Corona: Finanzhilfe für Unternehmen – Sicherung der Liquidität

Das Coronavirus stellt viele Unternehmen vor immer größere Herausforderungen. Die Bundesregierung stützt mit Sofortmaßnahmen die Unternehmen. Dies reicht von flexiblem Kurzarbeitergeld über Liquiditätshilfen durch Steuerstundungen bis hin zu Überbrückungskrediten und Schnellkrediten. Zusätzlich ist ein 2-Mrd.-EUR-Maßnahmenpaket für Start-up Unternehmen vom Bundesfinanzministerium auf den Weg gebracht worden.

Sicherung der Liquidität der Unternehmen: Kurzarbeitergeld, steuerliche Maßnahmen, Kreditprogramme und Zuschüsse

COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) bedroht durch den dramatischen Umsatzeinbruch die Liquidität und damit auch die Existenz vieler Unternehmen in Deutschland. Dem versucht die Bundesregierung mit einem milliardenschweren Schutzschirm massiv entgegenzuwirken. Unternehmen sollen so mit ausreichender Liquidität ausgestattet werden, damit sie erfolgreich durch die Krise kommen. Die Bundesregierung hat u.a. erleichterte Zugangsvoraussetzungen für das Kurzarbeitergeld zugesichert, d.h. es müssen z. B. nur noch 10 % anstatt wie bisher 33 % der Beschäftigten im Betrieb vom Arbeitsausfall betroffen sein.

Des Weiteren will die Bundesregierung die Liquidität von Unternehmen durch steuerliche Maßnahmen verbessern. Zu diesem Zweck erleichtern u.a. die Finanzämter die Stundung von Steuerzahlungen und reduzieren die Steuervorauszahlungen. Im Zusammenhang mit der Corona-Krise wird auch auf Vollstreckungen und Säumniszuschläge verzichtet.

Corona: Neue, im Volumen unbegrenzte Maßnahmen zur Liquiditätssicherung

Hinzu kommt, dass die Liquidität von Unternehmen durch neue, im Volumen unbegrenzte Maßnahmen gesichert werden soll. Dazu wurden u.a. die bestehenden Programme für Liquiditätshilfen, wie die KfW- und ERP-Kredite, ausgeweitet und für weitere Unternehmen verfügbar gemacht sowie ein neuer sog. Schnellkredit eingeführt.

Der Ablauf der Beantragung dieser aufgrund der Corona-Krise modifizierten KfW-Kreditangebote bleibt gleich: Beantragt werden müssen auch diese Kredite bei der Hausbank des Unternehmens, die nach einer Bonitätsprüfung den KfW-Kredit an die Unternehmen durchleitet. Die Zinsen für diese Kredite bei der staatlichen Förderbank KfW betragen für die meisten Kreditangebote ca. 1 bis 2 %.

Ausweitung der Liquiditätshilfen und Bürgschaften: So wird geholfen

Die KfW weitet also ihre Liquiditätshilfen aus, um den Zugang der Unternehmen zu günstigen Krediten zu erleichtern. Ziel der Förderung ist es, eine massive Insolvenzwelle durch die durch Covid-19 verursachten Umsatzeinbrüche zu verhindern. Besonders von der Epidemie betroffene Unternehmen sollen solvent bleiben und dadurch sollen Arbeitsplätze gesichert werden. Hierzu wurden bestehende Programme bei der KfW und den Bürgschaftsbanken sowie des Großbürgschaftsprogramms des Bundes ausgeweitet. Helfen soll eine erhöhte Risikoübernahme bei bestehenden Programmen  (bis zu 80 % für Betriebsmittel) und der erleichterte Zugang zu „Expressbürgschaften“ durch Banken. So kann über kleinere Bürgschaften bei Unternehmen, die die Kapitaldienstfähigkeit vor Ausbruch der Krise im Gesamtjahr 2019 nachweisen können, innerhalb weniger Tage entschieden werden.

Anträge auf Covid-19-Hilfen können Unternehmen aller Größenklassen sowie Selbstständige und freiberuflich Tätige stellen. Die Kreditprogramme der KfW unterscheiden bei vielen Kreditlinien zwischen Unternehmen, die länger als fünf Jahre am Markt sind, und solchen Unternehmen, die „jünger“ sind.

Übersicht der zur Abmilderung der Covid-19-Auswirkungen erweiterten KfW-Programme

Es gibt 4 Programme, die zur Sicherung der Liquidität seitens der KfW erweitert wurden. Oberstes Kriterium für die Kategorisierung ist, wie lange ein Unternehmen schon am Markt ist:

KfW-Schnellkredit 2020

Der KfW-Schnellkredit 2020 kann für Anschaffungen (Investitionen) und laufende Kosten (Betriebsmittel) beantragt werden. Der KfW-Schnellkredit wird durch eine Garantie des Bundes zu 100 % abgesichert und es erfolgt keine Kreditprüfung. Dies erhöht für Unternehmen die Chance, eine Kreditzusage zu erhalten, allerdings liegt für diesen KfW-Schnellkredit der Zinssatz mit 3 % höher als bei den anderen in diesem Beitrag folgenden KfW-Krediten.

