Zu Anfang der Liquiditätsplanung wird ein "Kassensturz" benötigt Bild: Corbis

So gehen Sie in der Praxis richtig an die Liquiditätsplanung heran und behalten den Überblick.

Um das Schema der Liquiditätsplanung mit Zahlen zu füllen, wird zuerst ein „Kassensturz“ benötigt; es muss erfasst werden, wie viel Barmittel zum Jahresbeginn vorhanden sind.

Umsatzplanung oft mit größeren Unsicherheiten 

Dann sollte mit der Umsatzplanung (voraussichtliche Zahlungszeitpunkte, nicht Buchung des Umsatzes!) begonnen werden. Es muss – möglichst mit dem Vertrieb – geplant werden, wie viele Produkte/Leistungen monatlich verkauft werden und wann die Kunden voraussichtlich zahlen werden. Dies kann z.B. mit der Formel DSO (Days Sales Outstanding, Tage, die vom Zeitpunkt der Rechnungsstellung bis zum Zahlungseingang vergehen) berechnet werden.

DSO = Forderungen *365 / Umsätze

Beispiel: DSO = 50.000 Euro * 365 / 370.000 = 49 Tage

Das heißt, dass Kunden im Schnitt nach 49 Tagen zahlen. Wenn man es schafft, diesen Zeitraum zu verkürzen, verbessert das die Liquidität.

Kosten meist besser zu planen

Im Anschluss werden die Auszahlungen, die durch Kosten verursacht werden, geplant. Das ist mit Ausnahme des Materialverbrauchs und eventueller Subunternehmer relativ einfach, da grundsätzlich feststeht, wann z.B. Löhne, Gehälter, Mieten, Energie usw. bezahlt werden müssen.

Die Auszahlungen für Material können analog der Umsätze nach der durchschnittlichen Kreditorenlaufzeit geplant werden.

Kreditorenlaufzeit = Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen * 365 / Einkaufsvolumen

Beispiel: Kreditorenlaufzeit  = 40.000 * 365 / 470.000 = 31 Tage.

D.h., dass Lieferanten im Schnitt 31 Tage nach Rechnungseingang bezahlt werden. Bei Subunternehmern muss geprüft werden, wann diese benötigt und bezahlt werden.

Praxis-Tipp: Abschreibungen bleiben unberücksichtigt

Abschreibungen bleiben unberücksichtigt, da sie nicht zahlungsrelevant sind. Sie stellen zwar Kosten dar und schmälern den Gewinn, führen aber nicht zu Kontobewegungen. Das geschieht dann, wenn ein Betrieb investiert und z.B. eine Maschine kauft.

Planung der weiteren Ein- und Auszahlungen 

Zum Schluss werden alle anderen Positionen, die zu Kontobewegungen führen, geplant. Bei den Einzahlungen kann es sich um Erlöse aus Anlagenverkäufen, Dividenden, Spenden, Einzahlungen von Gesellschaftern oder Krediten handeln. Weitere Auszahlungen sind u.a.: Darlehenstilgungen, Investitionen, Steuernach- und -vorauszahlungen, Umsatzsteuer-Zahllast, Gesellschafterentnahmen, Lizenzen.

Praxis-Tipp: Meiste Positionen gut planbar 

Die meisten Positionen sind gut planbar und können den Monaten des Jahres leicht zugeordnet werden:

  • Die Höhe der Tilgungen ergibt sich z.B. aus dem Kreditvertrag,
  • die Steuervorauszahlungen ergeben sich aus dem Bescheid und
  • die Entnahmen von Gesellschaftern sind i.d.R. festgelegt.
  • Die Zahllast lässt sich aus den Planwerten ebenfalls gut ableiten.
  • Investitionen sollten unter Einbindung der Abteilungen geplant werden.

Aus allen Planwerten ergibt sich eine Überdeckung (Ein- größer Auszahlungen) oder eine Unterdeckung (Aus- größer Einzahlungen). Die Planung muss überarbeitet werden, wenn eine größere und längere Phase der Unterdeckung besteht, die nicht durch den Kontokorrent abzudecken ist.

Plan- mit Ist-Werten vergleichen! 

Planung macht nur Sinn, wenn man ihr monatlich die Ist-Werte gegenüberstellt. Dann lässt sich erkennen, ob und wo es eventuell Abweichungen gibt und was die Ursachen sind. Stellt sich z.B. heraus, dass die Einzahlungen niedriger und/oder die Auszahlungen höher ausfallen als geplant, muss gehandelt werden, um längere und gefährliche Zahlungsengpässe zu vermeiden. Was sich konkret tun lässt, wird in der nächsten News beschrieben.

Lesen Sie zur Liquiditätsplanung auch diese Informationen:

Grundlegendes zur Liquiditätsplanung und -steuerung

Maßnahmen zur Verbesserung der Liquidität umsetzen

Fehler bei der Liquiditätsplanung vermeiden

Hilfestellung zur Auswahl eines geeigneten Programms zur Liquiditätsplanung

Schlagworte zum Thema:  Finanz- und Liquiditätsplanung, Liquiditätsmanagement

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