Bankenfusion - Wie Ihr Kredit betroffen sein kann

Die Fusionen unter Sparkassen und Genossenschaftsbanken nehmen weiter zu. Das kann auch Ihre Hausbank und damit Ihre Kredite betreffen – und zwar negativ. Was Sie jetzt tun können und sollten.

Praxistipp: So minimieren Sie das Risiko bei einer Bankenfusion

  • Die eigene Finanzierung überprüfen – wie abhängig ist mein Unternehmen von seiner (einen?) Hausbank?
  • Welche anderen Finanzierungsdienstleister nutzt das Unternehmen schon?
  • Eine zweite Hausbankverbindung aufbauen – wenn noch nicht vorhanden
  • Finanzierungs-Mix erweitern
  • Welche Sicherheiten sind für welche Kredite gegeben?
  • Wie soll die zukünftige Sicherheitenstrategie aussehen?

Fusionen nehmen zu

Der Chef der Finanzaufsicht BaFin, Felix Hufeld, wird in einem Interview im Handelsblatt vom 17.3.2020 gefragt: "Wird die Zahl der Banken in Deutschland angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen weiter sinken?" Seine Antwort ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: "Ja. Ich erwarte, dass es in den kommenden Jahren mehr Konsolidierung und mehr Marktaustritte geben wird."

Was heißt das konkret? Konsolidierung bedeutet Fusionen. Ganz aktuell die Integration der Postbank in die Deutsche Bank - damit verschwindet eine Bank schlicht und einfach. Dass die "Postbank" als Marke weitergeführt wird, spielt banktechnisch keine Rolle. 

Um es mit Blick auf Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Zahlen zu fassen: Gab es 2015 noch 413 Sparkassen, so waren es Ende 2018 nur noch 386 (Bundesbankberichte). Bei den Genossenschaftsbanken ging es in diesem Zeitraum sogar von 1.025 auf 878 zurück. Und dieser Prozess setzt sich weiter fort. 

Und was ist mit "Marktaustritt" gemeint? Eigentlich geht es schlicht um die Aufgabe des Geschäfts einer Bank oder auch um eine Insolvenz; nur dass diese meist nicht öffentlich wird, sondern werden solche Institute zumindest im Verbund der Sparkassen und Genossenschaftsbanken fusioniert, bevor es ganz zu Ende geht. Dass der Chef der Bankenaufsicht allerdings diesen Begriff benennt, spricht Bände. 

Bankenfusion und Ihre Kredite

Wenn Ihre Hausbank von einer Fusion betroffen wäre, welche Konsequenzen könnte das für Ihr Unternehmen und Ihre Kredite haben? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Aber Sie sollten diese Frage Ihrer Hausbank stellen, wenn Sie von Fusionsabsichten hören oder lesen. Denn besonders zwei Veränderungen sind möglich und sogar sehr wahrscheinlich:

  • Sie erhalten eine/n neue/n Bank-Betreuer/in
  • Ihre Hausbank ändert Ihre Kreditpolitik – eher in Richtung vorsichtiger? Dafür auch wichtig die Frage: Was sind die Gründe für die Fusion? Kommen da zwei „schwache“ Banken zusammen, ist es für eines der Institute gar eine „Notfusion“, weil diese Bank alleine nicht mehr lebensfähig wäre?

Nochmals bedeutsamer wird das Thema für Ihr Unternehmen, wenn Sie mit beiden fusionierenden Instituten in Geschäftsbeziehung stehen. Denn dann werden aus zwei Bankverbindungen plötzlich nur noch eine und Sie verlieren Ihr zweites Standbein im Rahmen Ihrer Finanzierungsstrategie. Stellen Sie die gleichen Fragen wie oben dargestellt ergänzt um diese Fragen:

  • Wie beurteilt die neue Bank das jetzt deutlich größere Kreditengagement? (Addition der Kreditsummen)
  • Wie wird sie es weiter führen?
  • Welche weiteren zusätzlichen Kredite werden aus Sicht der neuen Bank künftig noch möglich sein (Banken müssen Kreditobergrenzen für einzelne Kunden beachten)?

Wie kreditaktiv können Ihre Banken sein?

Nebenbei: Wissen Sie, wie „kreditaktiv“ Ihre Hausbank bzw. Ihre Hausbanken sind und künftig sein können? Das ist die Frage nach der Ertragsstärke und nach der Eigenkapitalstärke (siehe die schwierigen Rahmenbedingungen in der Interviewfrage). Denn nur dauerhafte ertrags- und eigenkapitalstarke Banken können auch Kreditrisiken eingehen. Sie sollten also mit möglichst starken Banken in Geschäftsbeziehung stehen oder treten.

Auf Ihre Finanzierungsstrategie kommt es an

Apropos treten: Vor dem geschilderten Hintergrund sollte die Finanzierungsstrategie für Ihr Unternehmen drei Grundsätzen folgen:

Grundsatz 1: Zwei kreditgebende Banken

Arbeiten Sie mit zwei etwa gleich starken kreditgebenden Hausbankverbindungen zusammen. Wenn das noch nicht der Fall sein sollte, dann gehen Sie das Thema an. Voraussetzung ist eine Bestandsaufnahme Ihrer Finanzierungsbausteine und der gegebenen Sicherheiten. Ebenso wichtig ist die Einschätzung Ihrer eigenen Verhandlungsstärke: Rating, Kapitaldienstfähigkeit und Blankoanteil Ihrer Kredite. Darauf aufbauend gestalten Sie einen Schritt-für-Schritt-Prozess, denn es gilt Vertrauen aufzubauen zum neuen Bankpartner. Schieben Sie das Thema nicht auf die lange Bank. Das Finanzierungsumfeld wird eher schlechter werden. Denn das schleichende Gift der niedrigen Zinsen nimmt den Instituten die Risikokraft.

Grundsatz 2: Leasing, Factoring, Kapitalbeteiligungen etc.

Nutzen Sie auch die Angebote anderer Finanzdienstleister wie Leasing, Factoring, Kapitalbeteiligungen bis zu Internetportalen, um sich von Ihren Kreditinstituten unabhängiger zu machen.

Grundsatz 3: Sicherheiten

Vergessen Sie dabei nicht die Sicherheiten. Zur Finanzierungsstrategie gehört auch eine klare Sicherheitenstrategie.


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Schlagworte zum Thema:  Kredit, Rating, Finanzierung