09.02.2016 | Top-Thema Arbeitszimmer: Steuerabzug auch bei privater Nutzung?

Liegt kein fester Arbeitsplatz vor, gilt die Höchstgrenze von 1.250 EUR

Kapitel
Jeder Arbeitsplatz, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet ist, schließt einen Abzug der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer aus.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Höchstgrenze für den Betriebsausgabenabzug bzw. Werbungskostenabzug gilt dann, wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Es steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung

Steht für eine Tätigkeit bzw. für einen Teil einer Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung und ist das häusliche Arbeitszimmer nicht der Mittelpunkt der gesamten Tätigkeit, können die Aufwendungen bis zur Höchstgrenze von 1.250 EUR im Jahr abgezogen werden.

Ein anderer Arbeitsplatz, der einen Abzug der Aufwendungen ausschließt, ist grundsätzlich jeder Arbeitsplatz, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet ist. Es gibt keine besonderen Anforderungen daran, wie der Arbeitsplatz beschaffen sein muss. Die konkreten Arbeitsbedingungen können sogar eingeschränkt sein, z. B. durch Lärmbelästigung oder Publikumsverkehr. Der eigene Arbeitsbereich muss weder räumlich abgeschlossen noch individuell zugeordnet sein, sodass auch ein Arbeitsplatz in einem Großraumbüro oder in der Schalterhalle einer Bank ein anderer Arbeitsplatz sein kann.

Allerdings steht ein anderer Arbeitsplatz nur dann zur Verfügung, wenn er auch tatsächlich für büromäßige Arbeiten genutzt werden kann. Der andere Arbeitsplatz muss also so beschaffen sein, dass ein häusliches Arbeitszimmer nicht unbedingt erforderlich ist (BFH, Urteil v. 7.8.2003, VI R 17/01).

Praxis-Beispiel: Unternehmensberater mit Büroarbeitsplatz und häuslichem Arbeitszimmer

Ein selbstständig tätiger Unternehmensberater übt seine Tätigkeit in einem außerhäuslichen Büro aus, das er jederzeit nutzen kann. Daneben nutzt er ein häusliches Arbeitszimmer, um zusätzlich am Abend oder am Wochenende arbeiten zu können. Da ihm ein anderer Arbeitsplatz für Büroarbeiten in seinem außerhäuslichen Büro zur Verfügung steht, darf er die Kosten für sein Arbeitszimmer nicht als Betriebsausgaben abziehen.

Praxis-Beispiel: Handwerker ohne Büro bei der Werkstatt

Ein Handwerker betreibt sein Lager und seine Werkstatt räumlich von der Wohnung getrennt. Die Räumlichkeiten sind zur Erledigung von büromäßigen Arbeiten ungeeignet. Die büromäßigen Arbeiten werden deshalb vom Handwerker oder seiner Ehefrau im häuslichen Arbeitszimmer erledigt. Konsequenz ist, dass für büromäßige Arbeiten kein anderer Arbeitsplatz als das häusliche Arbeitszimmer zur Verfügung steht. Der Handwerker darf die Kosten für das Arbeitszimmer bis zu 1.250 EUR im Jahr als Betriebsausgaben abziehen.

Praxis-Beispiel: Arbeitnehmer mit Nebentätigkeit

Ein Arbeitnehmer übt eine selbstständige Nebentätigkeit aus. Die nebenberufliche Tätigkeit übt er ausschließlich im häuslichen Arbeitszimmer aus, weil er die selbstständige Nebentätigkeit nicht im Betrieb seines Arbeitgebers ausüben darf. Für die nebenberuflich ausgeübte selbstständige Tätigkeit steht ihm somit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, so dass er Aufwendungen bis zu 1.250 EUR im Jahr als Betriebsausgaben abziehen darf.

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Schlagworte zum Thema:  Häusliches Arbeitszimmer, Betriebsausgabenabzug, Privatnutzung, Steuerabzug, Arbeitszimmer, Außerhäusliches Arbeitszimmer

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