11.07.2016 | Top-Thema Liquidität: Maßnahmen zur Verbesserung

Liquiditäts-Tipps für die Unternehmens-Praxis

Kapitel
Es gibt eine Vielzahl an Maßnahmen, um die Liquidität eines Unternehmens zu sichern. Wir geben Ihnen Praxis-Tipps an die Hand.
Bild: Haufe Online Redaktion

Mit unterschiedlichen Maßnahmen kann auf die Liquidität des Unternehmens Einfluss genommen werden. Ob allerdings die Möglichkeiten alle und in vollem Umfang durchgesetzt werden können, richtet sich auch nach der Marktmacht, über die das jeweilige Unternehmen verfügt.

Die nachfolgenden Maßnahmen sollten in jedem Unternehmen ergriffen werden. Sie sind allerdings nicht in jedem Unternehmen sofort umsetzbar. Einige Maßnahmen erhöhen die Liquidität sofort, andere benötigen etwas Zeit, bis die Liquiditätsauswirkung eintritt.

Rechnungsstellung so früh wie möglich

Ihre Lieferungen und Leistungen müssen umgehend in Rechnung gestellt werden; bei größeren Aufträgen sind Zahlungspläne oder Abschlagszahlungen zu vereinbaren. Bei Abschlagszahlungen ist organisatorisch sicherzustellen, dass die Rechnungsausstellung so früh wie möglich erfolgt, idealerweise mit der Fertigstellung der Teilleistung, spätestens jedoch am folgenden Arbeitstag. In vielen kleineren, aber auch in mittleren und größeren Unternehmen kann man feststellen, dass Rechnungen nur ein- oder zweimalig im Monat erstellt werden. Den Kunden wird damit unnötigerweise ein längeres Zahlungsziel gewährt. Dadurch steigen nicht nur die Finanzierungskosten, sondern auch das Ausfallrisiko nimmt beträchtlich zu.

Vereinbarung der Zahlungsbedingungen

Mit der Vereinbarung der Zahlungsbedingungen wird der Zeitpunkt der Zahlung bestimmt und damit auch Einfluss auf die Höhe und die Dauer der Debitoren genommen. Hier spielt ebenfalls die Marktmacht eine entscheidende Rolle, denn den Zahlungsbedingungen des Unternehmens stehen i. d. R. die Einkaufs- und Zahlungsbedingungen des Auftraggebers gegenüber. Inwieweit die nachfolgenden Zahlungsbedingungen durchsetzbar sind, ist daher Verhandlungssache.

Folgende Zahlungsbedingungen sind denkbar:
- Zahlung bei Auftragsvergabe (Vorauszahlung)
- Teilzahlungen im Voraus
- Zahlung nach Baufortschritt bzw. Zahlungsplan
- Zahlung mit Skonto
- Zahlung bei Übergabe
- Zahlung mit Lastschrifteinzug
- Zahlung gegen Vorauszahlung
- Zahlung per Nachnahme
- Zahlung mit Geld-, EC- oder Krditkarte
- Zahlung per Online-Zahlungssysteme (z. B. PayPal).
Bei den ersten beiden Zahlungsarten wird der Auftraggeber einen Nachlass für die vorzeitige Zahlung verlangen. Diesem Nachteil stehen als Vorteil für das Unternehmen die geringeren Finanzierungskosten und der sichere Zahlungseingang (insbesondere bei der Vorauszahlung) gegenüber. Grundsätzlich möglichst kurze Zahlungsziele vereinbaren, gegebenenfalls Skonto (statt Nachlass) bei früherer Zahlung einräumen. Aber Achtung: Skontogewährung muss bei der Preiskalkulation berücksichtigt werden, sonst geht der Skonto zulasten des Gewinns. Darüber hinaus sollte man bei verspäteter Zahlung den Skontoeinbehalt nicht mehr akzeptieren. Die letzten fünf Zahlungsarten kommen vor allem im Handel (stationär oder online) vor.