Kreditanträge für den KfW-Schnellkredit werden über die Hausbank gestellt. Voraussetzung für diesen Schnellkredit ist, dass das Unternehmen mehr als 10 Mitarbeiter hat und mindestens seit Anfang 2019 auf dem Markt ist. Entscheidend für die Beantragung ist, dass das Unternehmen im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019 einen Gewinn erzielt haben muss (bzw. ggf. im kürzeren Zeitraum, wenn das Unternehmen noch nicht seit 2017 am Markt ist). Wichtig ist auch, dass das antragstellende Unternehmen zum 31.12.2019, also vor Beginn der Corona-Krise, in keinen finanziellen Schwierigkeiten gewesen sein darf.

Der maximale Kreditbetrag beträgt bis zu 25 % des Jahresumsatzes im Jahr 2019. Dabei gilt für Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten die Kreditobergrenze in Höhe von 500.000 EUR, und bei Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten von 800.000 EUR. Die Unternehmen haben bis zu 10 Jahre Zeit für die Rückzahlung, 2 Jahre sind tilgungsfrei.

KfW-Kredit für Unternehmen, die länger als 5 Jahre am Markt sind: Unternehmerkredit

Der Unternehmerkredit ist für Unternehmen gedacht, die länger als fünf Jahre am Markt sind. Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 2 Mrd. EUR anstatt bislang nur 500 Mio. EUR können einen entsprechenden Kreditantrag stellen. Die KfW wird nun bis zu 80 % der Kreditrisiken für die Kreditinstitute übernehmen. Die weiteren 20 % Risiko liegen bei der Hausbank des Unternehmens. Die Höchstgrenze dieser Kredite, die für die Aufrechterhaltung des jeweiligen Unternehmens notwendig sind, liegt bei 200 Mio. EUR.

KfW-Kredit für junge Unternehmen, die weniger als 5 Jahre am Markt sind: ERP-Gründerkredit–Universell

Der ERP-Gründerkredit–Universell ist für Unternehmen gedacht, die weniger als fünf Jahre am Markt sind. Die KfW übernimmt bis zu 80 % der Risiken der Hausbank. Das gilt für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von höchstens 2 Mrd. EUR (bislang maximal 500 Mio. EUR).

KfW-Sonderprogramm - Konsortialfinanzierungen ab 25 Mio. EUR

Die KfW beteiligt sich an Konsortial­finanzierungen für Investitionen und Betriebsmittel von mittelständischen und großen Unternehmen. Hierbei übernimmt die KfW bis zu 80 % des Risikos, jedoch maximal 50 % der Gesamtverschuldung.

Der KfW-Risikoanteil beträgt mindestens 25 Mio. EUR und ist begrenzt auf 25 % des Jahresumsatzes 2019 oder das doppelte der Lohnkosten von 2019 oder den aktuellen Finanzierungsbedarf für die nächsten 12 Monate. Optional können alle am Konsortium teilnehmenden Banken von der KfW refinanziert werden.

Sonderprogramm für Unternehmen, Selbstständige und Kleinunternehmer der Länder

Das Sonderprogramm gilt für Selbstständige, freiberuflich Tätige und Kleinunternehmen, mit dem Ziel diese Unternehmen schnellstmöglich mit Liquidität auszustatten. Die massive Einschränkung der Reisen und der Mobilität sowie die reihenweise Absage von Terminen und Veranstaltungen wirkt sich auf viele Branchen aus. So liegen beispielsweise bei Touristikunternehmen, Hotels und Restaurants die Umsätze derzeit oft bei null. Und auch die bis zu 5 Millionen Selbstständigen und freiberuflich Tätigen, wie z. B. Künstler, Fotografen, Therapeuten sowie Einzelhändler und Dienstleister aller Art usw., die keine Angestellte haben, die sog. Solo-Selbstständigen, haben während des Shutdowns Schulden angesammelt und fürchten – auch wenn sie jetzt wieder öffnen dürfen – um ihre Existenz. Sie erhalten laut Bundesregierung zeitlich befristet Unterstützung, um Betriebsausgaben zu decken. Darin liegt aber ein Problem. Denn Solo-Selbstständige und Freiberufler arbeiten häufig in ihrer Wohnung und die private Wohnungsmiete zählt natürlich nicht zu den Betriebsausgaben. Hier versuchen einzelne Bundesländer zu helfen (u.a. Baden-Württemberg und Hamburg). Eine bundesweite Lösung ist derzeit noch nicht in Sicht. Details finden sich auf der Seite des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

<aktualisiert> 2 Mrd. EUR Maßnahmenpaket für Start-ups

Bei diesem Maßnahmenpaket für Start-ups müssen Investoren und Gründer dazu bereit sein, die Risiken im Verhältnis eins zu eins mitzutragen. Mit dieser Regelung versucht das Bundesfinanzministerium Missbrauch vorzubeugen, in dem es ein entsprechend hohes finanzielles Engagement von Investoren und Gründern verlangt. 

