20.11.2012 | Top-Thema Elektronische Steuerübermittlung mit ELSTER und ELStAM

Grenzen und Möglichkeiten von ELSTER

Jahresabschluss 2012 - Finance

Kapitel
Bild: Michael Bamberger

Trotz Einführung der elektronischen Authentifizierung ist die Finanzverwaltung vom Ziel der absolut papierlosen Steuererklärung weit entfernt. Privatpersonen können die Steuererklärung in Papierform abgeben oder per ELSTER übermitteln. Ebenso müssen häufig Original-Unterlagen eingereicht werden.

Privatpersonen dürfen wählen zwischen ELSTER und Papierform
Vom Ziel der absolut papierlosen Einkommensteuererklärung ist die Verwaltung derzeit immer noch weit entfernt. Während für Unternehmer und Arbeitgeber die elektronische Abgabe von Jahres-Steuererklärungen und Steueranmeldungen per ELSTER gesetzlich vorgeschrieben ist, kann der privaten Steuerzahler noch wählen, ob er seine Einkommensteuererklärung dem Finanzamt in Papierform oder per ELSTER zukommen lässt.

Viele Unterlagen müssen im Original und zeitnah eingereicht werden
Im „normalen“ ELSTER-Verfahren können zwar die Besteuerungsdaten elektronisch übermittelt werden, es müssen daneben aber weiterhin folgende Unterlagen im Original beim Finanzamt eingereicht werden:

  • Ein komprimierter und unterschriebener Ausdruck der elektronisch übermittelten Daten (das sog. Datenprotokoll)
  • Spendenbescheinigungen
  • Steuerabzugsbescheinigungen, z. B. über einbehaltene Zinsabschlag- oder Kapitalertragsteuern

Tipp: Reichen Sie Ihre Original-Unterlagen als Privatperson zeitnah nach, andernfalls geht der Zeitvorteil, der sich durch das ELSTER-Verfahren ergibt, verloren. Das gilt insbesondere für erwartete Steuererstattungen.

Praxis-Hinweis: Nur das unterschriebene und in Papierform beim Finanzamt eingereichte Datenprotokoll entfaltet rechtliche Wirkung, d.h. das Finanzamt gibt den Steuerbescheid erst frei, wenn diese Unterlagen vorliegen.
Tipp: ELSTER ermöglicht auch die Rückübertragung der Bescheiddaten an den Steuerpflichtigen, sofern bei der ELSTER-Datenübermittlung die entsprechende Option aktiviert wurde. Auf diese Weise können die Daten gut abgeglichen und Abweichungen des Finanzamts schnell feststellt werden.

Aufbewahrungspflicht von Belegen trotz Authentifizierung
Auch dem privaten Steuerzahler steht die Möglichkeit der elektronischen Authentifizierung zur Abgabe der Einkommensteuererklärung offen. Bei Abgabe der Einkommensteuererklärung durch elektronische Authentifizierung müssen dem Finanzamt weder das Datenprotokoll noch sonstige Unterlagen oder Belege übersandt werden. Hier rückt somit das Ziel einer papierlosen Steuererklärung doch schon in greifbare Nähe. Allerdings ist der Steuerzahler weiterhin verpflichtet, Unterlagen und Belege aufzubewahren, die Grundlage für die Angaben in der Steuererklärung sind. Die Finanzämter haben angekündigt hier stichprobenartig intensivere Überprüfungen vorzunehmen.

Steuerbescheid kommt immer noch per Post
Der Steuerbescheid ergeht bis auf weiteres immer noch in Papierform. Nur dieser formale Steuerbescheid, der per Post zugestellt wird, ist Grundlage für den Beginn der Einspruchs- und Zahlungsfrist. Eine Änderung dieser Formalie ist derzeit aus rechtlichen Gründen nicht absehbar. Es wird also noch einige Zeit dauern, bis die Finanzämter Steuerbescheide z.B. per Email zustellen.

Die Zukunft: Elektronische Steuerkontoabfrage und automatisierte Steuerveranlagung
Das ElsterOnline-Portal bietet neben den verschiedenen Formularen auch die elektronische Steuerkontoabfrage an. Jeder Steuerzahler oder sein Bevollmächtigter kann damit die Inhalte des eigenen oder des Mandanten- bzw. Firmen-Steuerkontos abfragen. Auch hier ist die elektronische Authentifizierung vorgesehen. Das Modul wird inzwischen von allen 16 Bundesländern unterstützt und bietet derzeit folgende

Informationen und Abfragemöglichkeiten:

  • Offene Steuerbeträge (Guthaben, Forderungen und fehlende (Vor)Anmeldungen)
  • Alle Ist-Buchungen ab Wertstellungstag.
  • Alle Sollstellungen zu einer bestimmten Steuerart und einem bestimmten Zeitraum.

Die Finanzverwaltung möchte diesen Service laufend ausbauen und erweitern.

Darüber hinaus hat sich die Finanzverwaltung eine rein automatisierte Bearbeitung von Steuererklärungen zum Ziel gesetzt – vom Eingang der Steuererklärung über die Verarbeitung der Besteuerungsgrundlagen bis hin zur Erstellung des Steuerbescheids. Im Idealfall müssen Finanzbeamte mittelfristig nur noch besonders auffällige Steuererklärungen bearbeiten sowie Stichproben durchführen.

Fazit: Komplizierte Steuergesetzgebung ist größtes Hindernis
Größtes Hindernis auf dem Weg zur papierlosen und automatisierten Steuerveranlagung ist allerdings die nach wie vor höchst komplizierte Steuergesetzgebung. Solange zu jeder Rechtsnorm diverse Ausnahmeregelungen und Sondervorschriften zu beachten sind, ist eine ausschließlich maschinelle Bearbeitung von Steuererklärungen nur schwer vorstellbar. Für den Fiskus und auch für den Gesetzgeber bleibt also nicht nur in technischer, sondern insbesondere auch in rechtlicher Hinsicht noch viel zu tun.

Schlagworte zum Thema:  Aufbewahrungspflicht, ELSTER, ELStAM, Finanzamt, Elektronische Steuererklärung

Aktuell

Meistgelesen