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Darlehenszinsen können auch nach Veräußerung noch abziehbar sein

Nachträglich entstandene Schuldzinsen sind abzugsfähig
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Lange Zeit wurde der Schuldzinsenabzug nach der Veräußerung einer Immobilie nicht gewährt. Nun entscheidet der Bundesfinanzhof anders.

Bereits im Jahr 2010 hatte der BFH seine Rechtsprechung zu Darlehenszinsen, die nach der Veräußerung einer wesentlichen Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft entstehen, als nachträgliche Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen anerkannt, soweit der Veräußerungserlös nicht zur Tilgung der Schulden ausgereicht hat. 

Nunmehr hat der BFH diese Grundsätze auch bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung übernommen. Somit sind Zinsen für ein Darlehen, das zur Finanzierung der Anschaffungskosten einer vermieteten Immobilie aufgenommen wurde, auch dann noch als sog. nachträgliche Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung anzusetzen, wenn das Gebäude veräußert wird. Die jedoch unter der Voraussetzung, dass der Veräußerungserlös nicht ausreicht, um die Darlehensverbindlichkeit zu tilgen. 

Diese Auffassung begründet der BFH zum einen damit, dass der Gesetzgeber bei im Privatvermögen gehaltenen Immobilien nur Wertsteigerungen oder Wertverluste bei einer Veräußerung innerhalb von 10 Jahren erfasst. Zum anderen aber auch mit der Ermittlung des Gewinns eines steuerbaren Grundstücksveräußerungsgeschäft, welches strukturell der Ermittlung des Gewinns aus der Veräußerung eines Wirtschaftsguts des Betriebsvermögens gleichgestellt wird. Daher sei es gerechtfertigt, den nachträglichen Schuldzinsenabzug auf Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung auszuweiten, um damit die notwendige steuerrechtliche Gleichbehandlung von nachträglichen Schuldzinsen bei den Gewinn- und Überschusseinkünften wieder herzustellen.

BFH, Urteil v. 20. Juni 2012, Az. IX R 67/10

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