Ordentliches Mahnwesen

Einem ordentlichen Mahnwesen kommt im Rahmen der Verkürzung der Debitorenlaufzeit eine erhöhte Bedeutung zu. Voraussetzung hierfür ist die tägliche Ermittlung der Debitorenfälligkeiten. Ist eine Forderung fällig, so gerät der Abnehmer in Zahlungsverzug. In der Praxis findet man häufig drei Mahnstufen (1., 2. und 3. Mahnung). Dies bedeutet aber einen unnötigen Zahlungsaufschub für den Auftraggeber. Wenn ein Auftraggeber die Zahlung hinauszögern will, reagiert er auf das 1. Mahnschreiben nicht, weil er in Ruhe Nr. 2 und 3 abwarten kann, bis etwas passiert.
Empfehlenswert ist daher stattdessen am Fälligkeitstag anzurufen und - falls keine Zahlung erfolgt - nach weiteren 3 bis max. 5 Tagen ein (einziges) Schreiben zu versenden. Dies sollte dann aber bereits einen Termin mit Verzugszinsen und Androhung des gerichtlichen Mahnverfahrens enthalten.
Idealerweise sollte in den Auftragsverhandlungen als Zahlungsbedingung vereinbart werden, dass bei Zahlungsverzug ohne weitere Aufforderung Verzugszinsen und Mahngebühren berechnet werden können. Wenn man auch einheitliche Richtlinien für das Mahnwesen anstreben muss, so sollte man diese jedoch nicht starr und bürokratisch handhaben. Allerdings sollten Abweichungen von den Richtlinien grundsätzlich der Unternehmensleitung zur Entscheidung vorgelegt werden.

Bonitätsprüfungen bei Neukunden

Durchführung von Bonitätsprüfungen bei Neukunden ab einer bestimmten Auftragshöhe, z. B. über 1.000 EUR, durch Bankauskünfte oder Wirtschaftsauskunfteien.

Absicherung von Forderungen

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, bestehende Forderungen abzusichern und damit den Zahlungseingang zu verkürzen. Der Grad der Sicherung ist dabei unterschiedlich. Der Einsatz der Sicherungsmittel hängt auch von der Höhe der Forderung ab. Zahlungen können beispielsweise durch bankbestätigte Schecks oder Wechsel stärker abgesichert werden. Die Forderungsabsicherung kann durch Anforderung einer Zahlungsbürgschaft oder gegen Stellung von Sicherheiten erfolgen. Hier kommen z. B. in Betracht: Einräumung einer Grundschuld oder Hypothek, Verpfändung von Wertgegenständen (Gold, Schmuck, etc.) oder Wertpapieren (Aktien usw.). Bei einer Forderungsabtretung tritt der Schuldner Forderungen, die er gegenüber Dritte geltend machen kann, dem leistenden Unternehmen ab (Zession). Hierbei unterscheidet man die stille Zession (der Drittschuldner weiß nichts von der Zession) oder die offene Zession (hier zahlt der Drittschuldner an das leistende Unternehmen). Größere Sicherheit bietet allerdings nur die offene Zession.

Provisonszahlungen an Handelsvertreter

Soweit das Unternehmen angestellte Reisende beschäftigt oder Handelsvertreter einsetzt, sind die Provisionszahlungen an den Zahlungseingang durch den Kunden zu knüpfen.

Debitoren an Factoringgesellschaft verkaufen

Die eigentliche Aufgabe eines Unternehmens ist die Leistungserstellung bzw. die Dienstleistung und nicht die Finanzierung der Abnehmer durch Debitoren. Diese Aufgabe übernehmen besondere Dienstleistungsunternehmen (Factoringgesellschaften oder -banken). Die Debitoren werden an die Factoringgesellschaft verkauft, die dann die Forderungen zu einem bestimmten Prozentsatz bevorschusst. Hierfür erhält das Factoringunternehmen eine Gebühr. Gegen eine zusätzliche Gebühr übernimmt die Factoringgesellschaft auch das Ausfallrisiko und bietet weitere Dienstleistungen, wie Rechnungsstellung, Mahn- und Inkassowesen, Bonitätsprüfung usw. an. Mittlerweile ist Factoring auch in der Bauwirtschaft möglich.

