17.09.2013 | Serie Wirtschaftsprüfer und Abschlussprüfung

Kaum noch Wachstum durch Prüfung

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Bild: Haufe Online Redaktion

Die Wirtschaftsprüfer(WP)-Branche wird weltweit von den Big 4 weiterhin dominiert. Nach „Handelsblatt“-Erhebungen kommen sie in Deutschland auf einen Marktanteil von rund 82 % bei den 160 größten Aktiengesellschaften.

Zuletzt konnten PwC, KPMG, Ernst & Young und Deloitte ihre Umsätze aus Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung hierzulande stärker steigern als ihre mit deutlichem Abstand folgenden Mitbewerber. Damit wächst aktuell deren bereits marktbeherrschende Stellung – insbesondere bei den gesetzlich vorgeschriebenen Abschlussprüfungen von Dax 30- und MDax-Unternehmen.

Jährliche Lünendonk-Studie ermittelt Inlandsumsätze

Dies ist ein Resultat der diesjährigen Lünendonk-Studie „Führende Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften in Deutschland“. Der Marktforscher aus Kaufbeuren ermittelt jährlich die Inlandsumsätze der 25 größten WP- und Steuerberatungsgesellschaften. Mittlerweile liefern die meisten gerankten Unternehmen ihre Daten an Lünendonk, sodass nur noch bei wenigen Gesellschaften der Umsatz geschätzt werden muss.

Es gibt jedoch für die Top 25 Aufnahmekriterien: Mehr als 60 % des Umsatzes müssen mit Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung (ohne Steuerdeklaration und Buchhaltung), Corporate Finance und Rechtsberatung erzielt werden, davon müssen mindestens 15 % auf die Abschlussprüfung ohne Beratung entfallen; zudem werden keine Netzwerkgesellschaften aufgenommen.

Aus diesem Grund gehören die in der Steuerberatung und Buchhaltung sehr umsatzstarken Unternehmen ETL und Ecovis nicht zu den Top 25.

Dominanz der Big 4

Marktführer ist und bleibt PwC mit 1,5 Mrd. Euro Inlandsumsatz, gefolgt von KPMG, Ernst & Young und Deloitte. Mit deutlichem Abstand folgt BDO als fünftgrößter Anbieter.

Auswertung von Transparenzberichten

Neben der Lünendonk-Studie gibt es noch ein zweites Ranking, welches von Prof. Dr. Annette G. Köhler von der Universität Duisburg-Essen erstellt wird. Sie erfasst die Umsätze bezüglich der sogenannten § 319a HGB-Mandate, also gesetzlich vorgeschriebene Abschlussprüfungen bei Unternehmen von öffentlichem Interesse. Hierbei handelt es sich um kapitalmarktorientierte Firmen.

Köhler wertete die Transparenzberichte der WP-Gesellschaften aus, die diese veröffentlichen müssen. Die Umsatzangaben weichen nicht selten von denen in der Lünendonk-Studie ab. Letztere basiert weitgehend auf freiwillige Angaben der WPG. Bei den ersten Fünf gibt es in beiden Rankings eine identische Reihenfolge. Interessanter hingegen die divergierenden Platzierungen der Verfolger (in Klammer die Platzierung in der Lünendonk-Liste):

·        6. PKF Fasselt Schlage (11)

·        7. RBS RoeverBroennerSusat (10)

·        8. Warth & Klein Grant Thornton (9)

·        9. Rolfs RP (8)

·        10. Rödl & Partner (6)

Eine Gesellschaft, die in den letzten Jahren stark gewachsen ist, rangiert bezüglich der Umsätze des Jahres 2012 nach dem Transparenzbericht auf dem 11. Platz, bei Lünendonk hingegen auf Rang 7: Ebner Stolz Mönning Bachem.

Nicht alle Prüfungsgesellschaften können wachsen

Im Durchschnitt wuchs die Branche laut Lünendonk-Erhebung im letzten Jahr um 4,6 %, wobei manche Gesellschaften wie Mazars sogar Umsatzeinbußen gegenüber dem Vorjahr erleiden mussten. Dass die meisten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (WPG) wachsen konnten, lag weniger am Auditgeschäft, das ohnehin seit Jahren unter dem Honorardruck und dem zunehmend härter werdenden Kampf ums notwendige Personal leidet.

Die Gesellschaften müssen sich immer stärker ins Zeug legen, um qualifizierte Fachkräfte für sich zu gewinnen. Bei der letzten Examensprüfung zum Wirtschaftsprüfer, die in Deutschland als die schwierigste gilt, musste erstmals nach vielen Jahren eine rückgängige Teilnehmerzahl registriert werden. Und das trotz guter Berufs- und Verdienstaussichten.

Personalrekrutierung wird schwieriger

Doch das Thema Work-Life-Balance ist mittlerweile auch in den WPG angekommen, die zwischen Herbst und Frühjahr immer eine massive Arbeitsbelastung zu bewältigen haben. In einem Bericht von „Handelsblatt Karriere“ 3/2013 wird zwar von Versuchen berichtet, Teilzeitmodelle anzubieten, um insbesondere auch Frauen für den Beruf zu gewinnen oder in der Familienphase weiterhin ans Unternehmen zu binden. Doch in dem Artikel wird deutlich angesprochen, dass dies „mehr Rhetorik als Realität“ sei. Gute Karriereperspektiven seien eher mit einem hohen Grad an Selbstausbeutung und höchst möglicher Flexibilität verbunden.  

Steuerberatung bringt noch den größten Wachstumsschub

Wachstumstreiber in den WPG ist mehr denn je die Steuerberatung, die im Durchschnitt rund 45 % des Gesamtumsatzes einer WPG ausmacht. Nur gut 37 % steuert der Auditbereich bei, mehr als 8 % Managementberatung und über 6 % die Rechtsberatung, so die Erkenntnisse von Lünendonk.

„Aufgrund der Internationalisierung gerade mittelständischer Mandanten

und der länderübergreifenden Tätigkeiten von nationalen sowie

internationalen Finanzbehörden stieg die Nachfrage nach Steuerberatungs- und Advisory-Services“ erklärt Jörg Hossenfelder, Geschäftsführender Gesellschafter von Lünendonk und Autor der Studie. Auch in naher Zukunft erwarten die WPG eher Wachstumsimpulse aus diesem Bereich sowie aus der Unternehmens- und Finanzierungsberatung.

Anorganisches Wachstum wird immer mehr zur Strategie

Um zu wachsen setzen die Prüfer verstärkt auf Übernahmen. So kauften insbesondere die Big 4 Unternehmensberatungsgesellschaften zu. Auch die ETL beteiligte sich in den letzten Monaten an der Kölner Kanzlei PNHR und an der Berliner WPG BVR. Übernahmen und Fusionen werden so zunehmend zur Wachstumsstrategie – auch mancher mittelständischer Prüfungs- und Beratungsgesellschaft.

Manche kleinere WP-Praxis steigt aus dem Markt aus und konzentriert sich dann auf die Steuerberatung. Auch der demografische Wandel wird in der Branche mit einem hohen Anteil älterer Abschlussprüfer immer deutlicher erkennbar.

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