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Messeleistungen umsatzsteuerlich weiter im Fluss

Bei der umsatzsteuerlichen Behandlung von Messeleistungen sorgt der Gesetzgeber in Teilbereichen kontinuierlich für Veränderungen.

  1. Unverändert bleibt, dass die reine Standvermietung als „Dienstleistung im Zusammenhang mit einem Grundstück“ umsatzsteuerlich am Messeort ausgeübt wird, d. h. dem dortigen Umsatzsteuerrecht unterliegt.
  2. Messeveranstalter erbringen aber im Regelfall eine einheitliche Leistung (Gesamtleistung), zu der eine Reihe von Zusatzleistungen gehören. Diese einheitliche Messeleistung war dann bis zum Jahr 2010 umsatzsteuerlich ebenfalls am Messeort zu besteuern.
  3. Seit 2011 ist die Besteuerung einer einheitlichen Leistung am Messeort nur noch dann relevant, wenn der Leistungsempfänger kein Unternehmer bzw. keine nichtunternehmerisch tätige juristische Person mit Umsatzsteuer-Identifikationsnummer ist. Im Regelfall (=Leistungsempfänger ist Unternehmer; sog. B2B- bzw. Business to Business-Leistungen) ist die einheitliche Messeleistung am Unternehmenssitz des Leistungsempfängers zu besteuern.
  4. Damit nicht genug: Aufgrund einer Gesetzesänderung vom 7. Dezember 2011, die rückwirkend zum 1. Juli 2011 (!) gilt, wird eine „Veranstaltungsleistung“ im Zusammenhang mit Messen und Ausstellungen im „Drittland“ erbracht, wenn die Leistung dort genutzt oder ausgewertet wird. Eine „Veranstaltungsleistung“ soll dann vorliegen, wenn aus einem 15-Punkte-Katalog mindestens 3 Punkte erfüllt sind („3 von 15-Regel“).

Der 15-Punkte-Katalog sieht so aus:

  1. Technische Versorgung der überlassenen Stände
  2. Planung, Gestaltung sowie Aufbau, Umbau und Abbau von Ständen
  3. Überlassung von Standbauteilen und Einrichtungsgegenständen (einschließlich Miet-System-Ständen)
  4. Standbetreuung und Standbewachung
  5. Standreinigung
  6. Überlassung von Garderoben und Schließfächern auf dem Messegelände
  7. Überlassung von Eintrittsausweisen und Eintrittskarten
  8. Überlassung von Telefon, Fax
  9. Überlassung von Bildschirmen und Lautsprechern
  10. Schreibdienste und ähnliche sonstige Leistungen
  11. Beförderung und Lagerung von Ausstellungsgegenständen (z. B. Exponaten und Standausrüstungen)
  12. Übersetzungsdienste
  13. Eintragungen und Aufnahme von Werbeanzeigen (z. B. in Messekatalogen, Zeitungen, Zeitschriften); auch: Anbringen von Werbeplakaten, Verteilung von Werbeprospek-ten und ähnliche Werbemaßnahmen
  14. Besuchermarketing
  15. Vorbereitung und Durchführung von Foren und Sonderschauen, von Pressekonferen-zen, von Eröffnungsveranstaltungen und Ausstellerabenden.

Praxishinweis

Das Bundesfinanzministerium hat im Laufe des Jahres 2011 im Anwendungserlass zum Umsatzsteuergesetz (UStG) den Begriff der einheitlichen (Messe-)Leistung durch den der einheitlichen (Veranstaltungs-)Leistung ersetzt. D. h. die „3 von 15-Regel“ dient auch zur Klärung der Frage, ob die erbrachte Leistung eine reine Standvermietung (Leistungsort = Messeort) oder eine einheitliche Veranstaltungsleistung (Leistungsort bei Leistung an Unternehmer = Unternehmenssitz des Leistungsempfängers) darstellt.

Schlagworte zum Thema:  Umsatzsteuer

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