Vorräte kontrollieren

Vorräte binden oftmals unnötig Liquidität. Sie sollten daher laufend kontrolliert und nur in der Höhe vorgehalten werden, dass die Produktionsfähigkeit gewährleistet ist.

Abwägung von Investitionen

Investitionen müssen sorgsam abgewägt werden. Produktionsanlagen nur kaufen, wenn die Kapazitätsauslastung weitgehend gewährleistet ist. Bei Auftragsspitzen stattdessen unbedingt Miete, Leasing oder Outsourcing prüfen.

Verzicht oder Verschiebung von Investitionen

Verzicht oder zeitlich begrenzte Verschiebung von geplanten Sach- oder Finanzinvestitionen.

Optimierung der Produktionskosten

Optimierung der Produktionskosten durch Änderung der Fertigungsverfahren, Produktionsprogramms oder der Produktweiterentwicklung.

Reduzierung der Sachkosten

Reduzierung der Sachkosten, wie beispielsweise Reisekosten, Fuhrparkkosten, Werbe- und Vertriebskosten, Gewährleistungsaufwand.

Schließung von Produktionsstandorten

Schließung von Produktionsstandorten, Niederlassungen, Filialen, usw

Outsourcing

Outsourcing von betrieblichen Funktionen, wie Fuhrpark, Rechnungswesen, Montage, usw.

Personalaufwand

Reduzierung des Personalaufwands.

Kredit-Limits

Finanzierungsspielraum durch ausreichende Kredit-Limits (laufende Kontokorrent-Kredite) sicherstellen.

Information der Kreditinstitute

Regelmäßige und ausreichende Information der Kreditinstitute. Dies stellt i. d. R. sicher, dass die Kreditinstitute bei einer vorübergehenden Finanzierungsklemme Hilfestellung leisten.

Anpassung der Steuervorauszahlungen

Anpassung der Steuervorauszahlungen beantragen, falls der Jahresüberschuss erkennbar niedriger ausfällt als im Vorjahr, bzw. der Vorjahresgewinn durch außerordentliche Einflüsse überdurchschnittlich hoch war.

Bildung stiller Reserven

Bildung von stillen Reserven in der Bilanz durch zulässige Ausnutzung von Bewertungswahlrechten. Für nicht ausgewiesene Gewinne werden keine Steuern fällig. Gewinnausweise über Jahre hinweg möglichst konstant halten, dabei möglichst größere Gewinnsprünge vermeiden. Ein überdurchschnittlicher Gewinnausweis belastet die Liquidität doppelt: einerseits durch die Besteuerung selbst und andererseits durch die höheren Vorauszahlungen im Folgejahr.

Gewinnthesaurierung oder Einlagen

Erhöhung des Eigenkapitals durch Gewinnthesaurierung (Unternehmens- oder Auftragsbezogen) oder Einlagen der Gesellschafter (in Abhängigkeit von der Rechtsform des Unternehmens).

Entnahmen begrenzen

Bei Personengesellschaften können die Entnahmen  - gegebenenfalls zeitlich begrenzt - ausgesetzt oder limitiert werden. Bei Kapitalgesellschaften können - soweit vertraglich zulässig - Geschäftsführer- bzw. Vorstandsvergütungen gekürzt werden. Dies ist i. d. R. bei den fixen Vergütungsanteilen nur selten möglich. Anders sieht es allerdings bei den Nebenleistungen, Pensionsansprüchen und erfolgsabhängigen Vergütungsbestandteilen aus. Bei diesen Vergütungsbestandteilen können vertragliche Regelungen hinsichtlich einer Anpassung in bestimmten Unternehmenssituationen vorgesehen werden.

Erweiterung von Fremdkapital

Möglichkeiten für die Erweiterung von Fremdkapital prüfen. Als Fremdkapitalgeben kommen neben den Banken auch Lieferanten und Kunden über spezielle Beteiligungsangebote oder Mitfinanzierungen und gegebenenfalls Förderbanken für bestimmte Investitionsmaßnahmen in Frage. Eine weitere Möglichkeit sind mittelständische Beteiligungsgesellschaften.

Schlagworte zum Thema:  Liquidität, Factoring, Unternehmen, Mahnwesen

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