21.06.2016 | Top-Thema Fuhrpark-Leasing: Einsparpotenziale

Make or buy? Der Trend kehrt sich um!

Kapitel
Es lohnt sich sicht mit dem Thema Fuhrparkmanagement zu beschäftigen.
Bild: Haufe Online Redaktion

„Je schlanker desto besser“ war gerade im Fuhrparkmanagement in den letzten Jahren das Motto. Outsourcing wurde als Königsweg propagiert. Mittlerweile kehrt sich nach Feststellung des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik der Trend wieder um.

„Viele Unternehmen haben gemerkt, dass sie über lange Zeit erworbene Kern- und Eigenkompetenzen an Dritte abgegeben und sich in ungewollte Abhängigkeit begeben haben“, heißt es. Zudem seien Kosten oft nur vordergründig gespart worden. „Unzureichende qualitative oder auch quantitative Leistungen der Anbieter und damit verbundener erhöhter Koordinierungsaufwand zur Kompensierung der Mängel machten die Einsparungen schnell wieder zunichte.“ Es gilt also nicht ein „Entweder-oder“ (Make or buy“) als strategische Alternativen anzusehen, sondern ein Sowohl-als–auch abzuwiegen. Welche Leistungen sollten – auch zum Erhalt und Ausbau von Kompetenz – intern angesiedelt und welche – weil nicht ressourcenrelevant – hinzugekauft werden? Das gilt sowohl für die für die Fuhrparkbeschaffung als auch für die –verwaltung.

Beispiel: Liefer- und Serviceunternehmen

Ein Liefer- und Service-Unternehmen der Reinigungs- und Hygienebranche setzte für 61 LKW ein Flottenmanagement-System mit Echtzeit-Tracking zur Erfassung der beziehungsweise zur Einflussnahme auf die Parameter Fahrverhalten, Lieferdauer, Kraftstoffverbrauch, Fahr-Effizienz (Kilometer je Liter Kraftstoff), Wegstreckenlängen und Geschwindigkeit ein. Ergebnisse: Verringerung der CO2-Emissionen/Jahr um 28 %, Verringerung der Beinahe-Unfälle, Verbesserung von Auftragsdisposition sowie Antwort- und Reaktionszeiten, Einsparung Kraftstoff- und Wartungskosten 274.000 EUR bzw. 61.500 EUR, Senkung der Kfz-Versicherungsprämien um rund 62.000 Euro für die Gesamtflotte aus Lkw und Pkw. (Quelle: Lünendonk GmbH)

Beispiel: Fuhrpark der Takko Holding GmbH

Die Takko Holding GmbH ist einer der größten deutschen Textilhändler mit über 1.900 Filialen im In- und europäischen Ausland. Der aus über 300 Fahrzeugen bestehende Fuhrpark war zu einem Großteil gekauft; nur wenige Fahrzeuge waren geleast. Es stand die Neuanschaffung oder der Ersatz von insgesamt circa 100 Fahrzeuge an. Für die nationalen Fahrzeuge gab es einen Service- und Wartungsvertrag, der im Tagesgeschäft jedoch nicht vollständig ausgeschöpft wurde. Die bestehende Firmenwagenrichtlinie enthielt eher grobe Vorgaben, es war eine breite Auswahl an Marken und Modellen und eine sehr individuelle Ausstattung möglich. Erst nach Laufleistungen von zum Teil über 250.000 Kilometern bzw. Nutzungsdauern von fünf Jahren wurden die Fahrzeuge durch lokale Autohändler liquidiert. Das primäre Ziel war die Reduktion der Kosten für die Beschaffung und den Unterhalt der Firmenwagenflotte. Zudem sollten verschiedene Einkaufsszenarien gegenübergestellt und die wirtschaftlichste Lösung gefunden werden. Im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsberechnung prüfte INVERTO, eine Beratungsgesellschaft für Einkauf und  Supply Chain Management, ob Kaufen oder Leasen für Takko effizienter ist. Durch die Ausschreibung der gesamten Fahrzeugflotte und Gespräche mit den Leasingfirmen wurden die besten Dienstleister für die Leasing-Option identifiziert. Danach wurden Verhandlungen mit Fahrzeugherstellern geführt, um verbesserte Rabatte auf die Listenpreise zu erzielen. Schließlich wurden ebenfalls die Konditionen bei den Fahrzeughändlern verhandelt. Die Angebote wurden im nächsten Schritt bewertet und mit dem Status quo, dem Fahrzeugkauf, verglichen. Der Vergleich zeigte einen klaren Kostenvorteil für das Full-Service-Leasing im fünf- bis sechsstelligen Euro-Bereich. Zudem wirkte sich die Leasing-Option positiv auf das Working Capital aus, da bei diesem Szenario weniger Kapital gebunden wird. Takko entschied sich schließlich dafür, die derzeitige Flotte schrittweise zu veräußern und auf das neue Full-Service-Leasing-Modell, mit mehreren Leasingfirmen für unterschiedliche Fabrikate, umzusteigen. Ausschreibungen von Services sorgen für Effizienzsteigerung. Gleichzeitig wurden weitere Potenziale zur Kostenreduzierung und Effizienzsteigerung, insbesondere die Services im Flottenmanagement aufgedeckt. Durch die Ausschreibung der Service- und Wartungsbedarfe, wie etwa Reifenwechsel und Inspektion, wurde ein Pool von Dienstleistern definiert, über die diese Services künftig abgewickelt werden. Auf diese Weise konnten interne Ressourcen entlastet und Kostenvorteile erzielt werden.

Schlagworte zum Thema:  Fuhrpark, Controlling, Leasing, Management, Dienstwagen, Geschäftswagen

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