13.10.2016 | Bankenfusion

Bankenfusion - Wie Ihr Kredit betroffen sein kann

Bankenfusionen haben mitunter negative Auswirkungen auf laufende Kredite.
Bild: Tony Hegewald ⁄

Die Fusionen unter Sparkassen und Genossenschaftsbanken nehmen weiter zu. Das kann auch Ihre Hausbank und damit Ihre Kredite betreffen – und zwar negativ. Was Sie jetzt tun können und sollten.

Praxistipp: So minimieren Sie das Risiko bei einer Bankenfusion

  • Die eigene Finanzierung überprüfen – wie abhängig ist mein Unternehmen von seiner (einen?) Hausbank?
  • Welche anderen Finanzierungsdienstleister nutzt das Unternehmen schon?
  • Eine zweite Hausbankverbindung aufbauen – wenn noch nicht vorhanden
  • Finanzierungs-Mix erweitern
  • Welche Sicherheiten sind für welche Kredite gegeben?
  • Wie soll die zukünftige Sicherheitenstrategie aussehen?

Fusionen nehmen zu

„Die niedrigen Zinsen fressen sich wie ein schleichendes Gift in die Bankbilanzen hinein“, sagt Felix Hufeld, Präsident der Finanzaufsichtsbehörde Bafin (Handelsblatt vom 04.10.2016). Das heißt, den Instituten brechen die Erträge weg, gleichzeitig steigen die Kosten der Bankenregulierung. „Man wird um schmerzhafte Einschnitte nicht herumkommen“ fügt Hufeld hinzu.

Zu solchen „schmerzhaften Einschnitten“ zählen Fusionen. Derzeit vor allem unter Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken. So sank die Zahl der Sparkassen 2015 durch Fusionen zwar nur um 3 auf noch 413, die der Kreditgenossenschaften aber immerhin um 25 auf noch 1.025 (Monatsbericht der Deutschen Bundesbank September 2016, S. 73). Und für dieses Jahr wird im Genossenschaftsbereich bereits über 50 weitere Fusionen diskutiert, bei den Sparkassen geht man ebenfalls von einer deutlich steigenden Zahl von Fusionen aus. Die Meldungen über die Gespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank werfen ebenfalls ein Schlaglicht auf diese Situation. Diese wurden zwar nicht weiter geführt – aber dass sie überhaupt stattgefunden haben.

Bankenfusion und Ihre Kredite

Wenn Ihre Hausbank von einer Fusion betroffen wäre, welche Konsequenzen könnte das für Ihr Unternehmen und Ihre Kredite haben? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Aber Sie sollten diese Frage Ihrer Hausbank stellen, wenn Sie von Fusionsabsichten hören oder lesen. Denn besonders zwei Veränderungen sind möglich und sogar sehr wahrscheinlich:

  • Sie erhalten eine/n neue/n Bank-Betreuer/in
  • Ihre Hausbank ändert Ihre Kreditpolitik – eher in Richtung vorsichtiger? Dafür auch wichtig die Frage: Was sind die Gründe für die Fusion? Kommen da zwei „schwache“ Banken zusammen, ist es für eines der Institute gar eine „Notfusion“, weil diese Bank alleine nicht mehr lebensfähig wäre?

Nochmals bedeutsamer wird das Thema für Ihr Unternehmen, wenn Sie mit beiden fusionierenden Instituten in Geschäftsbeziehung stehen. Denn dann werden aus zwei Bankverbindungen plötzlich nur noch eine und Sie verlieren Ihr zweites Standbein im Rahmen Ihrer Finanzierungsstrategie. Stellen Sie die gleichen Fragen wie oben dargestellt ergänzt um diese Fragen:

  • Wie beurteilt die neue Bank das jetzt deutlich größere Kreditengagement ? (Addition der Kreditsummen) und
  • Wie führen sie es weiter?
  • Welche Kreditzuwächse halten sie noch für möglich?

Wie kreditaktiv können Ihre Banken sein?

Nebenbei: Wissen Sie, wie „kreditaktiv“ Ihre Hausbank bzw. Ihre Hausbanken sind und künftig sein können? Das ist die Frage nach der Ertragsstärke – vor dem Hintergrund des Zitats von Herrn Hufeld – und nach der Eigenkapitalstärke. Denn nur ertrags- und eigenkapitalstarke Banken können auch Kreditrisiken eingehen. Sie sollten also mit möglichst starken Banken in Geschäftsbeziehung stehen oder treten.

Auf Ihre Finanzierungsstrategie kommt es an

Apropos treten: Vor dem geschilderten Hintergrund sollte die Finanzierungsstrategie für Ihr Unternehmen drei Grundsätzen folgen:

Grundsatz 1: Zwei kreditgebende Banken

Arbeiten Sie mit zwei kreditgebenden Hausbankverbindungen zusammen. Wenn das noch nicht der Fall sein sollte, dann gehen Sie das Thema jetzt an. Derzeit ist das Finanzierungsumfeld noch relativ gut. Es wird aber schlechter werden. Denn das schleichende Gift der niedrigen Zinsen nimmt den Instituten ihre Risikokraft.

Grundsatz 2: Leasing, Factoring, Kapitalbeteiligungen etc.

Nutzen Sie auch die Angebote anderer Finanzdienstleister wie Leasing, Factoring, Kapitalbeteiligungen bis zu Internetportalen, um sich von Ihren Kreditinstituten unabhängiger zu machen.

Grundsatz 3: Sicherheiten

Vergessen Sie dabei nicht die Sicherheiten. Zur Finanzierungsstrategie gehört auch eine klare Sicherheitenstrategie.

Schlagworte zum Thema:  Fusion, Sparkasse, Bank, Bankgespräch

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