21.06.2016 | Top-Thema Fuhrpark-Leasing: Einsparpotenziale

"Alles aus einer Hand": Bequem, aber teuer

Kapitel
Im Bereich Fuhrpark-Leasing steckt u.a. durch Multi-Bidding erhebliches Einpsarpotenzial.
Bild: Michael Bamberger

Das Modell „Alles aus einer Hand“ ist einerseits bequem. Anderseits wird der Fuhrpark dadurch einem genauen Controlling entzogen. Und die Rahmenverträge sind enorme Kostentreiber.

Die Hälfte aller Pkw in deutschen Flotten ist laut der neuesten Erhebung des Businessdaten-Dienstes Dataforce geleast. Im Jahr 2014 waren es noch 26 Prozent, die auf Leasing mit Kilometervertrag setzen, 2015 waren es bereits 29 Prozent. Zusammen mit dem Leasing mit Restwertvertrag nutzen 51 Prozent diese Finanzierungsform. Die Unternehmen schonen damit ihre Liquidität und ihr Eigenkapital und sichern sich dadurch einen Vorteil beim Rating. Die Leasinggesellschaften promoten in zunehmendem Maße Full-Service-Verträge, die neben der Gestellung der Fahrzeuge über Kooperationen mit verschiedenen Dienstleistern auch deren komplettes Management beinhalten. Darüber wollen die Anbieter Kunden binden. Fuhrparkmanager schätzen das Modell. Sie erhalten in aller Regel eine professionelle Leistung und müssen sich selbst – pointiert ausgedrückt – „um nichts kümmern“.

„Alles aus einer Hand“ ist bequem, aber teuer

Das Modell „Alles aus einer Hand“ ist einerseits bequem. Anderseits wird der Fuhrpark dadurch einem genauen Controlling entzogen. Werner Oettel von „Die Fuhrparkberater“: „Schaut man genau hin, dann erweisen sich Full-Service-Fuhrparks, die nicht laufend kontrolliert werden, als die teuersten.“ Viele unterliegen einem Trugschluss: Die Zinsen sind im Keller, die Konditionen im harten Wettbewerb der Anbieter ausgereizt. Warum auf die Idee kommen, einen seit Jahren bewährten Partner in Frage zu stellen? Marktvergleiche belegen, dass sich sowohl in der Beschaffung als auch in der Verwaltung des Fuhrparks Ansätze für Einsparungen in erheblichem Umfang finden lassen.

Fuhrpark: Größtes Sparpotenzial im Gemeinkostenbereich

Im Fuhrpark steckt von allen Gemeinkostenbereichen das größte Sparpotenzial (19 %), noch vor der Instandhaltung (18 %) und dem Facility-Management (15 %). (Quelle: Expense Reduction Analysts)

Aufschlussreiche Marktvergleiche: LeasinGo

Das – inzwischen von einem Leasingmakler übernommene – Vergleichsportal LeasinGo hat bei 20 herstellerunabhängigen Leasinggesellschaften verdeckte Anfragen für typische Firmenfahrzeuge durchgeführt. Auf Herstellerangebote, die meist durch Quersubventionierungen verfälscht sind, war verzichtet worden. Unter angefragten Modellen waren ein Audi A6, der BMW X3, ein VW Passat, das T-Modell der Mercedes T-Klasse und ein Volvo V60. Als Laufleistung wurden einheitlich 120.000 Kilometer über vier Jahre veranschlagt. Als besonderes Modell wurde der Audi als Hybrid-Fahrzeug mit 80.000 Kilometern angefragt. Pauschale Raten für alle Wartungen sowie für Reifenservices mit je einen zusätzlichen Satz Winter- und Sommerreifen sollten die Anfrage abrunden. Im Fall des BMW X3 addierten sich die Unterschiede zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter auf 9.120 EUR – unter Einrechnung von Wartungs- und Servicepaketen sogar auf 11.712 EUR. Glänzte Gesellschaft A beim X3 noch mit dem zweitbesten Angebot, fand ihre Offerte für den Volvo sich nur auf Rang zwölf von 14 Angeboten wieder. Gesellschaft B war beim Hybrid-Audi der beste Anbieter; sie lag beim BMW aber nur auf einem Mittelplatz. Laufend angestellte Erhebungen und die Erfahrungen von Flottenexperten bestätigen die marktbreiten Preisspreizungen.

Fuhrpark-Leasing: Teure Rahmenverträge

Die Ausschreibungen von Leasing-Rahmenverträgen erfolgen in der Regel anhand von Referenzmodellen. Diese Fahrzeugmodelle kommen in der Praxis allerdings selten vor. Bei jedem Mitarbeiterwechsel bzw. Neuzugang und damit veränderten Car-Policies verändern sich die Parameter. Abweichungen bei Ausstattungen und Servicekomponenten und schließlich auch bei Kilometerleistungen und Restwerten haben gravierende Auswirkungen auf die Kalkulation der Rate.

Rahmenverträge als Kostentreiber

Rahmenverträge versprechen einem Großabnehmer zwar günstigere Konditionen. In den Konfigurationen der einzelnen Fahrzeuge stecken aber nicht zu unterschätzende Kostentreiber. Gleiches gilt für Wartungs- und Servicepakete. Leasinggeber verstehen die Dienstleistung längst nicht mehr als Verkaufsförderungsinstrument, sondern zunehmend als lukrative Gewinnquelle.

 

Schlagworte zum Thema:  Fuhrpark, Leasing, Kfz-Leasing, Controlling, Management, Dienstwagen, Geschäftswagen

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