.

Leistet eine Versicherung aufgrund des Sturmtiefs eine Entschädigung, richten sich die Bemessungsgrundlage für Sonderabschreibungen und Rücklagen nach den Anschaffungs- und Herstellungskosten und zwar abzüglich der gewährten Entschädigung.

Schlagworte zum Thema:  Sturm, Vergünstigung, Sonderabschreibung, Schaden

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