11.03.2014 | Top-Thema Crowdinvesting - neuer Weg der Unternehmensfinanzierung?

Perspektiven

Kapitel
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Zeit wird zeigen, ob die Portale nicht in einigen Jahren auch zu einem weiteren Angebot der herkömmlichen Mittelstandsfinanzierung werden. Für Anleger kann das Crowdinvesting eine spannende Alternative oder Ergänzung zur  klassischen Geldanlage bei der Bank sein.

Wobei sich die Internet-Investoren hier sicher anders verhalten wie der klassische Anleger, der bei seiner Bank nach einer attraktiven Anlagemöglichkeit sucht, bei den derzeitigen Zinssätzen ein eher schwieriges Unterfangen. Warum also nicht ein paar Euro direkt in Unternehmen investieren und miterleben, wie sich die Konzepte entwickeln? Womöglich sogar bei einem Unternehmen „gleich um die Ecke“? Warum nicht ein paar Tausender auf drei, vier junge, aufstrebende Unternehmen setzen und für 6 oder 7 Jahre anlegen, statt das Geld bei 0,5 Prozent auf dem Festgeldkonto durch die Inflation auffressen zu lassen?

Risiko des Totalverlusts für Anleger

Solange sich die Beträge in vertretbaren Größen bewegen, erscheint das Risiko begrenzt. Trotzdem muss jedem Anleger klar sein, dass im „worst case“ der Totalverlust drohen kann. Crowdinvesting ist weder Spielgeld, noch etwas für den letzten Spargroschen.

Dabei sind die Regelungen, wie man am Ende der Laufzeit wieder an sein Geld kommt, so unterschiedlich wie die Portale selbst. Feste Laufzeiten und Fälligkeiten, die Abstimmung unter den Anlegern oder Auszahlung in Raten, alles ist derzeit am Markt zu finden. So lohnt sich für den Anleger auf jeden Fall der Blick in den Beteiligungsvertrag, den die Portale - spätestens nach unverbindlicher Registrierung - zum Download anbieten. Ein weiterer Blick sollte der Anlageinteressierte auf die Unternehmensbewertung lenken. In der Regel werden Gewinnanteile und Unternehmenswertzuwachs auf Basis der Bewertung des Unternehmens berechnet. Ist ein Unternehmen zu hoch bewertet, fällt der Ertrag am Ende möglicherweise mager aus. Bei Startups ist ein Wert naturgemäß kaum realistisch zu ermitteln, hängt doch alles am Glauben an den Erfolg ab.

Begeisterung für die Idee entscheidet

Daher entscheidet oft statt der Zahlen viel mehr die Begeisterung des Investors für die Idee, für das Team über eine Investment und dessen Höhe. Zentrales Medium hierfür ist das Video auf der Portalseite, mit dem sich das Unternehmen vorstellt und um den Investor wirbt. Es ist wie bei einem Buch. Der Autor arbeitet Monate an dem Text, und doch entscheidet meist nur ein gut gestaltetes Buchcover über den Kauf. Lässt das Video erkennen, dass das Team professionell arbeitet, pfiffig ist und weiß, wovon es spricht, nicht zu dick aufträgt und sein Konzept gut erklärt, entsteht Sympathie und Vertrauen. Dann erst wird der potenzielle Investor noch einen Blick auf das auf allen Portalen angebotene Konzept und den Businessplan werfen. Eher unwahrscheinlich, dass er mit dieser Entscheidung seinen Steuerberater fragt. Hier entscheidet daher Herz und Bauch, und die Idee wird auf Facebook gleich weiterverbreitet.

Gut vorstellbar, dass Investing in der Zukunft so aussieht, die Entwicklung hat gerade erst begonnen. Crowdinvesting und auch das Crowdfunding sind neue Möglichkeiten für Unternehmen und Investoren, zusammenzufinden und aus dem starren, immer enger werdenden Korsett der Bankfinanzierung auszubrechen.

Schlagworte zum Thema:  Crowdinvesting, Unternehmen, Finanzierung

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