25.03.2014 | Top-Thema Herstellungskosten: EStÄR 2012

Kritik an der EStÄR 2012

Kapitel
Bild: Haufe Online Redaktion

Im 2. Teil gehen wir auf die Hauptkritikpunkte und den momentanen Stand der Herstellungskostenuntergrenze ein.

Neben Wirtschaft und Verbänden äußerten sich auch Verwaltungsorgane kritisch gegenüber dem Entwurf der EStÄR 2012 des BMF. Die Hauptkritikpunkte lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Unzureichende Beschreibung der relevanten Kosten und fehlende Definition der Angemessenheit
  • Erhöhter bürokratischer Aufwand für Unternehmen und Finanzverwaltungen
  • Steuerliche Mehrbelastung für viele Unternehmen

So fordert der Deutsche Steuerberaterverband die Erweiterung des Herstellungskostenbegriffs abzulehnen und die steuerlichen Wahlrechte beizubehalten.

Auch der Nationale Normenkontrollrat, ein Gremium mit dem Zweck des Bürokratieabbaus, weist auf einen „Anstieg des Erfüllungsaufwandes für Wirtschaft und Verwaltung“ hin. Die Rede ist weiterhin von dem Problem fehlender Kostenrechnungssysteme in vielen kleinen und mittleren Unternehmen. Präzisere Formulierungen der R 6.3 EStÄR 2012 hinsichtlich der Bestimmung der HK sind unumgänglich.

Übergangsregelung mit Beibehaltung alter HKU
Die Kritik veranlasste das BMF erneut eine Übergangsregelung einzuführen, die es Unternehmen ermöglicht, die bisherige Kostenrechnung und Herstellungskostenermittlung beizubehalten. Demnach „wird es nicht beanstandet, wenn bis zur Verifizierung des […] Erfüllungsaufwandes, spätestens aber bis zu einer Neufassung der Einkommensteuerrichtlinien bei der Ermittlung der Herstellungskosten nach der Richtlinie R 6.3 Absatz 4 EStR 2008 verfahren wird“.

Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten bewahrt die Übergangsregelung vor zu starker monetärer und personeller Mehrbelastung. Dennoch sollten Unternehmen ihre Kostenrechnung zeitnah an die neuen Gegebenheiten anpassen. Der Erlass einer neuerlichen Übergangsvorschrift ist insbesondere deshalb beachtenswert, weil das BMF noch im Rahmen der Vorlage der EStÄR ausführt, dass „durch die geänderte Verwaltungsvorschrift […] kein Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft begründet wird.“

Achtung: Die Übergangsregelung ist jedoch ebenfalls zu kritisieren, denn spätestens ab dem Zeitpunkt der Neufassung der Einkommensteuerrichtlinien ist die neue HKU verpflichtend zu berücksichtigen. Dies gilt unabhängig davon, ob ein Unternehmer dann bereits die Möglichkeit hat, die einzubeziehenden Kosten zu ermitteln. Sollte er die Kosten nur im Schätzungswege im Rahmen der Bewertung berücksichtigen können, ist dem Unternehmer zu empfehlen, dass er diesen Umstand dem Finanzamt im Rahmen der Einreichung der Steuererklärungen offen legt. Ansonsten drohen ihm ggf. strafrechtliche Konsequenzen.

Schlagworte zum Thema:  Einkommensteuer-Änderungsrichtlinien (EStÄR), Herstellungskosten, Übergangsregelung

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