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Mittelständlern fahren häufig auf zu kurze Sicht

Bild: Facebook, Inc.

Wie sieht der Kapitalbedarf für die nächsten drei Jahre aus? Wie beeinflussen Wechselkursschwankungen und Inflation das Geschäft? Wie sieht die optimale Verschuldungsquote aus? Mittelständler haben erstaunlich oft auf diese Fragen keine Antwort.

Die Eurokrise setzt den mittelständischen Unternehmen in Deutschland gehörig zu. In einer Studie der Commerzbank geben 72 Prozent der befragten Unternehmen an, dass die Euro-Krise ihre Planungssicherheit verringert und sich so negativ auf die eigene Geschäftstätigkeit auswirkt.

Der Spagat zwischen flexiblem Reagieren auf sich schnell wandelnde Rahmenbedingungen und einer verlässlichen Geschäfts- und Finanzplanung scheint allerdings viele Unternehmen zu überfordern. Das legt zumindest ein Blick auf das Planungsverhalten der Unternehmen nahe.

Jedes zweite Unternehmen verzichtet auf mittelfristige Finanzplanung

Nur knapp jedes zweite Unternehmen (47 Prozent) plant seinen Kapitalbedarf für drei Jahre. Das heißt, dass mehr als jedes zweite Unternehmen keine mittelfristige Finanzplanung durchführt. 88 Prozent der Befragten planen ihren Kapitalbedarf nur für das laufende Jahr.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „UnternehmerPerspektiven“ der Commerzbank. Befragt wurden Führungskräfte von 4.000 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 2,5 Millionen Euro.

Unternehmen mit einer unterdurchschnittlichen Geschäftslage sind besonders zurückhaltend was die mittelfristige Planung angeht. Gerade einmal ein Drittel plant für drei Jahre. Firmen mit einer überdurchschnittlichen Geschäftslage planen dagegen zu 49 Prozent den Kapitalbedarf für die nächsten drei Jahre.

Die Studienautoren  interpretieren das dahingehend, dass es für Unternehmen ein Erfolgsfaktor ist, unsichere Entwicklungen im Planungsprozess zu berücksichtigen, beispielsweise indem unterschiedliche Szenarien entwickelt und durchgespielt werden.

Fehlende Frühwarnsysteme

Wenn es darum geht, die Finanzierungsstruktur zu überprüfen, zeigt der Großteil der Unternehmen die Tendenz zu einem routinemäßigen Abarbeiten. 83 Prozent der Unternehmen beschränkt sich auf eine turnusmäßige Überprüfung der Finanzierungsstruktur. Ein zusätzliches Frühwarnsystem installiert hat nur gut die Hälfte der Befragten (52 Prozent).

Gerade angesichts der Risiken, die die Eurokrise birgt, ist dieses Verhalten problematisch. Es sei wichtiger denn je, dass Unternehmen sich rechtzeitig die richtigen Fragen stellten, wird Rüdiger A. Günther, CFO der Jenoptik AG, in der Untersuchung zitiert. Beispiel Wechselkurse. Hier sollten Unternehmen genau wissen, ab welchem Kurs finanzielle Risiken drohen und welche Handlungsmöglichkeiten es gibt.

Inflationsgefahren werden oft ignoriert

Das Thema Inflationsgefahren sollten Unternehmen ebenfalls nicht ausblenden.  Auch hier müssten sie eine begründete Vorstellung haben, wie viel Prozent Inflation sie sich leisten können und wie mögliche Absicherungen aussehen könnten, warnt Günther.

Blinde Flecken hat die Studie auch beim Thema optimale Verschuldungsquote zu Tage gefördert. Zwar definiert knapp zwei Drittel der Unternehmen die Höhe der optimalen Verschuldung anhand von Eigenkapitalquote und Cashflow. Doch nicht einmal jedes zweite Unternehmen, das den optimalen Verschuldungsgrad definiert, berücksichtigt die möglichen Steuervorteile als maßgebliche Größe.

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