25.03.2014 | Top-Thema Herstellungskosten: EStÄR 2012

Relevante Kosten und Angemessenheit

Kapitel
Bild: Haufe Online Redaktion

Da der Kritikpunkt der mangelhaften Definition angemessener Kosten von sehr großer Relevanz ist, werden wir im 4. Teil unseres Top-Themas ausführlich darauf eingehen.  

Das BMF lässt die Unternehmen regelrecht allein bei der Definition. Zeitaufwendige Diskussionen zwischen Betrieben, Steuerberatern und der Finanzverwaltung sind vorprogrammiert.

Welche Kosten sind „relevant“?
Im Folgenden sind beispielhaft Aufwandspositionen aufgelistet, die entsprechend der Begründung der EStÄR 2012 künftig Pflichtbestandteile darstellen.

  • Aufwand für allgemeine Verwaltung, darunter z. B. Gehälter,Raumkosten, Schulungen, Reisekosten etc. für
  • Geschäftsleitung
  • Betriebsrat
  • Rechnungswesen
  • Aufwand für allgemeine Fürsorge (z. B. Betriebskrankenkasse)
  • Aufwand für soziale Einrichtungen
  • Kantine (einschließlich Essenszuschüsse)
  • Freizeitgestaltung (z. B. Sport- und Erholungseinrichtungen)
  • Aufwand für freiwillige Sozialleistungen
  • Jubiläumsgeschenke
  • Weihnachts-, Urlaubszuwendungen
  • Erfolgsbeteiligungen für Arbeitnehmer
  • Sondergratifikationen
  • Aufwand für betriebliche Altersvorsorge:
  • Beiträge an Direktversicherungen und Pensionsfonds
  • Zuwendungen an Pensions- und Unterstützungskassen
  • Zuführungen zu Pensionsrückstellungen
  • Zahlung vermögenswirksamer Leistungen

Problematische Abgrenzung der allgemeinen Verwaltung
Diese beispielhafte und bei Weitem nicht abschließende Auflistung entstammt der EStÄR 2012. Allerdings eröffnet die Aufzählung mehr Fragen, als sie beantwortet. Vor allem im erstgenannten Block der Kosten für allgemeine Verwaltung wären genauere Angaben seitens des BMF hilfreich.

  • Welche Kosten fallen in diesen Bereich?
  • Gehälter, Raumkosten, Abschreibungen auf Verwaltungsgebäude und BGA, Firmenwagen und Reisekosten der Geschäftsleitung etc.?
  • Warum sollen die Herstellungskosten in den Jahren mit einer Betriebsratswahl steigen?
  • Was ist mit Kosten im Zusammenhang mit der Anfechtung einer Betriebsratswahl?

Auch die Kosten der Buchführung sind mit einzubeziehen. Gilt dies auch für die Kosten der Steuerberatung, der nunmehr rückstellbaren Kosten für zukünftigen Betriebsprüfungen oder verbindliche Auskünfte?

Betriebswirtschaftlich macht eine derartige umfassende Einbeziehung in die zu aktivierenden Kosten keinen Sinn. Was das BMF mit „allgemeiner Fürsorge“ meint, bleibt ebenfalls weitestgehend unbeantwortet. Aufwendungen für Betriebskrankenkassen werden genannt. Doch was ist darüber hinaus aktivierungspflichtig?

  • Möglicherweise Personalkosten von Gleichstellungsbeauftragten?
  • Kosten im Zusammenhang mit dem Arbeitsschutz?
  • Müssen die Kosten überhaupt direkt mit dem Betrieb verbunden sein?

Verneint man diese Frage, ist auch das Einbeziehen von Spendengeldern denkbar, auch wenn diese Kosten in der Praxis mit Sicherheit nur einen geringen Teil der Gesamtkosten ausmachen.

Achtung: Mit zunehmender Unternehmensgröße steigt wahrscheinlich gleichermaßen die Anzahl der diskussionswürdigen Positionen.

Welcher Kostenanteil ist angemessen?
Die Diskussionen über die vier großen Kostenblöcke kann man problemlos über viele Seiten erstrecken, ohne überhaupt auf das Problem der Angemessenheit einzugehen. Neben der Frage nach der Art der Kostenpositionen muss aber diese wichtige Frage nach dem angemessenen Anteil, also der Höhe der Kosten, gestellt werden. Auch wenn sich die Unternehmensleitung intern bzw. mit Steuerberatern auf Art und Umfang der Posten geeinigt hat, bedeutet dies nicht, dass die Finanzverwaltungen damit einverstanden sind. Selbst eine ausführliche Kostenstellenrechnung reicht oft nicht aus, um die Angemessenheit schnell zu bestimmen. Gibt es beispielsweise eine eigene Kostenstelle für die Geschäftsleitung, sind längst nicht alle zugeordneten Kosten aktivierungsfähig. Man denke dabei an vertriebsbezogene Tätigkeiten. Sowohl nach HGB als auch nach EStG unterliegen Vertriebskosten bekanntermaßen einem Aktivierungsverbot.

Achtung: Vor dem Hintergrund, dass es unklar ist, welche Kosten einzubeziehen sind und wie die einzubeziehenden Kosten ermittelt werden können, läuft bei einer entsprechenden weiten Auslegung die Übergangsvorschrift ins Leere, weil gerade kein Unternehmer die Kosten verifizieren kann.

Wenn nämlich der steuerliche Außenprüfer den zusätzlich einzubeziehenden Kostenanteil im Rahmen seiner Feststellungen schätzt, weil er aus den ihm (meist elektronisch) vorliegenden Daten tatsächlich die Kosten nicht ermitteln kann, liefert er selbst die Begründung dafür, dass die HKU (zumindest bis zur Neufassung der Richtlinien) nicht anzuwenden sind, da die Kosten eben nicht verifiziert werden konnten. Eine derartige Diskussion dürfte spannend werden.

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