Das Maßnahmenpaket für Start-ups wird auf zwei Säulen basieren.

  • Säule 1 wurde für Start-ups entwickelt, die bereits durch private VC-Fonds finanziert sind bzw. neu durch private VC-Fonds finanziert werden sollen. Über die sog. „Corona-Matching-Fazilität“ sollen Wagniskapitalfonds zusätzliche öffentliche Mittel zur Verfügung gestellt werden, damit diese weiterhin in der Lage sind, Finanzierungsrunden von Start-ups mit ausreichenden Mitteln zu begleiten.
  • Säule 2 soll Start-ups zugutekommen, die bislang ohne Risikokapital ausgekommen sind. Also an Unternehmensgründer ausgereicht werden, die sich bisher selbst finanziert haben. Über die Förderbanken der Bundesländer sollen für sie Wagniskapital und Zuschüsse bereitgestellt werden.

Weitere Details folgen an dieser Stelle, sobald die für die Beantragung erforderlichen Informationen bekannt gegeben wurden. 

Bundesfinanzministerium Corona

Weitere Kreditprogramme der Banken

Darüber hinaus haben z. B. auch bereits regional tätige Banken und Sparkassen für Unternehmen eigene Kreditprogramme für Covid-19-betroffene Unternehmen entwickelt. Stellvertretend für andere Kreditinstitute wird im Folgenden kurz auf das Sonderkreditprogramm „Coronavirus“ der Kreissparkasse Ostalb eingegangen. Die Zielgruppe dieses Sonderkreditprogramms sind Selbstständige und Gewerbetreibende im Ostalbkreis in Baden-Württemberg. Da die negativen Auswirkungen von Covid-19 nahezu sämtliche Branchen betreffen, gibt es seitens der Kreissparkasse Ostalb keine Einschränkung auf Branchen. Die Eckdaten des Kredits sind:

  • Variante a)
    Laufzeit und Zinsbindung 5 Jahre, 1 tilgungsfreies Jahr, 10% Sondertilgung;
  • Variante b)
    Laufzeit und Zinsbindung 3 Jahre endfällig, 10% Sondertilgung p.a.

Die Betragsgrenzen sind mindestens 10.000 EUR und maximal 30 Mio EUR. Besonderheiten sind die vergünstigten jeweils tagesaktuellen Kreditkonditionen und der „schlanke“ Vergabeprozess.

Darüber hinaus bietet z. B. diese Kreissparkasse unter dem Motto „Zuhause ist einfach“ Tipps und Anregungen für #wirbleibenzuhause an. Hier können die Kunden der Kreissparkasse sich auf deren Homepage digital präsentieren, angefangen von der Rubrik Ernährung und Gesundheit über Apotheke bis hin zum kulturellen Angebot usw.

Praxis-Tipp: Bankgespräch trotz Zeitnot gut vorbereiten, damit Banken schnell helfen können

„Wichtig ist jeweils das individuelle Gespräch, Telefonat etc., damit dann genau auf die jeweilige Situation von unseren Kundenberaterinnen und Kundenberatern das passende Angebot und die optimale Unterstützung bereitgestellt werden kann“, so der designierte neue Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Ostalb, Aalen, Markus Frei.

Vorbereitung des Bankgesprächs und erforderliche Unterlagen

Eine gute Vorbereitung des Gesprächs mit der Hausbank ermöglicht eine zügige Bearbeitung des Kreditantrags. Die folgenden Unterlagen sind dabei i.d.R. erforderlich:

  • Konkrete kurze schriftliche Beschreibung der Auswirkungen von Covid-19 auf das jeweilige Unternehmen;
  • Jahresabschlüsse bzw. Einnahmen-Überschussrechnungen der Jahre 2017, 2018 und 2019 (bzw. falls diese noch nicht vorliegen) die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) 2019 (inklusive Summen- und Saldenliste);
  • Errechnung des Kreditbedarfs anhand einer Maßnahmen- und Liquiditätsplanung für die nächsten 12 Monate;
  • Selbstauskunft und
  • Vorschlag für den Eigenbeitrag des Unternehmers.

Im Einzelfall können natürlich weitere Unterlagen und Informationen erforderlich sein.

Seminaraufzeichnung zum Thema:

Video: Soforthilfen und Fördermittel: So können Sie die Corona-Krise überstehen und danach durchstarten

Neben den Corona-Soforthilfen bietet die deutsche Förderlandschaft umfangreiche Möglichkeiten, um möglichst unbeschadet durch die Krise zu kommen. Dabei können auch Förderprogramme helfen, die dafür nicht direkt ins Auge springen. Der Zusatznutzen: Wer jetzt weitsichtig Innovation und Investition plant, kann nach der Krise effektiver den Neustart angehen.

Stand: 05.05.2020

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Schlagworte zum Thema:  Coronavirus, Liquidität