19.04.2013 | Top-Thema Herstellungskostenuntergrenze: Folgen der Übergangsregelung für Betriebe

Wie sich Unternehmen auf die Änderungen vorbereiten

Kapitel
Bild: Haufe Online Redaktion

Unternehmen sollten die aufschiebende Wirkung des BMF-Schreibens nutzen, um sich auf die neue Situation vorzubereiten. Dabei empfiehlt es sich, die Hilfe von fachkundigen Beratern hinzuzuziehen.

Unternehmen, die bisher keine sachgerechte Anpassung an die neue steuerliche Verwaltungsauffassung vorgenommen haben, sollten trotz Aussetzung der Neuregelung durch das BMF-Schreiben vom 25.03.2013 zügig handeln und folgende Überlegungen vornehmen:

  • Welche Aufwendungen fallen unter die steuerlich relevanten Kosten?

  • Wie ermittle ich die angemessenen Teile dieser Kosten?

  • Anhand welcher Kriterien werden die Kosten auf die hergestellten Wirtschaftsgüter umgelegt?  Kann das bestehende ERP-System eine Kostenrechnung durchführen? Sind die Mitarbeiter ausreichend qualifiziert um eine Kostenrechnung im Betrieb zu implementieren und anzuwenden?

Ermittlung der Kosten

Folgende Herangehensweise ist den Unternehmen zu empfehlen:

  • Identifizierung der steuerlich relevanten Kosten: Welche konkret angefallenen Verwaltungs- und Sozialkosten müssen steuerlich aktiviert werden? Die Kosten, die die Finanzverwaltung für steuerlich relevant hält, ergeben sich aus der neuen EStÄR 2012. In R 6.3 Abs. 3 EStÄR 2012 finden sich konkrete Beispiele von Aufwendungen, die es zu berücksichtigen gilt (siehe auch Kapitel 1.1).
  • Ermittlung der angemessenen Teile dieser Kosten: Eine denkbare Möglichkeit wäre es, mittels eines Zuschlagssatzes einen gewissen Teil der Verwaltungs- und Sozialkosten als „angemessen“ anzusehen und diesen Teil steuerlich zu berücksichtigen. Der Zuschlagssatz müsste, sofern noch keine Erfahrungswerte oder Anhaltspunkte aus dem Vorjahr vorliegen, geschätzt werden.
  • Umlage der Kosten auf die einzelnen Wirtschaftsgüter: Um die Kosten umzulegen, sollte ein geeigneter Umlageschlüssel gefunden werden. Dies kann zum Beispiel der Zeitaufwand für die Herstellung eines Wirtschaftsgutes sein. Mit Hilfe dieses Schlüssels können nun die ermittelten und für relevant befundenen Kosten auf die hergestellten Wirtschaftsgüter umgelegt werden. Dies erfolgt üblicherweise anhand eines Betriebsabrechnungsbogens (BAB).

Wie die Ermittlung der steuerlich relevanten Kosten aussehen kann zeigt folgende Tabelle:

Art

Kosten

Davon angemessene Kosten in %

Davon angemessene Kosten absolut

Verwaltungskosten: Aufwendungen für…

 

 

 

Geschäftsleitung

300.000

30%

90.000

Einkauf und Wareneingang

200.000

60%

120.000

Betriebsrat

120.000

5%

6.000

 

 

Art

Kosten

Verteilungs-schlüssel

Hergestelltes Wirtschafts-gut I

Hergestelltes Wirtschafts-gut II

Hergestelltes Wirtschafts-gut III

Verwaltungskosten: Aufwand für…

 

 

 

 

 

o    Geschäftsleitung

90.000

1:3:5

10.000

30.000

50.000

o    Einkauf und Wareneingang

120.000

2:3:1

40.000

60.000

20.000

o    Betriebsrat

6.000

1:1:1

2.000

2.000

2.000

Summe Verwaltungskosten:

216.000

 

52.000

92.000

72.000

 

Tipp: Es sollte bereits jetzt zeitnah Kontakt mit dem Softwareanbieter aufgenommen werden, um zu klären, ob das vorhandene ERP-System hinsichtlich der vorhandenen bzw. Erweiterung der Module zur Implementierung einer Kostenrechnung möglich ist. Des Weiteren sind die Mitarbeiter im Unternehmen zeitnah zu schulen. Bei Bedarf ist auf externe Dienstleister wie z.B. Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer zurückzugreifen.

Schlagworte zum Thema:  Herstellungskosten, Einkommensteuer

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