09.02.2016 | Top-Thema Arbeitszimmer: Steuerabzug auch bei privater Nutzung?

Betriebsausgabenabzug bei Beschäftigung fremder Arbeitnehmer

Kapitel
Ein 100 %iger Betriebsausgabenabzug für ein häusliches Arbeitszimmer ist dann möglich, wenn ein fremder Arbeitnehmer in den Räumlichkeiten beschäftigt wird.
Bild: Haufe Online Redaktion

Kapitel 5 beschäftigt sich mit der Möglichkeit, alle Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten steuerlich ansetzen zu können.

Häusliche Sphäre wird aufgehoben bzw. überlagert – fremde Arbeitnehmer werden beschäftigt

Das BFH-Urteil vom 9.11.2006 (IV R 2/06) bietet dem Unternehmer bzw. Freiberufler trotz aller Einschränkungen die Möglichkeit, seine Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer zu 100 % als Betriebsausgaben abzuziehen. Das ist der Fall, wenn er im häuslichen Arbeitszimmer

  • mindestens einen Arbeitnehmer beschäftigt,
  • der nicht zu seinem Haushalt und auch nicht zu seiner Familie gehört.

Praxis-Beispiel: Bei Nebentätigkeit Sekretärin beschäftigt

Ein Rechtsanwalt übt neben seiner Arbeitnehmertätigkeit eine selbstständige Nebentätigkeit aus. Die Büroräume für seine selbstständige Nebentätigkeit befinden sich in zwei Kellerräumen seines Einfamilienhauses. In einem dieser beiden Räume hat er einen Sekretariatsarbeitsplatz mit einer Computeranlage eingerichtet. Den anderen Raum, der mit einem Schreibtisch und Bücherregalen ausgestattet ist, nutzt er als Anwalts- und Besprechungszimmer.

Für anfallende Schreibarbeiten beschäftigt er zwei Teilzeitkräfte, die nach Bedarf für ihn tätig werden. Obwohl das Büro des Rechtsanwalts nicht ganztägig besetzt ist, kann er die gesamten Aufwendungen, die auf die beiden Räume entfallen, als Betriebsausgaben geltend machen. Durch die Beschäftigung der Arbeitnehmer wird die Privatsphäre überlagert, sodass es keine Rolle mehr spielt, dass die Räume nicht den Mittelpunkt seiner gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bilden. Der Rechtsanwalt kann seine Aufwendungen als Raumkosten abziehen.

Wichtig ist, dass es sich bei den beschäftigten Personen um dritte Personen handelt, die weder zur Familie noch zum Haushalt gehören. Diese Voraussetzung muss zumindest bei einer Arbeitskraft (Teilzeitkraft) vorliegen. D. h., neben einem fremden Dritten kann der Unternehmer auch seinen Ehepartner beschäftigen.

Mehrere Räume, die in der häuslichen Sphäre liegen und nahezu identisch genutzt werden, sind als eine Einheit anzusehen. Bei einem Sekretariatsarbeitsplatz und dem Anwalts- und Besprechungszimmer liegt eine funktionale Einheit vor, weil beide Nutzungen mit der Rechtsanwaltstätigkeit im Zusammenhang stehen. Eine Überlagerung der häuslichen Sphäre trifft also entweder insgesamt oder gar nicht zu. Bei einer Überlagerung sind die Aufwendungen dann ohne Einschränkung als Betriebsausgaben abziehbar.

Vorsicht! Wird nur eine minimale Arbeitszeit vereinbart, um den Steuervorteil beim Arbeitszimmer zu erhalten, kann das Finanzamt von einem Missbrauch von Gestaltungsmöglichkeiten ausgehen und den vollen Betriebsausgabenabzug versagen.

Aufzeichnungspflichten und Vorsteuerabzug

Die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer müssen innerhalb der Buchführung einzeln und gesondert ausgewiesen (gebucht) werden (§ 4 Abs. 7 EStG). Die Aufzeichnungsverpflichtung ist auch dann erfüllt, wenn die Kosten im Rahmen des Jahresabschlusses aufgeteilt und die anteiligen Betriebsausgaben erst dann gesondert aufgezeichnet werden. Die Zusammensetzung der einzelnen Beträge muss sich aus den Belegen und Zusammenstellungen ergeben (BMF, Schreiben v. 7.1.2004, IV B 5 – S 2145 – 71/03). Der volle Vorsteuerabzug kann auch dann geltend gemacht werden, wenn ein Abzug der Aufwendungen nicht möglich oder auf 1.250 EUR begrenzt ist.

Arbeitsmittel dürfen uneingeschränkt abgezogen werden

Kosten für die Einrichtung des Arbeitszimmers können zu 100 % abgezogen werden, wenn und soweit es sich um Arbeitsmittel handelt (BFH, Urteil v. 21.11.1997, VI R 4/97). Hierzu gehören z. B.

  • Schreibtische,
  • Stühle,
  • Büroschränke
  • Schreibtischlampen und
  • andere Büromöbel.

In diesem Zusammenhang spielt es keine Rolle, ob die Kosten eines Arbeitszimmers in vollem Umfang, teilweise oder überhaupt nicht abgezogen werden dürfen.

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Schlagworte zum Thema:  Häusliches Arbeitszimmer, Betriebsausgaben, Werbungskosten, Betriebsausgabenabzug, Privatnutzung, Steuerabzug, Arbeitszimmer, Außerhäusliches Arbeitszimmer

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