11.07.2016 | Top-Thema Liquidität: Maßnahmen zur Verbesserung

Liquidität: Debitoren- und Kundenanalyse

Kapitel
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Wesentliche Voraussetzung zur Beeinflussung der Debitoren ist die genaue Kenntnis über Art und Höhe der Debitoren-Einzelposten. Ein wichtiges Hilfsmittel bei der Debitorenzergliederung bietet die ABC-Analyse. Weitere Erkenntnisse ergeben sich aus Branchenvergleichszahlen, die häufig von den Verbänden, Kammern oder Innungen für Ihre Mitgliedsbetriebe zur Verfügung gestellt werden.

Ermittlung der Debitoren

Jeder Einzelposten ist nach dem jeweiligen Kunden, seiner Höhe und des Entstehungstages zu ermitteln. Diese Aufstellung kann durch weitere Daten ergänzt werden, z. B. Zahlungsziele, Sicherungsmittel usw. In kleineren Unternehmen wird diese Ermittlung vielfach manuell vorgenommen. Beim Einsatz von Finanzbuchführungsprogrammen ist darauf zu achten, dass die Auswertung der Debitoren sowohl als Bildschirmauskunft wie als Listenausdruck vorhanden ist.

Kennzahlen zum Debitorenbereich

Um zu einer schnellen Einschätzung der Debitorensituation zu gelangen, ist die Verwendung von Kennzahlen hilfreich. Mögliche und praxisrelevante Kennzahlen sind:

  •  Debitorenumschlagshäufigkeit
  •  Durchschnittliches Zahlungsziel
  •  Wagnisverluste
  •  ABC-Analyse der Kunden

Debitorenanlanalyse

Aus Sicht der Debitorenanalyse sollten in der Buchhaltung keine Diverse-Konten geführt, sondern grundsätzlich für jeden Kunden ein eigenes Konto eingerichtet werden oder zumindest der Umsatz für Diverse möglichst niedrig angesetzt werden. Der Erkenntniswert lässt sich steigern, wenn zu den Debitoren auch die Umsätze der Einzelkunden und Diversen (insgesamt) herangezogen werden.

Debitorenfaktor

Darüber hinaus lässt sich noch der Debitorenfaktor ermitteln, der den Anteil der Debitoren am Umsatz aufzeigt. Ein hoher Debitorenfaktor bedeutet, dass bei diesem Kunden entweder längere Zahlungsziele oder eine schleppende Zahlungsweise vorliegen. Vor allem bei den A-Debitoren ist eine Insolvenzbeobachtung dringend erforderlich, da der Forderungsausfall dieser Kunden nicht nur die Liquidität, sondern den Bestand des eigenen Unternehmens stark beeinträchtigen bzw. sogar direkt zur eigenen Insolvenz führen kann.

Branchenvergleiche

Der Vergleich der unternehmensspezifischen Werte mit denen von anderen Unternehmen derselben Branche bringt ebenfalls interessante Erkenntnisse. Das Problem liegt in der Datenbeschaffung. I. d. R. wird man die entsprechenden Werte von anderen Firmen nicht erhalten und externe Bilanzanalysen bringen hier nicht viel. In vielen Branchen ermitteln jedoch Verbände oder Unternehmensberater derartige Vergleichszahlen. Gibt es derartige Vergleichszahlen, sollten diese unbedingt verwendet werden. Das Unternehmen erkennt daraus, ob es positiv oder negativ vom Branchendurchschnitt abweicht. Allerdings bedeutet eine positive Abweichung vom Branchendurchschnitt nicht, dass man beruhigt die Hände in den Schoß legen kann. Im Rahmen des Benchmarking sollten sich Unternehmer immer am besten Wert orientieren.

Debitoren: Auswirkung auf die Finanzierung

Debitoren sind gebundenes Vermögen, das finanziert (Zinsaufwand) werden muss. Ein geringer durchschnittlicher Debitorenumschlag und damit ein hohes durchschnittliches Zahlungsziel hat demzufolge einen negativen Einfluss auf die Finanzierung und damit auf die Liquidität des Unternehmens. Dies gilt umso mehr, je höher die Kreditkosten sind. Zu hohe Debitoren und zu lange Zahlungsziele können letztendlich zur Illiquidität des Unternehmens führen. Hieran erkennt man, wie wichtig die Kenntnis und die Einflussnahme auf Höhe und Dauer der Debitoren ist.

Ermittlung klassischer Liquiditätskennzahlen

Nach der Debitorenanalyse schließt sich die Ermittlung der klassischen Liquiditätskennziffern an. Aus ihnen ist zu entnehmen, in welcher Höhe Vermögenswerte eines Unternehmens (theoretisch) „flüssig“ gemacht werden können, um eigene Verbindlichkeiten fristgerecht zu erfüllen.

Liquidität des 1. und des 2. Grades

Die zwei bekanntesten Möglichkeiten zur Errechnung der Liquidität sind das Deckungsverhältnis 1. und 2. Grades.

Flüssige Mittel ( = liquide Mittel 1. Grades)
./.kurzfristige Verbindlichkeit
=

Über-/Unterdeckung 1. Grades

Zu den liquiden Mitteln 1. Grades gehören im Wesentlichen der Kassenbestand sowie die Guthabensalden bei Kreditinstituten. Gegebenenfalls andere sofort in Geld umwandelbare Bilanzpositionen.

Bei der Errechnung der Über-/Unterdeckung 1. Grades wird selten eine Überdeckung erreicht, obwohl dies erstrebenswert erscheint. Allerdings darf auch nicht übersehen werden, dass ein zu hoher Bestand an an liquiden Mitteln zu lasten der Rentabilität des Unternehmens geht. Unternehmer sollten bestrebt sein, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Liquidität, Rentabilität und Sicherheit herzustellen.

Umlaufvermögen
./.kurzfristige Verbindlichkeiten 
=Über-/Unterdeckung 2. Grades

Bei der Errechnung des prozentualen Deckungsverhältnisses wird bei der Liquidität 1. Grades selten der Wert 100 % erreicht, obwohl dieser Wert erstrebenswert erscheint.

Beim Deckungsverhältnis 2. Grades findet man innerhalb der Kreditorganisationen folgende Beurteilungsmaßstäbe:

unter 100 %=unzureichend, besorgniserregend
100 bis 125 % =leicht geschwächt, noch vertretbar
125 bis 150 %=ausreichend, normal
150 bis 175 %=gut
175 bis 200 %=sehr gut
über 200 %=außerordentlich gesund finanziert

Schlagworte zum Thema:  Kundenanalyse, Liquidität, Analyse, Debitor, Unternehmen

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