09.02.2016 | Top-Thema Arbeitszimmer: Steuerabzug auch bei privater Nutzung?

Keine Einschränkung bei anderen betrieblichen oder beruflichen genutzten Räumen

Kapitel
Bei einer anderen betrieblichen oder beruflichen Nutzung als ein häusliches Arbeitszimmer, gilt der uneingeschränkte Betriebsausgabenabzug.
Bild: Corbis

Werden die Räume für andere betriebliche oder berufliche Zwecke genutzt als für ein Arbeitszimmer, können die Kosten zu 100 % als Betriebsausgaben gebucht werden. Kapitel 3 beleuchtet wichtige Details anhand von Praxis-Beispielen.

Nutzung zu anderen Zwecken

Der Abzug von Aufwendungen für die Nutzung betrieblicher Räume ist nur eingeschränkt, wenn es sich um ein häusliches Arbeitszimmer handelt. Die Einschränkung bzw. das Abzugsverbot spielt keine Rolle, wenn der Raum bzw. die Räume für andere berufliche bzw. betriebliche Zwecke genutzt werden. Bei einer anderen Nutzung sind die Aufwendungen uneingeschränkt als Betriebsausgaben abziehbar.

Bei Räumen, die nach ihrer Ausstattung und Funktion nicht einem Büro entsprechen, handelt es sich von vornherein nicht um ein häusliches Arbeitszimmer. Das bedeutet, dass z. B. die Aufwendungen für eine Werkstatt, für ein Tonstudio, für die Notfallpraxis eines Arztes oder für Praxisräume einer Sprachpädagogin in vollem Umfang als Betriebsausgaben abgezogen werden können. Das gilt auch dann, wenn diese Räume in die häusliche Sphäre eingebunden sind.

Wichtig! Unternehmer bzw. Freiberufler sollten immer zuerst klären, ob es sich bei dem Raum, den sie betrieblich bzw. beruflich nutzen, tatsächlich um ein häusliches Arbeitszimmer handelt. Liegt kein häusliches Arbeitszimmer vor, weil es sich z. B. um eine Werkstatt handelt, können alle Kosten uneingeschränkt abgezogen werden. Es ist außerdem nicht erforderlich, die Aufwendungen gesondert aufzuzeichnen.

Praxis-Beispiel: Tonstudie im eigenen Haus

Ein Musikproduzent nutzt den ausgebauten Souterrainraum seines Wohnhauses als Tonstudio. Die Aufwendungen, die auf diesen Teil des Hauses entfallen, betragen 4.998 EUR brutto einschließlich 798 EUR Umsatzsteuer.

Bei dem Tonstudio handelt es sich eindeutig nicht um einen Raum, der vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder verwaltungstechnischer Arbeiten dient. Der Musikproduzent kann daher die Aufwendungen, die ihm für den ausgebauten Souterrainraum entstanden sind, als Betriebsausgaben abziehen. Innerhalb der Buchführung sollten die Aufwendungen nicht auf das Konto „Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer (abziehbarer Anteil)“ verwendet werden, weil es sich bei dem Tonstudio nicht um ein häusliches Arbeitszimmer handelt.

Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit

Übt der Unternehmer oder Freiberufler seine Tätigkeit ausschließlich im häuslichen Arbeitszimmer aus, besteht kein Zweifel daran, dass das Arbeitszimmer Mittelpunkt seiner gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit ist. Übt er seine Tätigkeit sowohl im Außendienst als auch im häuslichen Arbeitszimmer aus, ist entscheidend, wo der Mittelpunkt seiner Tätigkeit liegt.

Nach den BFH-Urteilen vom 13.11.2002 (Az. VI R 82/01, VI R 104/01 und VI R 28/02) richtet sich der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit ausschließlich nach dem qualitativen Schwerpunkt einer Tätigkeit. Das bedeutet, dass bei einer Person, die im Außendienst tätig ist und über keinen anderen Arbeitsplatz verfügt, das häusliche Arbeitszimmer nicht automatisch als Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit anzusehen ist. Auf den Gesichtspunkt, dass im häuslichen Arbeitszimmer die „geschäftsleitenden Ideen“ entwickelt und die „unternehmensbezogenen Entscheidungen“ getroffen werden, kommt es nur dann an, wenn dies für die ausgeübte Tätigkeit insgesamt prägend ist. Die qualitative Beurteilung gilt aber auch dann, wenn die Tätigkeit im Außendienst zeitlich überwiegen sollte. Dem zeitlichen (quantitativen) Umfang der Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers kommt lediglich eine Indizwirkung zu.

Mittelpunkt bei mehreren Tätigkeiten: Übt jemand mehrere betriebliche oder berufliche Tätigkeiten nebeneinander aus oder umfasst eine berufliche oder betriebliche Tätigkeit mehrere unterschiedliche Aufgabenbereiche, bildet das Arbeitszimmer nur unter dieser Voraussetzung den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit: Der Mittelpunkt jeder einzelnen betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit oder jedes einzelnen Aufgabenbereichs muss sich im Arbeitszimmer befinden. Der unbegrenzte Abzug der Aufwendungen scheidet daher aus, wenn der Unternehmer neben einer Haupttätigkeit mit Mittelpunkt im häuslichen Arbeitszimmer eine weitere Tätigkeit oder einen weiteren Aufgabenbereich mit anderweitigem Mittelpunkt wahrnimmt. Das gilt nicht, wenn alle weiteren Tätigkeiten mit anderweitigem Mittelpunkt zusammen von völlig untergeordneter Bedeutung sind. Das häusliche Arbeitszimmer und der Außendienst können nicht gleichermaßen Mittelpunkt der beruflichen Betätigung sein (BFH, Urteil v. 21.2.2003, VI R 14/02).

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Schlagworte zum Thema:  Häusliches Arbeitszimmer, Betriebsausgaben, Betriebsausgabenabzug, Privatnutzung, Steuerabzug, Arbeitszimmer, Außerhäusliches Arbeitszimmer

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