21.07.2015 | Top-Thema Kunst als Vermögensanlage

Kunst als Spiegel der Unternehmenskultur

Kapitel
Der Diskurs über Kunst soll innovatives Denken bei den Mitarbeitern fördern.
Bild: PhotoDisc Inc.

Wer Kunst im Unternehmen sammeln will, steht vor einer ganzen Reihe von Fragen: Wie beeinflusst das die Belegschaft? Trägt es zum Markenprofil bei, und wenn ja, wie? Natürlich muss auch die Frage nach den Kosten beantwortet werden. Wie ist die entstehende Sammlung als Investment und Anlage zu managen? Und zuletzt: wo ist ihr Platz in der Vermögensstruktur des Unternehmens? Mit diesen Fragen befasst sich das erste Kapitel unseres Top-Themas.

Für einen Unternehmer kann der Aufbau einer eigenen Kunstsammlung von Vorteil sein. Ein Unternehmen, das in dieser Weise im Kulturbereich aktiv wird, beweist Sozialkompetenz jenseits von Soll und Haben. Ein solches Engagement wird von der Bevölkerung und damit den Kunden des Unternehmens geschätzt.

Es ist eine Binsenweisheit, dass die Wirtschaft, so unverzichtbar sie für das materielle Überleben der Volkswirtschaften ist, dennoch wenig „Ewigkeitswert“ besitzt. Um es einmal so auszudrücken: Die Millionen von Touristen, die jedes Jahr nach Rom kommen, tun das nicht, um sich über innovative Finanzierungsmodelle zu Zeiten von Kaiser Claudius zu informieren, sondern vor allem, um die Kulturschätze zu bewundern. Die Teilhabe an Kultur, vergangener wie gegenwärtiger, trägt zur Selbstfindung und Selbstdefinition des modernen Individuums bei und ist damit letztlich sinnstiftend.

Einen Diskurs ermöglichen

Die Beschäftigung mit Kunst und Kultur fördert die Kommunikation und erweckt Neugier. Gerade zeitgenössische Kunst ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig. Der weitgehend herrschaftsfreie Diskurs in zeitgenössischer Kunst bietet geistige Anregungen und fördert die Bereitschaft, sich mit neuen und ungewohnten Fragestellungen zu befassen. So entsteht eine Denkatmosphäre, die den Unternehmenszielen förderlich ist. Deutlich wird das am theoretischen Gegenmodell: Kein Unternehmen will Mitarbeiter, deren Welt ausschließlich im Bereich von Fußballclub und Stammtisch, Tortenbacken und Häkelrunde stattfindet. Darüber, dass ein vor allem zeitgenössisches Kulturklima der Innovation förderlich ist, besteht weitgehend Einigkeit. Kunst im Unternehmen kann das Markenprofil stärken, wie man am Beispiel der Art Cars von BMW sehen kann. Sie unterstreichen die Botschaft des Unternehmens als hochqualitatives und innovatives Unternehmen durch ihre Auftritte auf Kunstmessen (etwa der Art Basel Miami Beach). BMW hat bei finanziell gut gestellten Sammlern eine seiner Zielgruppen, und die so getätigte Imagepflege verfehlt ihre Wirkung nicht. Vor allem stellt sich dieses Engagement, hier in besonderer und einmaliger Weise mit der Verzahnung von Produkt und Image verbunden, als besonders glaubwürdig dar. Vor allem, weil BMW die Art Cars auch in Auftrag gibt. Innovation, Kreativität, Erlebnisorientiertheit und eine gewisse Exklusivität werden kommuniziert und bestimmen die Sichtweise auf das Unternehmen mit. Das ist in dieser Weise mit anders gelagerten Engagements kaum möglich.

Praxis-Hinweis: Unternehmen als Kunstsammler

Gerade kleine und mittelständische Unternehmen brauchen einen fachkundigen Experten an ihrer Seite, der die Sammlung aufbaut. Unternehmer sollten ihrem Berater den Rahmen vorgeben, aber nicht jeden Werkeinkauf bestimmen wollen. Eigene Aktivitäten sollten eng abgestimmt werden. Eine Sammlung braucht einen klaren Fokus. Nicht von allen Künstlern ein Werk, sondern besser Werke aus den verschiedenen Schaffensphasen eines Künstlers. Bereits mit kleinen fünfstelligen Beträgen im Jahr kann eine Kunstsammlung über die Jahre aufgebaut werden.

Schlagworte zum Thema:  Kunst, Unternehmenskultur, Vermögensanlage

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