25.03.2014 | Top-Thema Herstellungskosten: EStÄR 2012

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Bild: Veer Inc.

Zu welchem Zeitpunkt eine Neufassung der Einkommensteuerrichtlinien tatsächlich erfolgt kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand sagen. So muss ein Unternehmer damit rechnen, dass bereits in diesem Jahr, z. B. im Dezember, eine Neufassung erfolgt und damit zum nächsten Bilanzstichtag (in der Mehrzahl der Fälle der 31.12.) die HKU zwingend anzuwenden sind. Er ist quasi aus Gründen der Vorsicht gezwungen, zumindest Vorsorge dafür zu treffen, dass er die einzubeziehenden Kosten ermitteln kann.

Wer kann, muss umstellen
An dieser Stelle kommt aber die 2. zeitliche Komponente der Übergangsregelung zum Tragen. Wenn er nämlich den Erfüllungsaufwand zu einem früheren Zeitpunkt verifizieren kann, muss er die HKU anwenden. Dieser Anwendungszeitpunkt ist unbestimmt. So stellt sich die Frage, wie genau die Verifizierung der Aufwendungen sein muss. Reicht die theoretische Möglichkeit der Verifizierung? Genügt es, dass im Unternehmen entsprechende Tools vorhanden sind?

Diskussionen mit dem steuerlichen Außenprüfer scheinen vorprogrammiert zu sein. Aus unserer Sicht kann nur darauf abgestellt werden, ob der Unternehmer tatsächlich in der Lage ist, die Verifizierung vorzunehmen. Die Tools müssen nach unserer Meinung tatsächlich angewendet worden sein. Wünschenswert ist, dass im Rahmen der Neufassung der Richtlinien die R 6.3. wieder zum alten Wortlaut zurückgeführt wird.

Probleme für die Finanzverwaltung: Ermittlung der Herstellungskostenuntergrenze
Der Finanzverwaltung stellt sich ebenfalls das Problem, wie die HKU zu ermitteln ist. Hierbei sind aufgrund der vorhandenen Übergangsregelung 2 Zeiträume zu beachten. Solange keine Neufassung der Einkommensteuerrichtlinien erfolgt ist, muss die Frage gestellt werden, ob der Unternehmer die Kosten verifizieren kann. Nach allgemeinen Grundsätzen müssen steuererhöhende Tatsachen durch das Finanzamt und steuermindernde Tatsachen durch den Steuerpflichtigen vorgebracht werden.

Da nunmehr die HKU nur dann nicht anzuwenden sind, wenn eine Verifizierung der Kosten nicht vorgenommen werden kann, stellt die Nichtverifizierungsmöglichkeit eine steuermindernde Tatsache dar. Wie soll jedoch der Unternehmer beweisen, dass er die Kosten nicht verifizieren kann?

Verifizierung der Kosten
Hier wird das Finanzamt ggf. selbst behilflich. Denn wenn es selbst die Kosten anhand des elektronischen Zugriffs auf die Buchhaltung und deren Nebensysteme nicht genau verifizieren kann, muss man anerkennen, dass es auch der Unternehmer nicht kann. Dem Versuch des Finanzbeamten, die HKU im Wege der Schätzung zu erhöhen, kann also unter Verweis auf die Übergangsvorschrift entgegen getreten werden. Insoweit wie der Unternehmer Kosten in die Bewertung einbezogen hat, hat er lediglich das Aktivierungswahlrecht ausgeübt. Sofern eine Neufassung der Richtlinien erfolgt ist und die HKU so geregelt bleibt, kommt es nicht mehr auf die Verifizierungsmöglichkeit an. Die Finanzverwaltung wird aber versuchen, die HKU anhand eines internen und eines externen Unternehmensvergleich auf ihre Plausibilität hin zu überprüfen. Die Grundlagen für die Vergleiche liefern die Unternehmen durch die elektronisch zu übermittelnden Daten (E-Bilanz) selbst. Anhand des Vergleichs der HKU des Unternehmens, die es in den Vorjahren berücksichtigt hat, mit der aktuellen HKU des Unternehmens können Schlussfolgerungen gezogen werden.

So ist es beispielsweise nicht plausibel, wenn trotz einer Steigerung des Aufwands in der GuV die Bewertungsansätze der fertigen und unfertigen Erzeugnisse nicht steigen. Weiterhin wird die Finanzverwaltung versuchen, die HKU bei Unternehmen innerhalb einer Branche und einer Region zu vergleichen (externer Unternehmensvergleich). Diese Art der Verprobung findet bereits jetzt anhand von Richtsätzen statt, ist aber zukünftig wesentlich einfacher zu bewerkstelligen. Es ist damit zu rechnen, dass die Finanzverwaltung bei Unternehmen, bei denen anhand des internen oder externen Vergleichs die HKU unplausibel zu sein scheinen, steuerliche Außenprüfungen durchführen wird.

Aufgabe des Steuerberaters
Dem Steuerberater kommt in diesem Zusammenhang eine weitere Aufgabe zu. Er kann bzw. muss ggf. sogar im Rahmen der Erstellung des Jahresabschlusses selbst die Plausibilität der „neuen“ HKU anhand der Vorjahre darlegen. Bei Abweichungen bzw. Schwankungen kann u. U. durch eine entsprechende Erläuterung im Bericht die Ansetzung einer steuerlichen Außenprüfung vermieden werden.

Schlagworte zum Thema:  Steuerberater, Einkommensteuer, Herstellungskosten, Finanzverwaltung, E-Bilanz

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