28.10.2014 | Top-Thema Finanzanalyse: Niedriges Zinsniveau - Potenziale nutzen

Vorteil Langfristigkeit

Kapitel
Langfristige vereinbarte Kredite: Sie müssen auf Ihre Bank zugehen!
Bild: Tony Hegewald ⁄

Langfristig vereinbarte Kredite geben langfristige Sicherheit über die Kreditversorgung und die Kosten. Da für die Banken eine langfristige Zinsbindung mit einem höheren Risiko verbunden ist, sind die langfristigen Kredite in der Regel teurer als kurzfristige. Wer glaubt, dass die Niedrigzinsphase bald vorbei ist, sollte also möglichst seine kurzfristigen Kredite in langfristige umwandeln.

Gerade jetzt hat der Unternehmer gute Chancen, auch langfristige interessante Angebote zu bekommen. Die Banken haben ausreichend Mittel zur Verfügung und können sich ebenso günstig langfristig refinanzieren. Der Unterschied zwischen dem kurzfristigen Zinssatz und dem für längere Zeiträume ist in Niedrigzinsphasen vergleichbar gering. Doch wo ist der Pferdefuß?

  • Die Banken wollen für langfristige Kredite auch langfristig werthaltige Sicherheiten. Für kurze Zeiträume sind Forderungen und Lagerbestände typisch, für längere Fahrzeuge, Maschinen und Grundbucheinträge.
  • Das Unternehmen wird über die Laufzeit des Kredites an die Bank gebunden und kann nicht mehr kurzfristig auf günstige Angebote reagieren.

Wer nicht ausreichend sicher ist, ob die Zinsen wieder steigen oder nicht, kann folgende Strategie anwenden:

  1. Kurzfristige Kredite werden bei der Erneuerung mit günstigem variablem Zins und kurzer Kündigungsfrist abgeschlossen.
  2. Bei ersten Anzeichen für das Ansteigen des Zinsniveaus werden die Kredite mit variablem Zins gekündigt.
  3. Der Fremdkapitalbedarf wird dann durch Kredite mit langer Zinsbindung gedeckt.

Praxis-Tipp: Nicht benötigte Sicherheiten freigeben

Lassen Sie in langfristigen Kreditverträgen eine Klausel aufnehmen, die eine Freigabe der nicht mehr benötigten Sicherheiten vorsieht. Wenn der Kredit schneller getilgt wird als die Sicherheit an Wert verliert (z. B. Grundbucheinträge), entsteht eine Übersicherung der Bank. Freiwillig gibt die Bank diese nicht her.

Langfristsituation verbessern

Das langfristig zur Verfügung stehende Kapital (Eigen- und Fremdkapital) sollte entsprechend der goldenen Finanzierungsregel mindestens die Höhe des langfristig gebundenen Vermögens haben. Langfristiges Fremdkapital hat den Vorteil, dass es über längere Zeit sicher ist. Das wird bezahlt mit einem auch über längere Zeit gültigen Zinssatz. Variable Zinssätze sind in kleinen und mittleren Unternehmen in diesem Bereich eher selten zu finden.

Kredite, die vor einigen Jahren abgeschlossen wurden und noch einige Jahre laufen, weisen daher derzeit im Vergleich zum aktuellen Niveau hohe Zinskosten aus. Könnten die Bedingungen auf die aktuellen Zinswerte geändert werden, erspart das dem Unternehmen hohe Zinsaufwendungen. Nicht immer können die Kreditverträge während der Laufzeit geändert werden.

  • Gut verhandelte Kreditverträge ermöglichen, außerhalb einer üblichen Tilgung auch Sondertilgungen vorzunehmen. Das sollte im maximal möglichen Ausmaß wahrgenommen werden. Die dazu notwendige Liquidität kommt aus neuen, preiswerteren Krediten.
  • Die vorzeitige Rückzahlung eines Kredites ist meist mit einer Vorfälligkeitsentschädigung verbunden. Es ist zu prüfen, ob die Entschädigung im Vergleich mit den niedrigeren Kosten eines neuen Kredites vorteilhaft ist.
  • Bei einem guten Verhältnis mit der Bank kann eine Lösung erarbeitet werden, die eine Ablösung langfristiger Kredite durch neue langfristige Kredite vorsieht. Der Zinssatz kann dann ein Mischzinssatz aus altem Wert und aktuellem Niveau sein. Dieses ist dann allerdings auch langfristig gültig. Das ist der Anreiz für die Bank.

Es lohnt sich auf jeden Fall, mit der Bank zu sprechen, wenn langfristig höhere Zinsen vereinbart wurden. Die Bank kennt die Wünsche ihrer Kunden und hat oft Angebote bereit. Diese gibt sie allerdings nicht freiwillig her.

Schlagworte zum Thema:  Kredit, Risiko, Analyse, Finanzen, Zinsen, Finanz- und Liquiditätsplanung

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