11.07.2016 | Top-Thema Liquidität: Maßnahmen zur Verbesserung

Liquidität: Anlagevermögen, Eigen- und Fremdkapital analysieren

Kapitel
Ist der Anteil des Anlagevermögens besonders hoch, ist das Unternehmerrisiko besonders hoch und auch die Unternehmensflexibilität gering.
Bild: Haufe Online Redaktion

Je höher der Anteil des Anlagevermögens am Gesamtvermögen (Bilanzsumme) des Unternehmens ist, desto höher ist das Unternehmerrisiko und desto geringer ist die Unternehmensflexibilität.

Anlagevermögen: Je höher der Anteil desto höher das Unternehmerrisiko

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass das Unternehmen das vorhandene Anlagevermögen analysiert. Der wesentliche Maßstab ist dabei das betriebsnotwendige Anlagevermögen. Das betriebsnotwendige Anlagevermögen zum Untersuchungszeitpunkt wird i. d. R. niedriger sein als das tatsächlich vorhandene Anlagevermögen. Dies deshalb, weil in den Positionen des Anlagevermögens Werte enthalten sein werden, die für zukünftige Entwicklungen des Unternehmens vorgehalten werden (müssen).

Einige Beispiele sollen diesen Gesichtspunkt verdeutlichen:

Es ist z. B. denkbar, dass

  • unbebaute Grundstücke vorhanden sind, die für eine spätere Unternehmenserweiterung vorgehalten werden,
  • Raumreserven in den Betriebs- und Verwaltungsgebäuden bestehen, die derzeit betrieblich nicht genutzt werden,
  • auch in den Maschinen und maschinellen Anlagen sowie in den Betriebs- und Geschäftsausstattungen ungenutzte Kapazitäten (Reserven) enthalten sind,
  • in den Beteiligungen und Wertpapieren über den betriebsnotwendigen Zweck hinaus erhebliche Finanzmittel gebunden sind.

Insolvenzabwehr: Veräußerung von Anlagevermögen als letzte Möglichkeit

Zwar wird jedes Unternehmen die Liquidation (Veräußerung) von Teilen des Anlagevermögens nur als letzte Möglichkeit zur Insolvenzabwehr ins Auge fassen, diese Möglichkeit muss jedoch ergriffen werden, wenn nur dadurch der Bestand des Unternehmens sicherzustellen ist.

Dafür müssen die nicht betriebsnotwendige Teile des Anlagevermögens ermitteln und aufgelistet werden, und zwar hinsichtlich

  • der Liquidierbarkeit (Zeitaspekt) und
  • der wahrscheinlichen Höhe des Liquidationserlöses bzw. des Beleihungswertes, z. B. bei Wertpapieren (Wertaspekt).

Diese Aufstellung ist laufend (mindestens jährlich zu aktualisieren.

Eigenkapital und Fremdkapital: Zusätzliche Zuführungen sind aufzulisten

Auf der Passivseite der Bilanz muss neben dem Eigenkapital auch das langfristige Fremdkapital analysiert werden. Einerseits sind die Möglichkeiten zusätzlicher Eigenkapitalzuführung (unterschiedlich nach der jeweiligen Unternehmensrechtsform) aufzulisten, andererseits sind die Möglichkeiten weiterer Zuführung von langfristigem Fremdkapital (nicht ausgeschöpfter Kreditrahmen bei bestehenden Kapitalgebern; neue Kapitalgeber; stille Beteiligungen, etc.) festzuhalten.

Kosten und Erlöse analysieren

Ebenso sollte jedes Unternehmen seine Kosten kennen und analysieren. Falls vorhanden sind die unternehmensspezifischen – insbesondere signifikanten Kostenbereiche – Branchenvergleichszahlen gegenüberzustellen. Eine detaillierte Kostenkontrolle muss fortlaufend erfolgen, da in einer Liquiditätskrise nicht alle Kostenbereiche kurzfristig reduziert werden können. In vielen Bereichen gibt es vertragliche Vereinbarungen, die nur mittel- oder gar langfristig veränderbar sind.

Ein weiterer Bereich der positiven Einflussnahme auf die Liquidität ist der Erlösbereich des Unternehmens. Hier stehen Maßnahmen im Vordergrund, die zu einer kurzfristigen Umsatzsteigerung führen, z. B. Sonderverkaufsaktionen oder gezielte Marketingmaßnahmen.

Schlagworte zum Thema:  Anlagevermögen, Eigenkapital, Fremdkapital, Erlöse, Liquidität, Unternehmen

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